Polizei

In Arnsberg wird Druck auf Einbrecher erhöht

Kontrolle von Fahrzeugen im Niedereimerfeld.

Kontrolle von Fahrzeugen im Niedereimerfeld.

Foto: Matthias Schäfer

Arnsberg.   50 Einbrüche in Arnsberg nach Weihnachten. Nun erhöht die Polizei den Druck mit der Einsatzkommission, die Tag und Nacht durch die Stadt streift.

Die landesweiten Zahlen für Einbrüche im Vorjahr und die derzeitige Wirklichkeit in der Stadt Arnsberg widersprechen sich ziemlich krass: 50 Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche wurden seit Weihnachten von der Polizei bearbeitet. Da empfinden viele Menschen die landesweite Zahl für 2018 von 17.900 Fällen und den damit verkündeten Rückgang von 22,3 Prozent als Beruhigungspille. Deshalb wird die Polizei schwerpunktmäßig in Arnsberg tätig.

Gute Fluchtmöglichkeiten

Unsere Redaktion durfte am vergangenen Dienstag eine solche Aktion begleiten. Geplant haben die Kontrollstellen Kriminalhauptkommissar Jörg Hagen und sein Team. Er ist Leiter der Einsatzkommission (EK) „Einbruch“: „Wir sind aber nicht erst seit dem erhöhten Aufkommen von Einbrechern in Arnsberg aktiv, sondern diese EK gibt es jedes Jahr in der dunklen Jahreszeit.“ Den Anstieg der Einbrüche und Versuche in Arnsberg findet er auch ziemlich hoch, spezielle Schwerpunkte hätten sich bislang nicht ergeben, allerdings gebe es manchmal zwei, drei Einbrüche an einem Tag in einer Wohngegend: „Das spricht für Profis.“ Arnsberg biete mit der Autobahn für solche Banden gute Fluchtmöglichkeiten.

20 Polizeibeamte im Einsatz

An den beiden Kontrollstellen im Niedereimerfeld und an der Kleinbahnstraße in Hüsten waren 20 Polizeibeamte im Einsatz: „Wir haben in der EK einen festen Stamm von Ermittlern, werden hier aber von weiteren Kollegen unterstützt“, so Hagen. So verstärke man den Druck. Dazu gehören öffentliche Aktionen, aber auch einige andere Maßnahmen. „Details nennen wir nicht“, so Hagen. Er erklärt aber auch, dass zusätzliche Zivilkräfte im Stadtgebiet unterwegs seien. Dies bringe auch Ergebnisse: Dank der hohen Einsatzpräsenz entdeckte am vergangenen Samstag eine Zivilstreife den Mann, der kurz zuvor seine ehemalige Freundin mit Messerstichen in den Bauch schwer verletzt hatte.

Verhaftungen sind Ausnahme

Jörg Hagen zu den Zielen: „Die Bürger sollen merken, dass wir da sind und tätig werden.“ Aus den Kontrollen selbst ziehe man auch wichtige Informationen. Am Dienstag wurden 150 Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehr herausgewunken, dazu gab es noch 180 Personenkontrollen. „Einbrecher konnten nicht verhaftet werden“, war die Erkenntnis von Pressesprecher Holger Glaremin. Das sei auch die Ausnahme: Aber die Kontrollstellen lieferten schon wichtige Hinweise. Zudem bauten sie einen Fahndungsdruck auf die Täter auf: „Sie sollen sich nirgendwo sicher fühlen können.“

Kontrollierte verständig

„Ich finde das gut, aber das passiert viel zu wenig“, sagt der Herdringer Andreas Schulte, einer der Kontrollierten. Persönlich habe er daheim aufgerüstet: „Die Fenster sind verriegelt“, berichtet er unserer Zeitung. Auch einige andere Verkehrsteilnehmer zeigten sich durch die Kontrolle und die verlorene Zeit nicht genervt, sondern sehr verständig.

In der Region sei schon viel passiert: „Die Menschen reagieren, sie s

chützen ihr Haus“, nimmt EK-Leiter Jörg Hagen Bezug auf die Aussagen des Herdringers. Das zeigten auch die Zahlen, dass es nur bei Einbruchsversuchen bleibe. „Die Menschen müssen sensibilisiert werden“, sagt Holger Glaremin: „Die Täter sind meist auf schnelle Beute aus, raffen Schmuck, Uhren, Bares und stehen dabei unter einem Zeitdruck, denn ihr Zeitfenster ist nicht groß.“ Daher sei es wichtig, auch geringfügig Auffälliges zu melden: „Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig“, ist da die Devise. Niemand müsse Konsequenzen befürchten, wenn sich herausstellt, dass doch alles seine Richtigkeit hat.

Der Schaden ist ärgerlich

Exemplarisch für alle Opfer sprach unsere Zeitung mit einer Familie aus einem Arnsberger Ortsteil, in deren Wohnhaus vor einigen Tagen eingebrochen wurde: „Wir sind um 17.45 Uhr weggefahren und um 20.45 Uhr zurückgekommen. Da war die Haustür auf“, berichtet die Mutter über ihre Erlebnisse. Zuerst habe man an eigene Nachlässigkeit geglaubt: „Doch als wir im eiskalten Wohnzimmer standen und die Verwüstung dort sahen, wussten wir, was passiert ist.“

Ungewöhnlich an dem Fall: Im Haus waren zwei Hunde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ein Nachbar gegen 19 Uhr die Hunde, aber auch Nachbarhunde, hatte bellen hören. Er schaute an dem Wohnhaus nach, konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Auch stand da noch nicht die Tür zum Garten auf. Die Polizei fand dann später einen abgerissenen Bewegungsmelder. Die Hunde saßen bei der Rückkehr der Familie sehr still auf ihrem Platz.

Gelohnt hat es sich nicht

„Gelohnt hat es sich nicht“, findet die Hauseigentümerin. Zwar haben die Täter Bargeld mitgenommen, ansonsten sei es viel Mühe ohne viel Ertrag gewesen. Die gestohlenen Sparbücher habe man sperren lassen. „Ärgerlich ist die Zerstörung, mehrere Türen müssen ausgewechselt werden. So ist der Schaden zwölf mal höher als die Beute“, sagt das Einbruchsopfer. Persönlich habe sie keine Probleme, das Haus jetzt wieder zu betreten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben