Gericht

Angeklagter aus Sprockhövel feilscht vor Gericht um Strafe

Das Amtsgericht hat das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Das Amtsgericht hat das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Sprockhövel.  Das Verfahren gegen einen Mann aus Sprockhövel wegen Misshandlung seiner herzkranken Tochter wird gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Um die Misshandlung eines zweimonatigen, herzkranken Mädchens ging es am Mittwoch am Amtsgericht. Doch vom Vorwurf blieb nicht mehr viel übrig. Das Verfahren wurde gegen eine Geldstrafe von 600 Euro eingestellt.

Angeklagt waren der 24-jährige J. und dessen Eltern. Am 23. März 2019 soll der junge Mann das Baby, das auf Medikamente angewiesen war, in einem Wutanfall genommen und auf eine Couch geschmissen haben. Er sei wütend gewesen, weil seine Partnerin dem Kind Medizin gegeben habe.

„Er wollte das nicht. Das Kind stirbt sowieso, hat er gesagt. Außerdem wollte er kein Mädchen“, so die junge Mutter A. Sie habe aus Sprockhövel wegziehen wollen, um nahe an Arztpraxen zu sein. Auch darüber gab’s Streit. Mittlerweile ist sie ausgezogen.

Übelste Beschimpfungen waren in der Familie wohl üblich

Nach einer Diskussion habe er sie auf den Rücken und ins Gesicht geschlagen, so dass sie eine Platzwunde an der Lippe davontrug. Außerdem sei ihr ein Zahn abgebrochen. Die mitangeklagte Mutter habe nach dem Streit das Baby genommen und sich in ihrer Wohnung eingeschlossen, so dass sie längere Zeit nicht an ihr schreiendes Kind gekommen sei.

Übelste Beschimpfungen waren in der Familie wohl üblich, stellte der Verteidiger der Mutter fest, nachdem er die junge Frau im Zeugenstand danach gefragt hatte. Im übrigen habe sie ja die Anzeige zurückgezogen, das Problem sei innerhalb der Familien geklärt worden und mehr würde sie dazu nicht mehr sagen.

Das rief den Staatsanwalt auf den Plan. „Hier sitzen drei Leute auf der Anklagebank, Sie haben nicht das Recht, die Aussage zu verweigern“, stellte er klar. Anfangs hatte Richter Johannes Kimmeskamp gefragt, ob sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert sei. „Nach unserer Tradition waren wir verheiratet“, erwiderte sie. Da die Eltern des Babys aber nie nach deutschem Recht getraut wurden, war sie mit dem Angeklagten nicht verwandt und musste aussagen.

Der angeklagte Vater ging beim Streit dazwischen

Er sei an dem Morgen bei dem Streit „auf 180 gewesen“, räumte der 24-jährige ein. Tätlich geworden sei er aber nicht. Bei den Aussagen beider gab es viele Ungereimtheiten. Sein angeklagter Vater sei bei dem Streit dazwischen gegangen, damit wieder Ruhe einkehrte, erklärte eine Dolmetscherin. Denn beide Parteien wohnten im selben Haus.

Die junge Mutter sagte, sie habe dann bei einem Kinderkrankenpflegedienst, der das Baby medizinisch versorgte, hilfesuchend angerufen. Die Krankenschwester, die A. direkt abholte, um zur Klinik nach Witten zu fahren, erklärte, die junge Frau sei mit zwei gepackten Koffern und dem Baby abfahrbereit gewesen. Verletzungen habe sie weder beim Baby, noch bei der Mutter gesehen.

Richter Kimmeskamp ließ sich schließlich auf 600 Euro Strafe ein

Während der Fahrt rief die Krankenschwester die Polizei, weil sie vom 24-Jährigen verfolgt würde. In der Wittener Klinik kam es dann zu einer Prügelei zwischen der Schwester von J. und der Mutter des Babys. Dafür kassierte die Schwester von J. einen Strafbefehl. Das Gericht bot an, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 750 Euro einzustellen.

Damit aber war der angeklagte Senior nicht einverstanden und begann zu feilschen. 500 Euro seien genug, meinte er. „Es wird hier immer mit der ganzen Familie beraten“, erklärte ein Verteidiger. Richter Kimmeskamp ließ sich schließlich auf 600 Euro Strafe ein.

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