Röhrtalbahn

Kritik an CDU, die die Bahntrasse durch Radweg ersetzen will

| Lesedauer: 4 Minuten
Blick auf die Röhrtalbahn - hier bei einer Sonderfahrt.

Blick auf die Röhrtalbahn - hier bei einer Sonderfahrt.

Arnsberg/Sundern.   Die Grünen in Arnsberg und Sundern, die Jusos in Sundern, die Linke im Kreistag und der Verein Eisenbahnfreunde Obere Ruhrtalbahn kritisieren CDU

Auf scharfe Kritik von Grünen, Linke und Eisenbahnfreunde Obere Ruhrtalbahn stößt die Initiative der CDU-Kreistagsfraktion, sich gegen die Reaktivierung der Röhrtalbahn auszusprechen und die Bahnstrecke zwischen Hüsten und Sundern durch einen Radweg zu ersetzen. Die CDU strebt im Kreistag zeitnah einen Beschluss an, wonach sich der HSK als einer der größten Gesellschafter der RLG in der Gesellschafterversammlung für einen Bahnflächenverkauf einsetzen soll. Da die Position der CDU-Kreistagsfraktion von der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Sundern rat begrüßt wird, trifft nun die harsche Kritik daran beide CDU-Fraktionen.

Wilfried Schiwek, Gruppenleiter der Eisenbahnfreunde Obere Ruhrtalbahn, nimmt zu einzelnen Argumenten der CDU-Fraktionen dezidiert Stellung und betont im Gegensatz zur CDU folgendes:

Bahn und Bus kombinierbar

Es sei falsch zu behaupten, dass bei Wiedereinführung des Schienenpersonen-Nahverkehrs (SPNV) zwischen Hüsten und Sundern die Bürger weite Wege zu den Bahnhöfen zurücklegen müssten und nicht mehr in ihren einzelnen Wohnorten abgeholt werden würden. Schiwek betont: „Die Busse sollen auch nach einer Reaktivierung in die Orte fahren.“

Bahn und Rad ergänzen sich

Ein Radweg müsse die Bahnstrecke nicht ersetzen, sondern „Bahn und Radweg ergänzen sich geradezu ideal“, meint Schiwek weiter. Den Boom des Ruhrtalradwegs hätte es ohne Bahnanschluss nicht gegeben. Bestes Beispiel sei der neue Bahnhof in Winterberg, wo man die Zeichen der Zeit erkannt habe.

Kurze Schrankenschließzeit

Wilfried Schiwek führt an, dass moderne Bahnübergangsanlagen eine Schrankenschließzeit von etwa einer Minute bei durchfahrenden Zügen haben. Das heißt: Pro Stunde wären die Schranken zwei Minuten geschlossen, aber 58 Minuten offen. Die Verkehrsbeeinträchtigungen für Auto- und Lkw-Fahrer wegen Staus vor geschlossener Schranke würden sich also in Grenzen halten.

Kosten

Schiwek bewertet auch das Argument der Röhrtalbahngegner, wonach man 280 000 Euro an jährlichen Unterhaltskosten einsparen könne, wenn die Bahnstrecke aufgegeben werden würde. Hier müssten aber Fahrpreiseinnahmen und Trassengebühren gegenübergestellt werden, betont Schiwek und fragt umgekehrt: Wer trägt die Bau- und Unterhaltskosten des angedachten Radwegs und wie hoch wären die Kosten?

Politische Debatte

Die Grünen in Sundern und Arnsberg sind erstaunt und verärgert über den Sinneswandel der CDU. Noch vor einigen Jahren wurde in einem Gutachten die Wirtschaftlichkeit der Reaktivierung der Röhrtalbahn nachgewiesen und es wurde damals ein Ratsbeschluss gefasst, der die Reaktivierung der Röhrtalbahn für den Personennahverkehr anstrebt. Die Reaktivierung der Röhrtalbahn könne durch Fördermittel des Bundes und Landes finanziert werden, und die Röhrtalbahn stehe im Wettbewerb mit anderen Bahnstrecken mittlerweile auf Platz 4 der Reaktivierungsliste- „Doch jetzt ballert die CDU dagegen - was soll das?“ fragt Antonius Becker, grüner Verkehrspolitiker in Sundern. Er hofft, dass der CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Ludwig Schulte mit seiner Position keine Mehrheit in der eigenen Fraktion finde. Sollte die CDU-Kreistagsfraktion allerdings einmütig Schultes Position teilen, könnte sie es mit der absoluten Mehrheit im Kreistag auch gegen politische Widerstände die Stilllegung der Röhrtalbahnstrecke durchdrücken.

Positionen der Parteien zur Röhrtalbahn

Die Fraktion „Die Linke“ im Kreistag Hochsauerland fordert eine schnelle Aktivierung der Röhrtalbahn und lehnt daher die konträre Position der CDU-Kreistagsfraktion ab. „Einmal abgerissen und überbaut ist die Strecke für alle Zeiten verloren, das sollten wir nicht vergessen“, sagt Linke-Fraktionsvorsitzender Dietmar Schwalm. Er setzt sich für kreative Bus- und Bahnkombinationen ein.

Die Jusos in Sundern plädieren weiterhin für eine schnelle Reaktivierung der Bahnstrecke im Röhrtal - sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr. „Neue und effektive Logistikkonzepte, unter Einbindung der Röhrtalbahn, bringen eine Entlastung der L 519 und der B 229. Effiziente und schnelle Kombinationen zwischen Lkw und Bahn sind möglich“, erklären die Jusos.

In der CDU-Initiative gegen die Reaktivierung der Röhrtalbahn sieht Thomas Wälter (Chef der Grünen-Ratsfraktion in Arnsberg) „eher einen Rückschritt als einen Vorstoß“.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sundern

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben