Gericht

Sundern: Rauch vom Grill führt zu extremer Eskalation

Amtsgericht Arnsberg

Amtsgericht Arnsberg

Foto: Ted Jones / Ted Jones/WP

Sundern/Arnsberg.  Eigentlich war der Anlass nichtig, doch nun geht ein Sunderner für diese Nichtigkeit und die folgende Eskalation sieben Monate in Haft.

Eine Nichtigkeit führte zu einem zweitägigen völlig unnötigen Prozess vor dem Amtsgericht: Der Angeklagte verhielt sich sich stur und aggressiv gegenüber der Polizei und wurde nun für sein strafbares Verhalten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Mitte September 2019 hatte der 32-jährige Sunderner seinen Grill vor das Garagentor seines Nachbarn gestellt, dabei qualmt es ordentlich. Der Nachbar verbat sich das, woraufhin er von dem Angeklagten beleidigt wurde. Zur Klärung rief der Nachbar die Polizei. Die Beamten verlangten den Ausweis des 32-Jährigen. Dieser wollte der Aufforderung nicht nach kommen und gab seinen Unwillen mit den Worten „Ihr könnt mich mal“ zu verstehen. Zudem beleidigte er die Beamtin und den Beamten mit übelsten Worten und ging in bedrohlicher Weise auf sie zu. Diese Aggression wurde mit Pfefferspray gestoppt, er wurde zu Boden gebracht und fixiert. Dabei leistete er erheblichen Widerstand.

Mutter und Schwester mischen sich ein

Die Mutter des Angeklagten und seine 35-jährige Schwester, die ebenfalls auf der Anklagebank saß, mischten sich dann in die Polizeimaßnahme ein, sodass man Verstärkung anforderte. Im Laufe des Gerangels zwischen Polizei und Familie soll die Angeklagte einer Polizistin ins Gesicht geschlagen haben. Sie musste sich im Krankenhaus behandeln lassen.

Nach diesem Tatbestand hatte der Staatsanwalt den 32-Jährigen wegen Beleidigung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamten und seine Schwester wegen eines tätlichen Angriffes auf Vollstreckungsbeamte angeklagt. Nach der Wertung der Aussagen mehrerer Zeugen hatte der Staatsanwalt keine Zweifel, dass seine Vorwürfe berechtigt waren. „Sie allein haben durch ihr super aggressives Verhalten diese gesetzeswidrige Situation herbeigeführt, obwohl sie noch unter Bewährung standen“, warf der Anklagevertreter dem Arbeitslosen vor. Er beantragte für ihn eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung. Bewährung sei nicht möglich, weil ihm auch nach dem Bericht seiner Bewährungshelferin eine positive Prognose nicht ausgestellt werden könne. Aus dem Bericht ging auch hervor, dass er ihr gegenüber geäußert hatte, es gehe ihm mit Hartz-IV ganz gut. Er sei nicht auf Arbeitssuche. Die Angeklagte solle zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen a 20 Euro verurteilt werden, beantragte der Staatsanwalt.

Polizeiaussagen glaubhaft

Der Richter verurteilte den Sunderner wie beantragt und die Angeklagte zu 90 Tagessätzen a 20 Euro. An den 32-Jährigen gewandt, sagt er: „Sie sind verantwortlich dafür, dass ihre Schwester hier vor Gericht sitzt.“ Das Gericht könne den beiden Verteidigern nicht folgen, die Zweifel an den Zeugenaussagen der Polizeibeamten hatten. „Wie ist die Polizeibeamtin wohl an ihre Verletzungen gekommen, die sie im Krankenhaus hat behandeln lassen müssen“, stellte der Vorsitzende klar.

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