Historischer Wert:

Ölgemälde von 1860 zeigt Schuhmacher Campmann

Foto: WP

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Sundern. Die Recherchen zur neuen Chronik von Sundern, die zum 700. Kirchenjubiläum 2010 erscheinen soll, fördern schon jetzt interessante Aspekte zu Tage. So ist das Originalbild des Schuhmachermeister Kampmann wieder aufgetaucht, das der Sunderner Josef Bergenthal etwa 1860 gemalt haben soll.

Dabei trifft „aufgetaucht” nicht ganz zu. Eher hat der Blick auf das Bild unter historischer Fragestellung zu einer Neubewertung des Bildnisses in Öl geführt. Fakt ist, dass es seit einiger Zeit bei Paul Kampmann (84) am Hengstenberg in Sundern hängt.

„Davor war es viele Jahre bei meiner Tochter in Hannover”, erzählt der rüstige Kolping-Senior über das Bild seines Urahnen beim Besuch der WP. Und wie so oft, wenn man den wahren Wert nicht kennt, wäre das Bild bald auf dem Sperrmüll gelandet. Denn Paul Kampmann war es vor über 30 Jahren von einer Frau angeboten worden: „Ich habe hier ein Bild. Für uns ist es ohne Bedeutung. Sie können es mitnehmen”, erinnert sich Paul Kampmann noch genau.

Dass es ihn interessieren könnte, schloss die Frau aus zwei Dingen: Einerseits verbindet man in Sundern den Namen Kampmann immer mit der Schuhmacherei, andererseits ist auf der Rückseite des Rahmens mit Bleistift „Schuhmachermeister Kampmann” verzeichnet.

Unklar ist heute, wo das Bild zwischen seiner Fertigstellung und etwa 1980 war. „Das werden wir wohl nicht mehr herausbekommen”, meint auch Martin Kampmann, Sohn von Paul Kampmann. Mit seinem Vater hat er sich jetzt mit der Familiengeschichte beschäftigt: „Der Bruder meines Großvaters hatte noch einen Schuhladen”, erinnert er sich. Das war um die ahrhundertwende.

Die Ahnenlinien laufen bei Antonius Campmann (aus dem Hause Niggenheusers) zusammen. Er heiratete 1780 Eva Catharina Jägers „aus Billstein”, wie das Sunderner Einwohnerverzeichnis von 1840 ausweist. Am 25. Februar 1784 ließen sie Sohn Theodorus Ferdinandus taufen, dieser heiratete 1816 die Witwe Maria Elisabeth Wolf. In den Kirchenbüchern im Johannes-Archiv ist vermerkt: „Sohn des Antonius Campmann, Beisaße und Schuster dahier”. Das hat Historiker Dr. Hubert Schmidt in Sachen des dargestellten Schusters Campmann herausgefunden.

Der Historiker sieht aber im Falle des Bergenthal-Bildes noch einige Fragezeichen: „Mit einer längeren Recherche im Pfarrarchiv könnte man die Spur aufnehmen.” Inzwischen weiß Schmidt, dass einige Angaben in der Fiebig-Chronik von 1954 nicht korrekt sind: „Ein Zeitungsartikel von einem Mann namens Severin aus dem Jahre 1933 hat den gleichen Inhalt wie der kurze Abschnitt der Chronik über Josef Bergenthal. Dort wird 1821 als Geburtsjahr des Malers angegeben. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, dass es 1827 war”, berichtet Dr. Schmidt. Die Zweifel weiten sich deshalb auch auf die Information aus, dass Bergenthal als Direktor der Kunstakademie in Philadelphia 1893 gestorben sei.

Sunderns früherer Stadtarchivar Michael Senger hatte lange versucht, in den USA Informationen über Bergenthal zu bekommen. „Wenn schon das Geburtsjahr falsch ist, dann kann auch Philadelphia eine Falschinformation sein”, sieht Dr. Hubert Schmidt heute.

Aus den USA gab es keinen Hinweis auf den Verbleib von Josef Bergenthal, der Ende der 1860er Jahre nach Amerika ausgewandert sein soll. Paul Kampmann hatte seinerseits schon versucht, den Wert seines Bildes zu ermitteln. „Jetzt, wo wir wissen, wie alt es ist, hat es für uns einen hohen emotionalen Wert”, meint auch Martin Kampmann. In Euro und Cent lässt sich dies natürlich nicht errechnen.

Dafür behält es aber den Ehrenplatz über dem Sofa im Wohnzimmer.

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