Neujahrsempfang

Die Sunderner Zukunft ist digital

Im Verlauf des Neujahrsempfangs ehrt die  Stadt Sundern im Beisein von Stemels Ortsvorsteher Patric Cremer (rechts) acht Bürger und Institutionen aus Sundern für deren Engagement.

Im Verlauf des Neujahrsempfangs ehrt die Stadt Sundern im Beisein von Stemels Ortsvorsteher Patric Cremer (rechts) acht Bürger und Institutionen aus Sundern für deren Engagement.

Foto: Frank Albrecht / WP

Sundern.  Festredner Jörg Heynkes hält beim Sunderner Neujahrsempfang eindringlichen Vortrag / Bürgermeister ehrt Bürger für ihr analoges Engagement.

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Als Brückenbauer war der Gastredner des städtischen Neujahrsempfangs in Sundern angekündigt worden, und Unternehmer Jörg Heynkes hielt Sonntag in der Stemeler Schützenhalle dieses Versprechen. Unter dem Titel „Klimawandel. Warum wir die Welt nur digital retten – oder gar nicht“ gab es für die Gäste, unter ihnen der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Rat und Verwaltung, einen spannenden Blick auf die Zukunft.

Der Vizepräsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer aus Wuppertal unterhielt weit über eine Stunde lang. Den Grußworten auf dem Neujahrsempfang in Sundern folgend, startete Jörg Heynkes seine Präsentation für die die Leinwand unverzichtbar war.

„Unser Leben wird von zwei Mega-Trends bestimmt, Digitalisierung und Klimawandel“, so Heynkes in Sundern. Auf deren Fortschreiten in der Welt und auch in Sundern hätte die Menschheit keinen Einfluss, würden aber von ihnen beeinflusst. Und mit dem Foto eines Tsunamis von 2004 unterstrich er seine These auch bildlich: „Die Digitalisierung ist wie ein Tsunami, und wir sollten vorbereitet sein und die kommende Welle auch reiten können.“

Immer Gewinner und Verlierer

Der Festredner verdeutlichte, dass Digitalisierung und Klimawandel eng zusammenhängen, es bei der Entwicklung der Digitalisierung immer Gewinner und Verlierer gibt: Mehr Nachschlagewerke im Netz würden die Bäume schützen, die Arbeiter in Druckereien jedoch in ihrer Existenz gefährden. Erfinder wie Steve Jobs von Apple hätten Trends gesetzt, denen sich heute niemand mehr entziehen könne. Facebook habe inzwischen die größte Kommune geschaffen, ein Markenzeichen, was lange Zeit der Kirche zugeordnet worden sei. Die Daten seien das Öl von heute, so Heynkes.

Seine Zuhörer in Stemel konnte er damit verblüffen, dass Europa nur drei Prozent an der digitalen Weltökonomie halte. Da, so Heynkes, müsse dringend nachgebessert werden. Er malte das Ausmaß der Bevölkerungsentwicklung aus, in den letzten 19 Jahren seien 1,7 Milliarden Menschen dazu gekommen. Mit ihnen die 4. Industrielle Revolution nach der Erfindung der Dampfmaschine und der Bandarbeit von Henry Ford zu stemmen, bleibe eine historische Aufgabe.

Mit zahlreichen Werbefilmen großer Firmen verdeutlichte der Festredner, wie weit die Digitalisierung schon auf dem Vormarsch ist. Humanoide Roboter wie „Pepper“ würden unlängst im direkten Umgang mit Menschen eingesetzt und könnten bald schon immer mehr.

Mit Blick auf den Klimawandel ermutigte Heynkes seine Zuhörer loszulassen: Trend sei, Dinge zu nutzen, nicht sie zu besitzen. Ob Taxi oder Hotelbett, schon jetzt gebe es funktionierende Beispiele dazu. „Wir sind Täter und machen die Klimakrise.“ Und das Zeitfenster für Veränderungen betrage gerade mal 10 bis 20 Jahre, aber mit der Digitalisierung könne man es schaffen.

Ernährung mit weniger Fleisch

Neben einer nötigen Veränderung der Ernährung mit weniger Fleisch könne auch eine intelligente Energiewende Hoffnung machen. Um die Herausforderungen zu meistern, sei aber ein sinnvoller Föderalismus nötig. „Wir bürokratisieren uns zu Tode, nerven sie jeden Politiker damit“, forderte Heynkes von seinen Zuhörern. Mit Blick auf die Entwicklung der Mega-Trends gebe es kein „Weiter so!“. „Werden Sie alle Zukunftsmacher“, munterte er seine Zuhörer beim Neujahrsempfang auf.

Zur schweren Kost gab es vor der Ehrung verdienter Bürgerinnen und Bürger Entspannung beim Gesang des MGV Sangesfreunde Stemel. Im Anschluss nahm Bürgermeister Ralph Brodel die Bürgerehrung vor und lud jeden Geehrten zum Eintrag in das goldene Buch der Stadt ein. Auf Vorschlag der Ortsvorsteher wurden die Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement in Feuerwehr, Wander- und Schützenvereinen, Frauengemeinschaften, Kirchen oder bei der direkten Unterstützung von Menschen ausgezeichnet.

„Eine Institution, die noch nie geehrt wurde, ist die Ausgabestelle Sundern der Arnsberger Tafel“, sagte Brodel zu seinem eigenen Vorschlag. Mit den Flüchtlingen 2015 hätten die Helfer eine große Herausforderung gemeistert, heute kümmerten sich die ehrenamtlichen Helfer um 278 Personen in Sundern, darunter 108 Kinder.

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