Sundern. . Ein Patentrezept, wie Trauernde Weihnachten gut überstehen, hat Trauerbegleiterin Iris Willecke nicht, aber gute Ideen.

  • Trauer und Weihnachten sind zwei Konfliktbegriffe
  • Viele Menschen möchten am liebsten in Tiefschlaf fallen, um die Festtage zu überspringen
  • Trauerbegleiterin hat kein Patentrezept, aber einige Tipps

Weihnachten und Trauer, das sind zwei Dinge, die eng mitein­ander verbunden sind. Unsere Zeitung sprach mit der Trauerbegleiterin Iris Willecke aus Sundern über die Lösungen, die man finden kann, um der emotionalen Falle an diesen Tagen zu entgehen.

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Für die gebürtige Bielefelderin ist die Trauerbegleitung eine Herzensangelegenheit: „Ich habe als Krankenschwester lange Jahre auf onkologischen Abteilungen gearbeitet. Von daher waren mir Tod und Trauer nicht unbekannt.“ Und wie viele Trauerbegleiter hat sie auch eine eigene Erfahrungen. Als sie später der Liebe wegen nach Sundern zog, hat Iris Willecke zunächst beim Arnsberger Sternenweg mitgearbeitet.

Seit drei Jahren ist sie nun selbstständige Trauerbegleiterin, nach entsprechenden Ausbildungen. Seither bietet sie auf verschiedenen Ebenen Trauerbegleitung an: „Das schönste Erlebnis war vor zwei Wochen, als ich einen Nachmittag für Witwen und Witwer im Hofcafé organisiert habe“, berichtet sie: „Es sind 33 Personen gekommen, und lange nach dem Schluss des Nachmittages standen noch mehrere Personen immer auf dem Hof und haben geredet.“ Damit habe sie am dritten Advent viel erreicht, nämlich, dass Menschen miteinander ins Gespräch gekommen sind. Und gerade rechtzeitig vor Weihnachten: „Das war mir sehr wichtig.“

Ein bedeutendes Thema

Denn Weihnachten ist bei allen Trauernden ein Thema von großes Bedeutung: „Weihnachten wird uns ja als Fest der Liebe und der Familie dargestellt. Und Weihnachten macht so die Lücke, die da ist, noch viel größer. Manchen wünschen sich, vor Weihnachten in eine Art Winterschlaf zu fallen und es einfach ausfallen zu lassen.“ Durch die Betonung von Weihnachten als Familienfest werde die Einsamkeit noch mehr vergrößert, berichtet Iris Willecke aus ihren Erfahrungen: „Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Menschen erst kürzlich oder vor Jahren verloren hat. Es ist so, dass im ersten Jahr die Trauer noch so riesig und übermächtig ist, dass man Weihnachten kaum empfindet, aber vor allem das zweite Jahr macht den meisten Trauernden sehr zu schaffen“, weiß Iris Willecke.

Grußkarten schmerzen

Viele Trauende würden sich in der Situation verloren sehen: „Ich bin der einzige, der ein schlimmes Weihnachten hat und alle anderen feiern“, heiße es dann. Jede Grußkarte gebe einen Stich ins Herz. Beim Verlust der Eltern, mache man an Weihnachten auch immer einen Verlust an Tradition fest. Aber es gebe auch praktische Hilfe, sagt die Trauerbegleiterin.

„Man muss schon frühzeitig vor dem Fest einen Plan machen“, rät sie. Denn Verkriechen bringe nichts. „Ich schaue, was mir gut tut, und nehme mir ganz bewusst egoistisch ein großes Stück Freiheit: Ich kann den Zustand in drei Tagen nicht vorhersagen“, rät Willecke, dass man nicht an dem gefassten Plan kleben muss, wenn die Erinnerungen einen überkommen. „Man muss auf sich selbst hören und auch danach handeln.“ Das gelte auch für Einladungen: „Ich muss mit niemandem feiern, wenn es mir weh tut.“ Wichtig sei Ehrlichkeit zu sich selbst: „Das bringt mich in der Trauer weiter. Schlimme Gefühle müssen gefühlt werden. Ein schlechtes Fest bringt mich für das nächste Jahr weiter.“

Ein Gedeck zusätzlich auf den Tisch

Ganz praktische Tipps, wie man der Trauer Raum gibt, seinen dem Verstorbene einen Platz am Tisch geben, einen Gedeck mehr auflegen. Sinnvoll finde sie eine Tradition, die die Familie von Dietrich Bonhoeffer gepflegt habe: „Man schneidet einen großen Ast aus dem Weihnachtsbaum mit Schmuck, den man dann auf das Grab legt. So verbindet sich alles“, sagt Iris Willecke. Trauernde hätten oft Angst, den Verstorbenen zu vergessen: „Da rate ich zu einem Erinnerungsbuch, zu einem Kunstwerk, dazu eine Biografie zu schreiben.“ Bei Wut-Gefühlen helfe auch, einen Wutbrief zu schreiben. Wichtig ist außerdem die Frage nach dem Warum zu stellen.

Hilfe

Wen es dann an Weihnachten trotzdem packe, dem rät Iris Willecke zur Telefonseelsorge: 0800/111 0 111, oder einem der vielen Portale im Internet, wo man viele Antworten auf drängende Fragen finde würde.

Mehr unter http://www.telefonseelsorge.de/