Gericht

Raserprozess von Hövel: Neun Anträge verzögern das Verfahren

Wo begann der Unfallhergang bei dem tödlichen Unfall am 1. August 2018? Für die Verteidigung ist es noch unklar.

Wo begann der Unfallhergang bei dem tödlichen Unfall am 1. August 2018? Für die Verteidigung ist es noch unklar.

Foto: Matthias Schäfer

Hövel/Arnsberg.  Kein Urteil im Raserprozess vor dem Schwurgericht Arnsberg, dafür eine Menge Zusatzarbeit für die Richter: Die Verteidiger stellten neun Anträge

Kein Urteil gab es am Donnerstag beim neunten Verhandlungstag im so genannten Raserprozess vor dem Schwurgericht in Arnsberg. Dafür aber Mehrarbeit für die Kammer um Vorsitzenden Richter Klaus-Peter Teipel. Die Verteidiger Cramer und Kirschbaum schoben eine Welle von neun Anträgen in das Verfahren. Damit musste sich das Gericht dann auseinandersetzen. Und erlebte eine Überraschung, als der angeklagte 58-jährige Porsche-Fahrer aus Soest doch noch Angaben zu seinem Privatleben machte.

Hatte Teipel zu Anfang des Tages noch davon gesprochen, dass jedes Verfahren „auch endlich“ sei, beugte er sich der Vielzahl der verschiedensten Anträge (Cramer 6, Kirschbaum 3), die er nur zum Teil am Donnerstag abarbeitete. Bis zum nächsten Prozesstag am 18. Juli wolle man den Rest ganz in Ruhe beraten.

Neue Gutachter gefordert

In den Anträgen ging es im Wesentlichen um die Bestellung von zusätzlichen Gutachtern und neuen Zeugen. So soll ein Gutachter anhand aller gemachten Aussagen der Opfer und der Zeugen darstellen, wo sich der Porsche-Fahrer zum Unfallzeitpunkt befand. Nach Meinung von Rechtsanwalt Volker Cramer habe der bestellte Unfallexperte Maximilian Runkel diese Aussagen nicht in sein Gutachten einbezogen. Für Cramer ist klar: „Mein Mandant kann den Unfall nicht gesehen haben.“

Leiter der Ermittlungskommission gehört

Besonders hartnäckig zeigt sich Cramer, den Leiter der Ermittlungskommission noch zu hören. Ein Wunsch, der noch am Nachmittag in Erfüllung ging: „Ich bin misstrauisch bis zum Geht-nicht-mehr“, betonte Cramer. Begründung: Der Mann soll der Ausbilder der ehemaligen Freundin des Porsche-Fahrers, einer Polizistin aus Beckum, gewesen sein. Er konnte aber wenig dazu sagen, warum am 2. August 2018 nur nach dem Fahrer eines roten Porsche gesucht wurde. „Dass es auch Zeugenaussagen zu einem silbernen Porsche gab, wurde bewusst nicht mitgeteilt“, so Cramer. Das Ergebnis nach Cramers Ansicht: Eine Hexenjagd auf einen roten Porschefahrer. Die Beweisaufnahme zeige, dass sich genügend Menschen gemeldet hätten, die im Verfahren nur Negatives erzählt hätten. Dazu gehöre auch die Freundin seines Mandanten: So habe sein Mandant ganz andere Hobbys als Autofahren.

Überraschung: Angeklagter bricht Schweigen

Zur Überraschung im Saal 3 erzählte dann der 58-jährige Angeklagte aus Soest etwas zu seinen Hobbys Laufen und Radfahren und seiner früheren Karriere als Fußballer in der höchsten Amateurliga. Das gab dem Vorsitzendem Richter Ansätze, um weitere Punkte zu klären. Das Bild des bisher „schweigsamen Angeklagten“ (Teipel): Der in Aschaffenburg geborene Soester lebte bis zu seinem achten Lebenjahr im Staat New York/USA, kam dann nach Bayern zurück. Der gelernte Bankkaufmann zog 1989 nach Dortmund um, dann nach Soest. Rechtsanwalt Cramer beharrt trotz der detaillierten Aussage darauf, einen Zeugen aus Hachen zu den privaten Hobbys zu hören. Und erhielt Unterstützung von seinem Kollegen Constantin Kirschbaum, der den angeklagten Audi-Fahrer verteidigt: „Wir müssen den Mann hören in puncto Waffengleichheit, bislang waren nur Zeugen geladen, die etwas Schlechtes über ihn sagen.“

Mehr Respekt gegenüber den Opfern

Auf der Zuschauerbank im Landgericht ist die Sache klar: Alles Verzögerungstaktik. Auch ist von einer „Respektlosigkeit“ gegenüber den Opfern zu hören, wenn der Angeklagte über seine jetzige Anfahrt zur Arbeit mit dem Rad spreche: „Wir können nie mehr Radfahren“, zürnte ein Opfer auf dem Flur.

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