Junges Engagement

Ehrenamt mit Herz und Wärme: Lena Wieseler aus Sundern

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Lena Wieseler: Engagement für die Tanzgardem der „Flotten Kugel“ und den Musikverein Sundern.

Lena Wieseler: Engagement für die Tanzgardem der „Flotten Kugel“ und den Musikverein Sundern.

Foto: Martin Haselhorst

Sundern.  Lena Wieseler ist ehrenamtlich im Musikverein Sundern und vor allem als Trainerin der Kindergarde der Karnevalsgesellschaft „Flotte Kugel“ aktiv.

In den Umkleidekabinen der Halle 5 des Schulzentrums in Sundern wird es laut. Fröhliches Kinder-Geschnattere kommt näher, die Tür zur kleinen Sporthalle geht auf und rotgekleidete Zwerge flitzen hinein. Spätestens ab jetzt ist Lena Wieseler richtig in ihrem Element. „Wenn ich in die strahlenden Kinderaugen schaue, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagt sie. Die 25-Jährige ist Trainerin bei den Tänzerinnen der Karnevalsgesellschaft „Flotte Kugel“ Sundern. Und nicht nur das: Auch beim Musikverein Sundern kümmert sie sich als eine der Jugendwartinnen um den Nachwuchs. Sie ist nominiert für unseren Wettbewerb „Junges Engagement“.

Wettbewerb Junges Engagement: Hier finden Sie einen Überblick über weitere Nominierte>>>

Musikalisches Karnevalskind

Lena Wieseler ist ein Karnevalskind. In der Familie Brechmann wächst man mit Musik und der Narretei auf. „Eigentlich dreht sich bei mir schon alles um Musik und Tanz“, erzählt sie „da bin ich familiär vorbelastet“. Bereits seit elf Jahren trainiert sie die Grundschülerinnen in der Kindergarde bei der „Flotten Kugel“, seit drei Jahren auch zwei Solo-Mariechen. Aktuell wird der Tanz für diese Karnevalssession einstudiert. Rund 70 große und kleine Tänzerinnen zählt die „Flotte Kugel“ in verschiedenen Altersklassen - neuerdings auch in einer Mini-Garde der Vier- bis Sechsjährigen. „Die werden schon von Jugendlichen betreut, die ich schon als Kinder trainiert habe“, erzählt Lena Wieseler. Das Angebot kommt an. Bei der Kindergarde gibt es bereits eine Warteliste, da bei 22 Kindern beim Training und auf der Bühne die Grenze erreicht sei.

Wohnort in Calle-Wallen

Langeweile kann sie eigentlich nicht haben. Nach Besuch der Marien-Grundschule, der Realschule Sundern und des Kollegs Bergkloster Bestwig (Abitur 2015) machte sie eine Ausbildung zur technischen Produktdesignerin bei Obo Bettermann in Menden, wo sie auch heute noch beschäftigt ist. Seit zwei Jahren lebt sie mit ihrem Ehemann in Calle-Wallen bei Meschede. „Aufhören mit dem Engagement nach Umzug, Heirat und Berufseinstieg war für mich nie eine Option“, erzählt Lena Wieseler, „hier kann ich doch so wunderschön abschalten und hier hängt mein Herz dran“. Da macht sie gerne auf dem Weg von der Arbeit nach Hause den Zwischenstopp in der Halle in Sundern.

Dass das mit der Herzensangelegenheit mehr als nur eine Floskel ist, spüren Beobachter und auch die Kinder in jeder Sekunde des Trainings. Liebevoll, mit einfühlsamer Ansprache und trotzdem zielstrebiger Organisation führt sie durch das Training. Immer im Fokus stehen die Kinder: „Es ist doch so schön zu sehen, wie die Kinder hier Freunde treffen und ihre Fortschritte machen“, erzählt die junge Frau.

Engagement in die Wiege gelegt

Aber wie kommt man dazu? Die Eltern lebten Engagement vor, sind selber im Vorstand der „Flotten Kugel“. Beim Karneval, im Musikverein und auch beim Tambourcorps Sundern war sie als Kind aktiv und genoss das Vereinsleben. Musikalisch war sie von 2016 bis zu Beginn der Pandemie für die Flötenausbildung der Jungen und Mädchen zuständig, die das Spielen mit der Piccoloflöte erlernen wollten. Im Musikverein spielt sie Fagott und die Querflöte und trägt auch „mit stolz“ die graue Uniform des Vereins.

Seit 2016 ist sie als Jugendwartin ein wichtiges Bindeglied zwischen Eltern, Kindern und Vereinsvorstand, organisiert Ausflüge und ist für die Belange des musikalischen Nachwuchses die Ansprechpartnerin. „Ich weiß, wie es ist, wenn man ein Musikinstrument lernen möchte“, erzählt sie. Musikvereine machen das allen Interessenten ehrenamtlich und kostengünstig möglich.

Auch beim Gardetanz stand Lena Wieseler viele Jahre selber auf der Bühne. „Ich musste dann aber aus gesundheitlichen Gründen mit dem Tanzen aufhören. Und das tat mir so weh“. Die junge Frau steckte den Kopf aber nicht in den Sand, sondern übernahm Verantwortung. „Man kann halt nicht Nein sagen“, sagt sie lachend, „und dann wächst man stetig mit seinen Aufgaben“.

Enger Draht zu den Kindern

Die sechs- bis zehnjährigen Kinder der Tanzgarde bauen sich inzwischen zu ihrer Choreografie für ihren Tanz auf. „Wollt ihr mit Musik üben“, fragt Lena Wieseler und erntete ein begeistertes „Jaaaaa!“. Und schon startet der Tanz nach der Musik von „Bibi und Tina“ und weiteren Stücken rund um Pferde. Lena Wieseler steht vor den Kindern, wippt mit und gibt gestikulierend Hilfen, wenn Kinder mal vergessen, wie es in der Choreo genau weitergeht. „Ich möchte den Kindern genau das weitergeben, was ich im Verein erleben durfte“, sagt sie.

Mit Sorge blickt sie auf die kommenden Wochen und hofft, dass das Kindertraining trotz steigender Coronazahlen so lange wie möglich weiterlaufen kann. Vor einem Jahr hatten sie und ihre unterstützende Freundin Daniela Baggewöste mit Video-Training, Trainingsvideos mit Fitnessübungen und vielen anderen Aktionen den Kontakt zu den Kindern gehalten. Das Training und die Begegnung in der Halle lasse sich aber durch nichts ersetzen.

Lohn für Training und Einsatz sollen Auftritte bei Turnieren, in Altenheimen und auf Bühnen der Karnevalsvereine sein. „Das sind dann die Höhepunkte“, sagt sie, „es ist richtig schön, wenn die Kinder dann glücklich von der Bühne kommen und stolz darauf sind, was wir geschafft haben“.

Ein Video finden Sie bald unter wp.de/je-wieseler

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