Tourismus

Jüngster Kapitän in NRW fährt auf der MS Sorpesee

Neuer Kapitän auf dem Sorpesee: André Bierhoff aus Langscheid ist erst 20 Jahre alt.

Neuer Kapitän auf dem Sorpesee: André Bierhoff aus Langscheid ist erst 20 Jahre alt.

Foto: Matthias Schäfer / WP Sundern

Langscheid.  Der jüngste Kapitän in NRW ist André Bierhoff aus Langscheid. Er darf seit der Paten-Prüfung in der vergangenen Woche die MS Sorpesee steuern.

Nicht ohne Stolz läutet André Bierhoff die Schiffsglocke am Bug der MS „Sorpesee“ an diesem Tag: Er ist ganz besonders im Leben des 20-jährigen Langscheiders, denn zum ersten Mal trägt er offiziell die goldenen Schulterklappen an seiner Uniform, die ihn als Kapitän des Fahrgastschiffes ausweisen. Mit der Prüfung am vergangenen Mittwoch ist er der jüngste Kapitän des Landes.

Das kommt nicht von ungefähr: „Ich war schon als Baby mit an Bord, da Bekannte meiner Eltern das Schiff damals gesteuert haben“, erzählt er früh morgens am Anlegeplatz. Da ist er aktiv, denn das Boot muss für einen der letzten Sommertage startklar gemacht werden. Das fängt beim Überprüfen des Ölstandes an und zieht sich über das ganze Deck, wo die Anzahl der Rettungsringe gecheckt wird. Letzter Handschlag vor dem Ablegen ist das Einhängen der Schiffsglocke.

Gala-Bau gelernt

Wenig später legt André Bierhoff am Damm an und die ersten Gäste kommen an Bord. Für den jungen Kapitän Routine, denn er ist seit April an Bord. „Vorher habe ich eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer abgeschlossen“, erzählt er. Und dann hat er bei seiner Mutter angeheuert: Dagmar Bierhoff hat im Jahr 2014 die Personenschifffahrt von Familie Fromm übernommen.

Im April habe dann auch die konkrete Ausbildung begonnen, sagt der Kapitän, und blättert in seinem Ausbildungsordner: „Ich habe bis heute 12.000 Kilometer auf dem See gefahren, das sind 6635 Seemeilen“, erklärt er. Schon im Vorjahr hat er mit drei weiteren Schiffführer-Anwärtern einen einwöchigen Lehrgang besucht: Dabei ging es um Kenntnisse der Maschine, um Vorfahrtsregeln auf den Wasserstraßen in Deutschland und vieles mehr. „Auf der Sorpe habe allerdings immer ich Vorfahrt“, informiert der junge Kapitän, denn der Ruhrverband hat auf seinen Seen eigene Regeln aufgestellt. Da müsse man dennoch immer aufpassen, wenn ein Segler dies nicht anerkenne oder auch anders gelernt habe.

Prüfung im laufenden Betrieb

Schließlich, nach dem entsprechenden Ausbildungsvolumen am Steuer der MS Sorpesee, reiste

vergangene Woche Kapitän Fresdorf aus Mülheim an der Ruhr an und nahm die Prüfung auf der MS Sorpesee ab: Zunächst galt es eine theoretische Prüfung zu absolvieren. Nachdem die bestanden war, begann die praktische Prüfung im laufenden Betrieb. Dabei erlebten die Passagiere dann auch ein sehr seltenes Manöver: „,Mann über Bord’ kommt bei uns sehr selten vor. Wir hatten mal einige Betrunkene, die sind kurz vor dem Ufer abgesprungen“, berichtet André Bierhoff.

Im Rahmen der Prüfung galt es dann sicheres An- und Ablegen zu beweisen, dem Prüfer über die Untiefen und die Gewässerstruktur zu berichten: „Die Kenntnisse muss man schon selbst erarbeiten, alte Karten studieren und auch Fotos aus Zeiten mit Tiefstand“, erklärt Bierhoff. Da er ja schon von Kindesbeinen an mitfährt, für den jungen Mann kein Problem: „Am Ende hat er das Patent für Fahrgastschiff mit Bravour bestanden“, freut sich Vater Udo Bierhoff über den neuen Schiffsführer in den eigenen Reihen. So gibt es in der anstrengenden Saison Entlastung am Steuerrad. Nun trägt der junge Kapitän die ganze Verantwortung, wenn es „Leinen los“ heißt.

Zufrieden mit dem Sommer

Mit der Sommersaison 2019 ist Dagmar Bierhoff zufrieden: „Natürlich war es 2018 besser, aber das war eine Ausnahme“, erklärt sie. Aber der Tourismus am Sorpesee laufe gut: „Wir arbeiten da sehr gut mit dem Stadtmarketing zusammen und auch mit der Sorpesee GmbH.“ Und dank der verschiedenen baulichen Maßnahmen wie Radweg und Promenade habe man Kundschaft auch an nicht so tollen Sommertagen.

Schon 15 Trauungen

Ein echter Boom seien die Trauungen an Bord: „Schon 15 in diesem Jahr. Vor zwei Wochen sind wir unter brasilianischer Flagge gefahren: Die Braut kam von dort, der Bräutigam aus Aachen“, berichtet Udo Bierhoff. Die über 100 Gäste hätten im Hotel „Seegarten“ gewohnt, geheiratet wurde an Deck der MS Sorpesee und gefeiert in der Strandbadbar. Diese Form von Angeboten am See seien in letzter Zeit durch starke Vernetzung gestiegen: „Die Leute suchen halt etwas Besonders für die Hochzeit und stoßen auf die Sorpe.“

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