Kirchensanierung

Warum die Kirchengemeinde Sprockhövel eine Uhr versteigert

Die beiden eingelagerten Zifferblätter – das rechte soll nun am Samstag versteigert werden.      

Foto: Kirchengemeinde

Die beiden eingelagerten Zifferblätter – das rechte soll nun am Samstag versteigert werden.     Foto: Kirchengemeinde

Sprockhövel.   Die Zwiebelturmkirche in Sprockhövel muss saniert werden. Um Geld zu sammeln, kommt eines von vier historischen Zifferblätttern unter den Hammer.

Die Sanierung der Zwiebelturmkirche in Niedersprockhövel stellt für die evangelische Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel eine gewaltige Herausforderung dar. Um das am Turm befindliche Spendenbarometer weiter in die Höhe zu treiben, gibt es am kommenden Samstag, 9. Dezember, eine besondere Aktion: Abgesegnet vom Presbyterium hat sich die Gemeinde entschlossen, eines der vier historischen Zifferblätter der Turmuhr zu versteigern. „Die beiden an der Wetterseite haben wir vor einiger Zeit durch neue ersetzt, sie sind jetzt eingelagert“, informiert Pfarrer Arne Stolorz. Die Untere Denkmalschutzbehörde schreibt die Aufbewahrung des besser erhaltenen Zifferblatts vor, das andere darf jedoch veräußert werden.

Ausdruck Sprockhöveler Identität

Um 17 Uhr ist traditioneller Barbara-Gottesdienst mit Pfarrer i.R. Manfred Jacob und den Bergknappen in der Zwiebelturmkirche. Im Anschluss, gegen 18 Uhr, werden zunächst 33 Jubiläumskrüge St. Barbara von der polnischen Bergbauakadademie Krakau zugunsten der Kirchensanierung durch die ehemalige Stadtarchivarin Inge Haack und Ulrich Pätzold-Jäger versteigert, dann ist das etwa einen Zentner schwere Zinkblech dran. „Das Mindestgebot liegt bei 500 Euro, wir rechnen aber mit einem deutlich vierstelligen Betrag“, sagt Pfarrer Stolorz.

Bislang war die Kirchengemeinde davon ausgegangen, dass die Zifferblätter aus den 1960-er Jahren stammen. Der Expertise des Kirchenarchivars Ulrich Sdroyek (siehe Zweittext) ist es jedoch zu verdanken, dass man heute um das richtige Alter der Blätter weiß. Bei der Gemeinde rechnet man damit, dass sich geschichtsbewusste, vielleicht aber auch Menschen mit Freude an außergewöhnlichen wie exklusiven Dekorationen für die Platte mit dem Durchmesser von 1,26 Meter interessieren könnten. „Das Zifferblatt könnte als schwerer Wandschmuck verwendet werden oder zu einem Beistell- oder Wohnzimmertisch verarbeitet werden“, schlägt Stolorz vor. Vor allem aber sei es ein wunderschöner Ausdruck Sprockhöveler Identität.

Es geht um den Erhalt eines Sprockhöveler Wahrzeichens

Die evangelische Kirchengemeinde ist durch die notwendige Sanierung der Zwiebelturmkirche finanziell sehr belastet (wir berichteten). Allein der erste Bauabschnitt, der die Renovierung des Kirchendachs umfasst, schlägt mit rund 400 000 Euro zu Buche. Für die Innensanierung werden Mittel benötigt, „und mittendrin wurde festgestellt, dass auch der Turm sanierungsbedürftig ist“, berichtet Pfarrer Stolorz. Dafür werden zusätzlich 150 000 Euro veranschlagt. „Die Rücklagen reichen dafür nicht. Wir sind froh, durch Spenden und Benefizkonzerte so viel Geld zu sammeln, dass wir das Wahrzeichen von Sprockhövel hoffentlich erhalten können.“

>>> Rechnung von 1891 gefunden

Der ehrenamtlich tätige Kirchenarchivar Ulrich Sdroyek hat durch intensive Recherchen herausgefunden, dass die Zifferblätter der Zwiebelturmkirche nicht aus den 1960-er Jahren stammen, sondern vom Ende des 19. Jahrhunderts datieren. „Daher habe ich einen Vermerk geschrieben, der dieses Wissen festhält“, so Sdroyek.

Er verweist darin auf eine Rechnung der Bochumer Firma Krancher vom 26. April 1891, die eine Turmuhr mit vier Zifferblättern für 1145 Mark lieferte. Das verzinkte Eisenblech wurde weiß deckend, die Ziffern wurden schwarz gestrichen. Auf Fotos könne der Zustand bis 1963 nachgewiesen werden. Eine Rechnung der Firma Meinecke aus Ennepetal vom 13. Dezember 1966 gibt Auskunft darüber, dass die Zifferblätter entrostet und dreimal schwarz gestrichen wurden, die Zeiger und Ziffern wurden vergoldet.

Sdroyek schreibt weiter, dass anlässlich einer Generalüberholung der Uhrenanlage laut einer Berechnung der Herdecker Firma Greinke die vier Zeigerpaare erneut vergoldet wurden. Zusätzlich wurden die unzureichend befestigten Zifferblätter mit Winkeleisenstücken und Drahtseilen gesichert.

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