Gericht

Spielhallen-Räuber gesteht Überfälle, Einbrüche und mehr

Die Spielhalle an der Mittelstraße in Sprockhövel war gleich zwei Mal Ziel des Täters.

Die Spielhalle an der Mittelstraße in Sprockhövel war gleich zwei Mal Ziel des Täters.

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Ennepe-Ruhr.  Doppelt überfiel der Ennepetaler eine Sprockhöveler Spielhalle, außerdem ein Paar in Breckerfeld und drohte mit einer Pistole. Ihm droht nun Haft

Der Mann mit der übers Gesicht gezogenen Wollmütze schaute zunächst durch das Guckloch der Eingangstür. Es war 7.43 Uhr, als er an diesem Mittwochmorgen das menschenleere Casino „Spiel-Treff“ an der Mittelstraße in Haßlinghausen betrat. Vorbei an den Daddelautomaten, mit gezückter Pistole, direkt auf die Aufsicht hinterm Tresen zu: „Gib mir das Geld, Geld, Geld“, forderte der Räuber. Jetzt wurde der Fall vor Gericht verhandelt.

Angeklagter stand bereits mehrfach vor Gericht

Für die junge Spielhallen-Servicekraft (29) dürfte der 11. April vergangenen Jahres der schlimmste Tag ihres Lebens gewesen sein. „Wenn mich nur jemand etwas länger anschaut, kriege ich Panik, weil ich denke, das könnte der Typ wieder sein“, gab sie zwei Tage nach dem Überfall unter Tränen bei der Polizei zu Protokoll. Jetzt muss sie nicht als Zeugin vor Gericht erscheinen.

Am Landgericht Hagen ist Viktor H. (38) aus Ennepetal angeklagt. Seit Jahren heroinabhängig, an mehreren Suchttherapien gescheitert, langjährige Haftaufenthalte, 16 Vorstrafen. Jetzt will er sein Leben umkrempeln und neu durchstarten, wenn er die sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahre Gefängnis, die ihm die 9. Große Strafkammer als zu erwartendes Strafmaß in Aussicht stellt, hinter sich gebracht hat.

Überfälle, Einbrüche und Diebstähle

Der Angeklagte, geschickt beraten durch seinen Verteidiger Timo Scharrmann, legt ein umfassendes Geständnis ab. Er räumt einen Überfall auf ein Pärchen in Breckerfeld ein, bei dem er (mit einem bisher unbekannt gebliebenen Mittäter) ein Tablet und 200 Euro Bargeld erbeuten konnte. Er gibt vier Einbrüche und Werkzeug-Diebstähle in Ennepetal zu. Und er gesteht, der maskierte Räuber aus der Sprockhöveler Spielhalle zu sein.

„Als ich ihn sah, mit der Wollmütze und der gezückten Pistole, habe ich mich so erschrocken, dass mir das Putzzeug aus der Hand gefallen ist“, erklärte die Spielhallen-Servicekraft. Aus nur einem Meter Entfernung blickte sie in den Lauf der Schusswaffe. Das Bargeld aus der Kasse musste sie ihm in den mitgebrachten schwarzen Rucksack stecken, 400 Euro. Dann verlangte er, den Tresor zu öffnen. Doch das ging angeblich nicht: „Ich habe dafür keinen Schlüssel“, log sie. So blieb es bei der relativ geringen Beute.

Angestellte muss sich einschließen

Der Räuber kommandierte die Frau in Richtung Toilette. Dort wurde sie gezwungen, sich selbst einzuschließen. Erst als der Täter weg war, konnte sie dort ein Fenster öffnen und einen Passanten, der draußen vorbeikam, um Hilfe bitten. Der benachrichtigte die Polizei.

Die Casino-Angestellte hat das ganze Geschehen noch immer in schlimmer Erinnerung: „Es war wie eine schwarze Wand vor mir.“ Und für sie steht fest: „Ich werde dort nie mehr arbeiten.“

Diebstahl in Spielhalle

Bereits vier Tage vor dem Überfall, am 7. April vergangenen Jahres, war Viktor H. in derselben Spielhalle in Sprockhövel kriminell aktiv – diesmal als Dieb. Auch hier erschien er morgens. Um 7.05 Uhr, mit übergestülptem Motorradhelm.

Die Spielhallen-Aufsicht (51), die gerade mit dem Staubsauger einen Nebenraum säuberte, bemerkte ihn nicht. Sie sah auch nicht, wie er 3000 Euro stahl. Als sie mit der Reinigung fertig war und in den Spielhallen-Raum zurückkam, stellte sie erstaunt fest: „Die Kasse stand offen, das Geld war weg.“ Zumindest die Überwachungskamera hatte den Diebstahl ganz genau gefilmt.

Heroinsucht finanziert

Mit dem erbeuteten Geld finanzierte Viktor H. später seine Heroinsucht. Von zunächst vier anberaumten Prozesstagen können aufgrund des voll umfänglichen Geständnisses des Angeklagten zwei Verhandlungstage entfallen. Sein Aussageverhalten sei „erfrischend offen“, befand der Vorsitzende Richter Bernhard Kuchler.

Bereits am nächsten Prozesstag (30. Oktober) soll das Urteil fallen: Irgendwas zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren Gefängnis.

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