Politik

Sonderrat morgen im Theatersaal der Schützenhalle Sundern

Bürgermeister Ralph Brodel bei einer Pressekonferenz am 20. Mai,

Bürgermeister Ralph Brodel bei einer Pressekonferenz am 20. Mai,

Foto: Matthias Schäfer / WP Sundern

Sundern.  Theater im Theatersaal der Schützenhalle? Am morgigen Abend geht es um die Vorwürfe gegen Bürgermeister Ralph Brodel.

Ganz schön Theater in Sundern. Morgen abend mündet es zunächst in einer Sonderratssitzung im Theatersaal der Schützenhalle, Pandemie bedingt. Um die Tagesordnung wird noch hinter den Kulissen gerungen, doch hat die Kommunalaufsicht Bürgermeister Ralph Brodel angewiesen, die Tagesordnung den Anforderung der Kommunalordnung anzupassen. Doch wie begann das alles, fragen sich heute viele Menschen. Ein kurzer Abriss von 2015 bis heute:
Februar 2015: Nach Insolvenzen städtischer Gesellschaften und Anzeigen gegen unbekannt Untersuchungen erklärt die CDU, dass sie für die Bürgermeisterwahl im Herbst einen neuen Kandidaten suche. Amtsinhaber Detlef Lins ist hoch enttäuscht.
April 2015: Mit der Internet-Seite www.zukunftbuergermeister-in.de sucht ein Bündnis aus fünf Parteien (SPD, Linke, Grüne, Wir sind Sundern und FDP) bundesweit nach einem Kandidaten. Treibende Kraft: Serhat Sarikaya, damals 24.
Juni 2015: Die Findungskommission der CDU zieht Kerstin Pliquett aus dem Hut, das Bündnis Ralph Brodel aus Schermbeck, dort hatte er sich 2014 auch um das Bürgermeisteramt beworben.
September 2015: Ralph Brodel wird mit 58,8 Prozent gewählt, viele Bürger machen aus Protest gegen die Nichtnominierung von Lins den Wahlschein ungültig. Die Ära der CDU-Bürgermeister endet.
Oktober 2015: Nach dem Amtsantritt beurlaubt Brodel gleich den Personalamtschef Manfred Franke und erklärt dem Beigeordneten Meinolf Kühn, dass man nicht zusammenarbeiten könne. Kühn verlässt Ende 2017 nach langen Querelen die Stadt, so war seine Abwahl im November im Februar 2016 gescheitert. Schon damals im Hintergrund ein Streitpunkt: Die neuen Stabsstellen im Hause und ihre Besetzung. Brodel hätte sie gern zu „Innenstadtentwicklung, Windkraft und Ferienpark“ sowie zur „Wirtschaftsförderung und Kommunikation“ installiert. Die CDU interveniert jeweils. Auch bei der Besetzung der Beigeordnetenstelle setzte sie Kontrapunkte, da schon mit Teilen des auseinandergefallenen Bündnisses und der frisch gegründeten Partei „Bürger für Sundern“ (drei Ex-WiSu-Ratsherren).
Februar 2016:
Querelen um die Nutzung der leerstehenden alten „Gastwelten“: Brodel will ein Multifunktions-Gebäude (KuBiZ). Die CDU bleibt skeptisch, stimmt gegen den Eilplan.
Februar 2017: Hartnäckig fordert die CDU Akteneinsicht für die Beauftragung eines Rechtsanwaltes aus dem Kreis Wesel im Falle des Personalchefs Franke. Es geht um hohe Kosten und wer ihn empfohlen hat. In einem Sonderrat am 5. April widerlegt Brodel die Vorwürfe.
Februar 2018: Neuerlicher Ärger bei der Wahl der Ersten Beigeordneten. Die CDU will eine Erweiterung ihres Zuständigkeitsbereiches um den Fachbereich 5.
Juli 2018: Querelen zwischen Brodel und der Kämmerin, ausgelöst durch die von ihr ausgesprochene Haushaltssperre.
Juli 2018: Fassungslos ist Brodel als der Vorstand der Stadtmarketing eG zurücktritt. Hintergrund: Brodel soll die Genossenschaft auflösen wollen, Zuschüsse stehen in Frage. Es bleibt ein Streitpunkt.
Sommer 2019: Die „Bürger für Sundern“ fordern als Gipfel eines Streits um den Tigges-Platz den Bürgermeister zum Rücktritt auf. Zuvor solle Brodel beabsichtigt haben, Teile des Platzes im nicht-öffentlichen Teil an Investoren zu verkaufen.
4. Mai 2020: Die Kämmerin schreibt einen Brief an die Fraktionen und den Landrat. Vorwürfe zu ungerechtfertigten Beförderungen sind darin enthalten sowie zu anderen unhaltbaren Zuständen im Rathaus, u.a. auch Hintergründe zum Rücktritt der Beigeordneten.
13. Mai 2020: 24 Stadträte Brodel zum Rücktritt auf und beantragen eine Ratssondersitzung. Anfang der Woche kommen Anschuldigungen in Sachen Datenklau hinzu sowie immer wieder Vorwürfe wegen des Verzichts auf das Vorkaufsrecht am alten Freibad-Parkplatz in Amecke.
27. Mai 2020: Die Stadt berichtet, Ralph Brodel habe Anzeige gegen den Hamburger Journalisten Ludwig Greven wegen unwahrer Tatsachenbehauptungen erstattet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben