Politik

Sunderns Bürgermeister: „Jetzt stehen viele Gespräche an“

Bürgermeister Klaus-Rainer Willeke beim Interview in seinem Haus am Heimkeweg in Sundern-Hagen

Bürgermeister Klaus-Rainer Willeke beim Interview in seinem Haus am Heimkeweg in Sundern-Hagen

Foto: Matthias Schäfer / WP Sundern

Sundern.  Hunderte Whats Apps gab es zum Wahlsieg: Am ersten wahlkampffreien Tag stand Klaus-Rainer Willeke unserer Zeitung Rede und Antwort.

Mit einem eindrucksvollen Ergebnis von 73,48 Prozent in der Stichwahl ist am vergangenen Sonntag Klaus-Rainer Willeke zum neuen Bürgermeister von Sundern gewählt worden. Unsere Zeitung traf ihn zum Interview zuhause am Heimkeweg in Hagen.

Wie lang wurde am Sonntag noch der Wahlsieg im Hofcafé in der Röhre gefeiert?

Nicht mehr so lange, ich war um 23 Uhr daheim. Dann habe ich mir aber mit meinem Sohn Julius noch in aller Ruhe ein Bier getrunken. Danach habe ich ganz ruhig bis um 8 Uhr geschlafen. Der Montag war dann schon lange als Ruhetag eingeplant. Obwohl es natürlich ständig Glückwünsche gab, ich habe allein in der Nacht an die 110 Whats App, E-Mails und Instagram Glückwünsche geöffnet. Das Handy in meiner Hemdtasche hat den ganzen Abend rumort.

Wie bewerten Sie den Wahlsieg?

Ich war schon überrascht, dass ich mehr als 2000 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang bekommen habe

und Georg Te Pass 900 weniger. Damit betrug mein Vorsprung am Ende der Auszählung 5400 Stimmen. Und das trotz der gesunkenen Wahlbeteiligung. Ich finde das schon sehr eindrücklich. Wenn man mal in die genaue Auswertung der Wahlergebnisse in den 19 Bezirken geht, haben mich 74,5 Prozent auf den Dörfern und 71,5 Prozent in der Kernstadt gewählt. Das zeigt mir, wie tief verwurzelt in der Wählerschaft dieses Ergebnis zusammengetragen wurde. In keinem Wahlbezirk lag ich unter 50 Prozent, das ist für mich ein Abbild der Bürgerschaft von Sundern, die den Wechsel wollte.

Was bereitet Ihnen nach der Wahl zum Bürgermeister Freude?

Ich bin total gespannt, was jetzt auf mich zukommt. VHS kann ich, auf Verwaltung freue ich mich. Es kommt jetzt zunächst eine Phase, wo beides parallel läuft. Ich muss ja meinen alten Job vernünftig zu Ende bringen.

Wie ist das geplant?

Die Stelle wird neu ausgeschrieben. Im Dezember muss der Zweckverband der VHS Arnsberg/Sundern darüber entscheiden, wer mein Nachfolger wird. Die konstituierende Sitzung ist für den 15. Dezember terminiert, denn zunächst müssen sich ja erst die beiden Räte Anfang November konstituieren, dann die nachgelagerten Organisationen, wie die VHS. Ich habe gebeten, in die Personalentscheidung nicht eingebunden zu werden.

Was macht Ihnen Sorgen?

Ich möchte eine Prioritätenliste erstellen, die wir dann im Rat gemeinsam abarbeiten, möglichst von vielen Kräften getragen. Ich hoffe, dass die am Montag veröffentlichten Haltungen der Parteivorsitzenden auch Platz greifen. Die politischen Kräfte sollen sich aber keine Illusionen machen: Die Bevölkerung wollte mich, man hatte dort wenig Vertrauen mehr in die Politik. Ich kann nur sagen, was ich für richtig halte. Ich setze nicht auf Deals.

Ein langer Wahlkampf ist beendet. Wann stand für Sie fest, dass Sie dieses Amt erobern wollen?

Die erste Idee ist Ostern 2019 geboren. Ich wurde von Freunden, aber auch von meiner Frau gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Um Christi Himmelfahrt habe ich dann viele Gespräche geführt, und nach den Sommerferien war es klar für mich: Ich kandidiere für das Amt des Bürgermeisters. Am 2. Oktober habe ich es dann öffentlich gemacht. Erst danach habe ich begonnen, mein Team zusammen zustellen. Klaus Tolle hat es richtig gesagt: Am Anfang war ein leeres Blatt, ein Stift und eine Idee. Wir haben dann der Haltung der Sunderner ein Gesicht gegeben.

Bleibt das Team zusammen?

Im Januar wird es eine Klausurtagung geben, wie die Vernetzung des Teams weitergeführt werden kann. Es soll keine Partei werden, das ist schon klar, aber wir wollen das Netzwerk, das sich in dieser Zeit gebildet hat, nutzen. Nochmals ganz deutlich: es wird auch kein Schattenkabinett geben.

Was machen Sie am 2. November als erstes?

Ich werde das Bild von Picasso „Don Quichote“ aufhängen. Dieses Bild ist jetzt in meinem Arbeitszimmer in Hagen. Es hing bis zum letzten Arbeitstag meines Vaters, der ja Stadtdirektor war, im Rathaus, in eben diesem Zimmer, das ich dann beziehen werde. An diesem 19. November 1994 haben wir, seine Kinder, ihn abgeholt und dabei das Bild abgehangen. Vom Lebenskreis her betrachtet, finde ich das schon eine interessante Fügung.

Was tun Sie in der ersten Woche?

Ich weiß, welche Themen wichtig sind. Aber ich bin fern von Detailkenntnissen. Das muss angeeignet werden. Deshalb stehen zunächst viele Gespräche an, zunächst mit den Fachbereichsleitern. Dann kommen ja nun die Verhandlungen der Parteien. Dazu steh ich bereit, um mich da einzubringen. Vor allen Dingen will ich eine Sache voranbringen: Die Zusammenarbeit der Ortsvorsteher soll verbessert werden. Da ist mir total wichtig.

Gibt es schon eine To-do-Liste?

Die Antwort lautet: Eindeutig nein. Ich will mich erst orientieren. Dann versuche ich erste Akzente zu setzen, aber ein festes Programm gibt es nicht.

Wollen Sie schon etwas bis zum 2. November tun?

Ja, ich will schon einmal Kontakt mit den fördernden Behörden aufnehmen, um diese Chance zu nutzen. Es gibt in vielen Bereichen Töpfe, die man anzapfen kann. Moderne Politik funktioniert eben so mit Wettbewerben der verschiedenen Institutionen.

Wie sieht es mit der Erholung nach dem langen Wahlkampf aus?

Wir haben keinen Urlaub weit weg geplant, es steht nur ein Kurzurlaub in Hamburg an. Ich möchte am Ball bleiben und nicht weit weg. Grundsätzlich hoffe ich dann auf die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel als große Erholungsphase.

Das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister von Sundern führte Funke-Redakteur Matthias Schäfer.

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