Infrastruktur

Geheimtipp in Sundern gegen den Massentourismus

Altenhellefeld aus der Luft

Altenhellefeld aus der Luft

Foto: WP-BILD, / WP

Altenhellefeld.  Vor 30 Jahren gab es vom NRW-Arbeitsminister die Urkunden zum anerkannten Erholungsort für Hellefeld und Altenhellefeld. Und was ist heute?

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30 Jahre ist es her, da erhielten Altenhellefeld und Hellefeld die Anerkennung als Erholungsort. Vieles hat sich seitdem geändert, kurze Zeit danach ging die deutsch-deutsch Grenze auf und wenige Jahre danach kam der Euro. Und was passierte mit den beiden Orten? Auch dort änderte sich viel.

Der Funkenhof wurde eröffnet und wieder geschlossen, ist heute schon seit Jahren wieder in fester Hand und wird gut genutzt. „Leider ist es auch ein Zeichen der Zeit, dass in Altenhellefeld und auch in Hellefeld seit vielen Jahren nur noch wenige Gastronomen geblieben sind“, so der frühere Ortsvorsteher von Altenhellefeld, Willi Vogt, auf Anfrage unserer Zeitung zu dem Thema. Glücklicherweise sei in den vergangenen Jahren durch das Engagement holländischer Gastronomen auch in Hellefeld wieder ein Wirtshaus offen, seit diesem Sommer sogar auch mit einem Biergarten. Das sei, so Vogt, gerade deshalb wichtig, da ja beide Orte auch zum Wanderparadies „Altes Testament“ gehörten und Einkehrmöglichkeiten ein sinnvoller Teil der Infrastruktur seien.

Weiter Weg

Der Weg bis zur Anerkennung war für die beiden Orte ein langer Weg: Schon 1985 reichte man nach einer positiven Abstimmung im Fremdenverkehrsausschuss die Unterlagen bei der Bezirksregierung ein. Antrieb damals: Amecke hatte die Anerkennung kurz vorher erhalten, die Stadt Sundern hatte auch Allendorf angemeldet für die Prädikats-Auszeichnung. Doch bestanden dort einige Bedenken, da eine Tankstelle und die damals noch aktive Molkerei das Bild trübten.

Minister kommt

Anders in Altenhellefeld: Dort sah man sich auf einem guten Weg, auch wenn es keinen flächendeckenden

Bebauungsplan für den Ort gab. „Da der Landschaftsplan des Kreises zu dem Zeitpunkt in Arbeit war, der die Entwicklung festlegte bzw. einem Erholungsort widersprechende Entwicklungen ausschloss“, so Willi Vogt zu den Argumenten. Nach längerer Prüfung war es dann im Spätsommer 1989 soweit: Der Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales, Hermann Heinemann, kam in die Schützenhalle nach Hellefeld und überreichte die Urkunden an die Ortsvorsteher Willi Vogt und Herbert Rengshausen. Als „ein Gütesiegel ganz besonderer Art“ wurde die Auszeichnung anschließend von über 200 Gästen aus beiden Orten gefeiert. Heinemann betonte dabei, dies alles unterstreiche „die Fülle von Kur- und Erholungsorten in NRW“. Die Vision des Ministers: „Beide Orten haben gute Chancen sich im Gesundheitstourismus zu etablieren.“ Das gesunde Klima und die herrliche Umgebung sollten für die Gesundheitsvorbeugung genutzt werden. Heinemann war dann selbst einer der ersten Gäste, denn im Rahmen des Festaktes schenkten ihm die Ortsvorsteher einen Kurzurlaub.

Lob für engagierte Bürger

In seiner Rede sprach Hermann Heinemann von einem „Geheimtipp gegen den Massentourismus“. Bürgermeister Franz Josef Tigges lobte das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den Orten wie auch die beiden Ortsvorsteher. Vogt rief auf, dass der Titel nun ganz aktiv in der Werbung für das Gebiet eingesetzt werden müsse.

Schon damals zeigte die Einladung, die die St.-Martinus-Kirche zierte, dass Urlauber nicht nur wandern wollen, sondern sich auch mit der Geschichte des Ortes, in dem vorübergehend leben, beschäftigen. Und was ist heute? „Vor 30 Jahren konnte niemand erkennen, dass die Entwicklung in dieser Form rückläufig ist“, sagt Willi Vogt heute, ein Problem überall in Deutschland. Aber staatliche Organe könnten bei privater Gastronomie nicht eingreifen. Sein Fazit: „Es ist nicht perspektivlos“, bezieht er sich auf die derzeitige Entwicklung in Hellefeld.

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