Gericht

Vermeintliches Opfer wieder nicht erschienen

Foto: David-Wolfgang Ebener

Sundern.   Die Reizschwelle im Landgericht sinkt, denn im Vergewaltigungsprozess gegen einen 41-Jährigen fehlte wieder das Opfer.

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Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind empört: Die für das Verfahren vor dem Landgericht insbesondere wegen Vergewaltigung entscheidende Zeugin – das mutmaßliche Opfer – ließ sich jetzt trotz ordnungsgemäßer Ladung schon zum zweiten Mal nicht im Gerichtssaal sehen. Wenige Minuten vor Terminbeginn teilte sie telefonisch mit, an einer Magen-Darmerkrankung zu leiden. Es sei ihr vom Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt worden.

Es geht um die U-Haft

Die beteiligten Parteien waren ungeteilter Meinung, dass die Frau trotzdem vor Gericht hätte aussagen können. Schließlich solle sie ja nicht auf dem Bau arbeiten, so Verteidiger Klaus Telgenbüscher, dem fast der Kragen geplatzt wäre, denn von der Aussage der Zeugin hängt nicht nur die Gerichtsentscheidung ab, sie entscheidet auch, ob sein Mandant noch weiterhin in Untersuchungshaft verbleiben muss. Dieser, ein 41-jähriger Libanese, ist aufgrund der Anzeigenerstattung der heute 19-jährigen Sundernerin wegen Vergewaltigung (andere Delikte werden zusätzlich verhandelt) angeklagt. Diesen Vorwurf bestreitet der Asylbewerber nach wie vor.

Standen Täter und Opfer unter Drogen?

Nach dem bislang einmaligen Auftreten des angeblichen Opfers zweifelt der Verteidiger diesen Vorwurf an. Die Frau, die, wie auch der Angeschuldigte, hatten zur Tatzeit unter Drogeneinfluss gestanden. Das mögliche Opfer hatte sich damals mehrfach widersprochen und hinterließ auch sonst einen eher unglaubwürdigen Eindruck. Bei ihrer Vernehmung brach sie mehrfach in Tränen aus, lachte, wo es nichts zu lachen gab und schrie in Richtung Richtertisch. „Ich habe den Eindruck, wir werden von der Zeugin an der Nase herumgeführt, so Klaus Telgenbüscher zum wiederholten Fehlen der angeblich Vergewaltigten.

Das Gericht will nun durchgreifen: Wenn nötig, sollte sie einem Amtsarzt vorgeführt werden, riet die Oberstaatsanwältin, denn ob sie ihrem Hausarzt die richtigen Infos gegeben habe, sei fraglich. Sie werde um eine notwendige, ergänzende Aussage sowieso nicht herumkommen. „Bei der nächsten Verhandlung am 4. Dezember wird die Zeugin vor Gericht stehen“, versprach der Vorsitzende Richter.“ Nur ihre Aussage kann Licht in das Dunkel der mutmaßlichen Vergewaltigung bringen.“

Massenschlägerei behandelt

Am gestrigen Prozesstag ging es nicht um Klärung der Vergewaltigung, sondern um die Beteiligung des Angeklagten bei einer Massenschlägerei in Sundern zwischen Nord- und Schwarzafrikanern.

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