Prozess

Fünf Flaschen Bier vor Tankstellenüberfall in Sprockhövel

Der Angeklagte Zafer C. (24, rechts, mit Verteidiger Andreas Trode) hat die Tankstelle in Haßlinghausen mit dem Hammer überfallen hat. Er legte ein umfassendes Geständnis ab.  

Der Angeklagte Zafer C. (24, rechts, mit Verteidiger Andreas Trode) hat die Tankstelle in Haßlinghausen mit dem Hammer überfallen hat. Er legte ein umfassendes Geständnis ab.  

Foto: Helmut Ullrich

Hagen/Sprockhövel.  Vor dem Amtsgericht Hagen begann jetzt der Prozess gegen einen Gevelsberger, der in Sprockhövel eine Tankstelle überfallen hat.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eine regelrechte Serie von Überfällen sorgte im Januar und Februar unter Tankstellenpächtern im Ennepe-Ruhr-Kreis für Aufregung. Beim siebten Mal schlug der maskierte Räuber auch in Sprockhövel zu: Er überfiel am 21. Februar die Shell-Station an der Mittelstraße in Haßlinghausen. Dabei benutzte er einen Hammer. Gestern hat Zafer C. (24) aus Gevelsberg im Landgericht Hagen sämtliche Taten zugegeben.

Vorwurf vor Gericht auf „besonders schweren Raub“

Vor der 6. Großen Strafkammer lautet der Vorwurf unter anderem auf „besonders schweren Raub“. Alkohol oder Drogen sollen bei allen sieben Taten im Spiel gewesen sein. Beim Tankstellenüberfall in Sprockhövel hatte Zafer C. vorher „fünf Flaschen Krombacher“ intus, sich ausnahmsweise aber kein Kokain oder Amphetamin durch die Nase gezogen: „Weil ich an diesem Tag kein Geld für Drogen hatte“, erklärte der junge Mann, der sich seit dem 13. Juni in Untersuchungshaft befindet, ganz freimütig.

Tankstelle längere Zeit beobachtet

Am 21. Februar, es war ein Donnerstag, hatte er sich abends mit dem Auto zum Tatort an der Mittelstraße bringen lassen. Bereits während der Fahrt will er reichlich Bier getrunken haben. Gegenüber der Tankstelle hätte er gewartet und weitere Flaschen Krombacher geleert. Die junge Frau, die zu der Zeit an der Shell-Station arbeitete, konnte er von dort gut beobachten. Um 20.51 verließ sie den Bereich hinter der Theke und trat nach draußen, um leere Pfandflaschen wegzuräumen.

338,70 Euro aus der Kasse genommen

In diesem Augenblick stand der Räuber mit einem Hammer vor ihr. Der mit einer dunklen Sturmhaube maskierte Täter, von dem durch Sehschlitze nur die Augen zu erkennen waren, drängte sie zurück in den Verkaufsraum und zeigte auf die Kasse. Als die Angestellte nicht schnell genug reagierte, schlug der Räuber mit seinem Hammer auf den Verkaufstisch. Aus Angst öffnete die Frau nun die Kasse. Der Maskierte mit den schwarzen Stoffhandschuhen riss 338,70 Euro heraus und packte das Geld in einen mitgebrachten weißen Jutebeutel. Dann griff er noch ein paar Schachteln „Lucky Strike“, Blättchen und einige CD’s aus dem Regal und verließ fluchtartig die Tankstelle.

DNA-Spuren überführen den Täter

Über die Mittelstraße (Richtung Wuppertal), wo das Fluchtauto auf ihn wartete. Durch die Außenüberwachung einer Videokamera konnten die Ermittler später feststellen, dass sich der Täter zuvor auf dem Gelände gegenüber aufgehalten hatte. Es konnte auch die Krombacher-Bierflasche sichergestellt werden. Über DNA-Spuren kam die Polizei den Räubern, die an den Tankstellen-Überfällen im Ennepe-Ruhr-Kreis (davon vier in Gevelsberg, einen in Schwelm, einen in Sprockhövel und einen in Dortmund) beteiligt waren, auf die Spur. Mitangeklagt ist derzeit auch der Gevelsberger Hilmi P.L. (37), der an insgesamt zwei Überfällen in Gevelsberg und Schwelm beteiligt gewesen sein soll, die Taten jedoch vehement bestreitet. Am Mittwoch soll das Verfahren um 13 Uhr weitergehen.

INFO

Die Shell-Tankstelle an der Mittelstraße in Haßlinghausen war bereits vor Jahren mehrmals hintereinander überfallen worden. Am 26. September 2010 begann seinerzeit die unheimliche Raubserie, die mit der vierten Tat am 29. März 2011 endete.

Für das laufende Verfahren hat das insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Etliche Zeugen sollen noch vernommen werden. Das Urteil ist für den 17. Dezember vorgesehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben