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update: Sunderns SPD-Chef Serhat Sarikaya tritt zurück

Serhat Sarikaya , Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Sundern, ist fünf Tage vor der Mitgliederversammlung zurückgetreten.

Serhat Sarikaya , Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Sundern, ist fünf Tage vor der Mitgliederversammlung zurückgetreten.

Foto: Volker Hartmann / Funke Foto Service

Sundern.  Knall vor der richtungsweisenden Mitgliederversammlung: Serhat Sarikaya tritt als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Sundern zurück.

Am Aschermittwoch, fünf Tage vor der Mitgliederversammlung des SPD-Stadtverbandes Sundern, hat der bisherige Vorsitzende, Serhat Sarikaya, sein Amt aufgegeben. Damit wird am Samstag, 29. Februar, wohl nur das Ratsmitglied Lars Dünnebacke aus Stockum bei der für die Partei richtungsweisenden Wahl zum neuen Vorsitzenden kandidieren.

Die Information kam gestern Mittag per Mail: „Hiermit teile ich mit, dass ich vom Amt des Vorsitzenden des SPD-Stadtverbands Sundern zurücktrete“, heißt es da kurz. Schon seit Anfang Juli 2019, als im Stern ein Artikel über die SPD in Sundern mit dem Titel „Sauerländer Intrigen“ von dem freien Journalisten Ludwig Greven erschien, gab es Querelen über den innerparteilichen Umgang in Sunderns SPD. Letztlich erhielt Sarikaya viele Schuldzuweisungen, da er schnell als Informant für viele Interna in dem Artikel galt. Auch deutete sich an, dass Ex-Bundesvorsitzender Franz Müntefering wenig erfreut über die Darstellung seines heimatlichen Stadtverbandes war.

Konsequenzen gezogen

Nun zieht der 29-jährige Serhat Sarikaya die Konsequenzen vor der Wahl um 10.30 Uhr am kommenden Samstag im Sunderland-Hotel, wo es zur Stichwahl zwischen zwei Lagern kommen sollte. Eine Abwahl von Sarikaya war im September knapp gescheitert - und der Sunderner blieb zunächst im Amt.

Die Begründung von Serhat Sarikaya für seinen jetzigen Rücktritt sind gespickt mit Vorwürfen: „Ich habe sehr schwierige Monate, ja gar Jahre hinter mich bringen müssen. Meine Familie und ich waren in den letzten Wochen und Monaten persönlichen Anfeindungen und Diffamierungen aus der eigenen Partei ausgesetzt. Diese Belastungen sind für mich, meine Gesundheit und mein Umfeld schwerwiegend“, schreibt Sarikaya an alle Medien.

Für die Stadt

„Alle, die mich kennen, wissen, dass ich mich immer mit ganzem Herzen für unsere Stadt, ihre Bürgerinnen und Bürger und meine SPD eingesetzt habe. Ich hätte jedoch nicht erwartet, dass in einer sozialdemokratischen Partei mit den Grundsätzen Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität auf so einem Niveau miteinander umgegangen wird“, erhebt Sarikaya schwerwiegende Vorwürfe, allerdings ohne Namen zu nennen. „Meine unzähligen Versuche und Bemühungen, einen gemeinsamen Weg zu finden, der neue Perspektiven für eine sozialdemokratische Politik in Sundern mit neuen Gesichtern eröffnen würde, wurden von einzelnen Personen und Gruppen innerhalb des SPD-Stadtverbands Sundern blockiert.“

Warnung vor Spaltung

Sarikaya warnt dann vor einer Spaltung der Partei: „Die Tatsache, dass Personen und Gruppen auf der kommenden Mitgliederversammlung die Spaltung des SPD-Stadtverbandes Sundern vorantreiben und riskieren, erschüttert mich zutiefst“, sagt er zu der Versammlung, die vom Geschäftsführer des Unterbezirks HSK, Karsten Gerlach, vorbereitet wird. Eine Versammlung im Dezember war gescheitert. Die Gründe darüber sehen die beiden Gruppen im Stadtverband unterschiedlich: Während Sarikaya behauptet, die Infopost an die Mitglieder sei aus technischen Gründen nicht zugestellt worden, sagen andere, dass er die Fristen nicht eingehalten und nur eine Information im Netz abgesetzt habe.

Auf Facebook fehlt Termin

Die Mitgliederversammlung am Samstag fehlte bis heute Mittag im übrigen auf der Internetseite des Stadtverbandes: „Keine Veranstaltungen in absehbarer Zeit“ hieß es dort, ebenso gab es auf Facebook keinen Hinweise auf die Versammlung.

Am Samstag, 29. Februar, soll aber „die entscheidende und richtungsweisende Mitgliederversammlung des SPD-Stadtverbands Sundern stattfinden“: „Mir wird schon seit Monaten unmissverständlich und eineindeutig klar gemacht, dass bei dem für alle absehbaren positiven Wahlergebnis für mich jegliche Arbeit und Zusammenarbeit in der SPD auf allen Ebenen (Ortsvereine, Arbeitsgemeinschaft und Fraktion) boykottiert werden“, beschreibt Sarikaya in seiner Mail die offensichtliche Aussichtslosigkeit seiner Kandidatur.

Spaltung nicht zulassen

Für den Sunderner Jungpolitiker heiß das: „Ich werde und kann diese Spaltung des SPD-Stadtverbands Sundern jedoch nicht zulassen und ziehe diese Konsequenz. Mir ist allerdings wichtig zu betonen, dass ich insbesondere in den letzten schwierigen Monaten eine neue Seite bei vielen Menschen kennengelernt habe. Sowohl Genossinnen und Genossen in der Partei als auch Bürgerinnen und Bürger in der Stadt haben mir für zukünftige Projekte und Ideen ihre Unterstützung zugesagt. Diese Rückendeckung gibt mir die Kraft, mich weiter politisch zu engagieren. Mir geht es einzig und allein um meine Stadt Sundern und die Bürgerinnen und Bürger.“ Auch Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Sarikaya dann, dass er natürlich weiterhin Mitglied der SPD bleibe, auch als sachkundiger Bürger weiterhin aktiv sein werde.

Kritik an der Arbeit der Ortsvereine gab es im Vorfeld von Serhat Sarikaya. Er monierte, dass in den Ortsvereinen schon die Kandidatur von Ralph Brodel für das Bürgermeisteramt unterstützt wurde, vor allem aber die anschließenden Presseveröffentlichungen. Interessant wird die Ausrichtung, die in der heutigen Mitgliederversammlung des Ortsverbandes Röhrtal in Sundern vorgenommen wird: Dort ist Ratsmitglied Bernd Schwens Vorsitzender, in den vergangenen Monaten oft auf Kurs gegen die eigene Fraktion im Rat und als Unterstützer von Sarikaya bekannt. Getagt wird um 19 Uhr im Stadtkrug in Sundern.

Unterbezirk bereitet vor

Die Mitgliederversammlung der sozialdemokratischen Partei in Sundern beginnt Samstag um 10.30 Uhr im Sunderland-Hotel. Sie wurde von Karsten Gerlach, dem Geschäftsführer des Unterbezirks Hochsauerlandkreis in Meschede, vorbereitet und einberufen, wie auch schon die Versammlung am 20. Januar. Dort hatte Gerlach geprüft, wie es um eine neue Struktur im Stadtverband stehe. Doch die Versammlung stimmte einstimmig gegen die Auflösung der kleineren Ortsverbände.

Gewählt wird am Samstag ein komplett neuer Vorstand. So ist in der Folge des Sarikaya-Rücktritts am Mittwoch auch Schriftführer Christian Kräuter aus Stemel zurückgetreten.

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