Gericht

Tödlicher Raser-Unfall von Hövel: Opfer leiden noch immer

Im August 2018 kam es auf der Bundesstraße 229 zwischen Hövel und Beckum zu einem schweren Verkehrsunfall – wohl durch ein illegales Autorennen.

Im August 2018 kam es auf der Bundesstraße 229 zwischen Hövel und Beckum zu einem schweren Verkehrsunfall – wohl durch ein illegales Autorennen.

Foto: Hartmut Becker

Sundern.   Bei den Opfern ist der tödliche Raser-Unfall bei Sundern-Hövel noch immer präsent. Vor Gericht treffen sie nun auf die mutmaßlichen Verursacher.

Der 1. August 2018 war ein Tag mit tiefblauem Himmel. Es war aber auch ein Tag, der das Leben vieler Menschen verändert hat, in Sekundenschnelle und auf grauenvolle Weise. „Ab da war alles anders“, sind sich die Betroffenen des Raserunfalls auf der B 229 an der Stadtgrenze zwischen Sundern und Balve kurz hinter Hövel zusammen einig.

Kurz vor dem Prozessbeginn am Landgericht Arnsberg gegen die beiden Autofahrer, die sich laut Anklage der Staatsanwaltschaft ein Rennen geliefert haben sollen, hatte unsere Redaktion Gelegenheit mit drei der Betroffenen zu sprechen, in Begleitung von Simone Hammecke-Klüter, Rechtsanwältin aus Iserlohn. Sie vertritt drei der Opfer des Unfalls vor Gericht im Zuge der Nebenklage, ein weiteres Opfer wird von einer anderen Anwaltskanzlei vertreten.

Interessen der Opfer wahrnehmen

„Wir werden die Interessen der Opfer wahrnehmen, wir können in dem Prozess Einfluss nehmen, Anträge stellen. Wenn die Entscheidungen nicht wie gewünscht gefällt werden, können wir auch Rechtsmittel einlegen“, berichtet die Rechtsanwältin über ihre Rolle in dem Verfahren. Der eigentlich Prozesskern, der Unfall, wurde aus prozessualen Gründen im Gespräch ausgespart.

Im Gegensatz zu den Opfern werden die beiden Rechtsvertreter immer im Gerichtssaal anwesend sein: „Sie können teilnehmen, müssen aber nicht“, so Simone Hammecke-Klüter. An dem Tage, wo die Opfer als Zeugen geladen sein werden, sind sie natürlich verpflichtet zu erscheinen und ihre Aussage zu machen. „Das ist für meine Mandanten natürlich sehr belastend“, sagt Simone Hammecke-Klüter. Denn dann werde man mit jenem schrecklichen Tag im August wieder konfrontiert.

Die Meinung bei den Opfern über die Teilnahme am Prozess ist unterschiedlich: „Wenn es geht, werde ich dabei sein“, sagt eines der Opfer, während andere sich nicht sicher sind: Man wolle von Tag zu Tag entscheiden, schauen, wie die Verfassung sei.

Leben total verändert

Der Unfall hat das Leben der vier Opfer total verändert. Sie haben lange in Kliniken verbracht, in einem Fall waren es fünf Monate. Auch jetzt, im Mai 2019, sind noch alle in Behandlung. Besonders schwer sei es, selbst wieder Verkehrsteilnehmer zu sein: „Man sieht jeden Raser und erkennt jetzt immer den zweiten Schritt, den gefährlichen Ausgang“, berichten die Opfer im Gespräch. So sei der Unfall vom Abend des 1. August immer präsent, ob nun mit den körperlichen Schäden, die jeder erlitten hat, aber auch mental. Das verursache auch Wut.

Die körperlichen Schäden zeigen die Wucht des Aufpralls der Autos: Lungenquetschungen, Rippenbrüche, Beckenbruch, Gehirnblutungen, Arm- und Oberschenkelbrüche. Die langfristigen Folgen sind nach mehrmonatigen Klink- und Reha-Aufenthalten nicht abschätzbar.

„Die Feinmotorik ist immer noch gestört bei mir“, berichtet ein Opfer, etwa wenn es den Zündschlüssel im Auto nicht starten könne. Andere berichten davon, dass Dinge aus der Hand fallen, die Finger gefühllos und taub seien. „Das sind Nervenschädigungen durch den enormen Druck beim Aufprall“, informiert Rechtsanwältin Hammecke-Klüter.

Furcht vor der Aussage vor Gericht

Besonders hart wird es für die Opfer, wenn sie im Verlaufe des Prozesses über den Verlauf des Tages, den Unfall und ihre Schäden berichten müssen. Und in einer Familie geht es ja bekanntlich nicht nur um die eigenen Schädigungen durch den Unfall, sondern auch um den Verlust der Ehefrau und die daraus resultierenden Folgen.

Schwierig ist es für die Opfer auch über ihre Erwartungen an das Verfahren zu sprechen. Wieder kommt die aufgestaute Wut hoch. „Strafe muss sein“, sind sie sich einig, und dass die Unfallfahrer den Führerschein auf Lebenszeit abgeben sollten.

Auf einer Romfahrt kennengelernt

Kennengelernt hatten sich die fünf Insassen des Autos, die aus Arnsberg und Sundern stammen, bei einer Urlaubs-Fahrt nach Rom im Jahr 2017. Am 1. August 2018 war die Gruppe in Menden zu einem Essen verabredet, später fuhr man durch das Hönnetal über Beckum heimwärts.

In Langscheid wollte man noch gemeinsam auf einer Terrasse den Abend ausklingen lassen. Dazu kam es leider nicht mehr. Kurz vor dem Abzweig zum Sorpesee am Forsthaus Melschede krachte der gelbe Audi in den Golf der fünf Romfahrer. Ab dieser Sekunde waren alle Pläne, alle Ideen für die Zukunft vorbei.

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