Flüchtlinge

Evangelische Gemeinde in Sundern gibt Afrikaner Kirchenasyl

Martin Vogt,  Pfarrer der evangelischen Lukas-Gemeinde in Sundern, nimmt Stellung zum Kirchenasyl.

Martin Vogt, Pfarrer der evangelischen Lukas-Gemeinde in Sundern, nimmt Stellung zum Kirchenasyl.

Foto: Matthias Schäfer

Sundern.   Ein junger Westafrikaner ist seit Anfang Januar im Kirchenasyl in Sundern. Die Entscheidung, dem Mann zu helfen, fiel schon im Advent.

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Die Entscheidung einem jungen Mann aus Westafrika Kirchenasyl zu gewähren, ist schon im Advent gefallen: „Wir haben im Presbyterium beraten, und uns dann einstimmig dafür ausgesprochen“, erzählt Martin Vogt, Pfarrer der evangelischen Lukas-Kirche. Begonnen hat das Asyl aber erst am 10. Januar, als der Flüchtling nach Italien rückgeführt werden sollte.

Rückführung nach Italien geplant

Rückführung umschreibt den Vorgang, dass ein Flüchtling in das Land zurückgebracht wird, in dem er als erstes europäischen Boden betreten hat. „In diesem Fall war das Italien“, so ein Mitarbeiterin aus dem Bürgernetzwerk Sundern. Der junge Mann, der einen über zweijährigen Weg aus seiner Heimat über Libyen, das Mittelmeer und Italien nach Deutschland hatte, leidet noch immer unter den Folgen seiner Flucht. „Er hat starke körperliche Schäden, die er sich in Libyen zugezogen hat. Aber die Toten bei der Überfahrt belasten ihn sehr“, weiß die Betreuerin.

Für die Kirchengemeinde weist Martin Vogt daraufhin: „Es ist ein konkrete Einzelentscheidung.“ Die gute Integration des jungen Mannes, seit er in Sundern ist, habe das Presbyterium dazu bewogen. „Hier ist Hilfe notwendig. Denn wird er nach Italien rückgeführt, folgt dort unweigerlich die Abschiebung in seine Heimat“, sagt Martin Vogt. Dort aber habe er niemanden mehr. Man handele im Sinne Jesus: „Ich war Fremdling und ihr habt mich aufgenommen.“

Kontakt mit dem Bundesamt

Die organisatorischen Dinge sind geregelt: Über den Landesflüchtlingsbeauftragten der Evangelischen Kirche besteht Kontakt zum Bundesamt für Ausländer und Migranten (BAMF). „Wir haben alle Behörden über den Aufenthaltsort des Mannes informiert“, berichtet Pfarrer Martin Vogt. Und macht nochmals klar, dass der Westafrikaner nicht untergetaucht sei, es gehe auch nicht darum, ihn zu verstecken: „Wir sind um Offenheit bemüht und machen nichts Illegales“, das sei auch dem Presbyterium wichtig gewesen.

Betreut wird der junge Mann von zwei Personen: „Er steht früh auf, und sorgt für sich selbst. Mit Lebensmitteln versorgen wir ihn. Dann führen wir mit ihm den Deutschunterricht fort und diskutieren - auf Deutsch - mit ihm über die politische Lage“, erzählt die Betreuerin. Dennoch sei es schwer, die Zeit zu vertreiben. Irgendwann gehe auch die Kraft einfach aus. Der Vorteil des Kirchenasyls aus ihrer Sicht: „Wir gewinnen Zeit. So haben wir auch Zeit, die Dinge zu ordnen.“ Man habe aber kein Interesse die Sache hinauszuzögern.

Hoffen auf neue Bewertung

Somit endet das Kirchenasyl am 30. April, anschließend kann der junge Mann in Deutschland Asyl beantragen: „Sein Interview beim BAMF hat er gehabt, aber mit der Folge, dass nicht entschieden wurde, weil er rückgeführt werden soll.“ Seitdem Sommer hat das Bürgernetzwerk dann versucht, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen, inzwischen setzt sich auch Bürgermeister Ralph Brodel für den Mann im Kirchenasyl ein. Und nach einem erfolgreichen Asylantrag winkt sogar ein Ausbildungsvertrag: „Wir würden das nicht für jeden tun. Dies ist ein spezieller Fall“, so die Betreuerin.

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