Kyrill

Wiederaufforstung nach Orkan bringt neue Probleme

Wiederaufforstung nach Kyrillin Sundern: Bereits im Frühjahr 2008 wurden auf 60 Hektar Kahlfläche 180 000 Pflanzen neu gesetzt – darunter teils anspruchsvolle Baumartenmischungen. Foto:Forstbetrieb Blome

Wiederaufforstung nach Kyrillin Sundern: Bereits im Frühjahr 2008 wurden auf 60 Hektar Kahlfläche 180 000 Pflanzen neu gesetzt – darunter teils anspruchsvolle Baumartenmischungen. Foto:Forstbetrieb Blome

Sundern.   Die „Aufarbeitung“ des Jahrhundertsturms Kyrill in Sundern ist abgeschlossen. Aber nicht alle Probleme scheinen gelöst zu sein.

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„Eine großartige Leistung aller Forstbetriebsgemeinschaften und aller Waldbesitzer, die einen Umweltpreis verdient hätte“, meint Friedbert Schulte-Schmale mit Blick auf die „Aufarbeitung“ des Jahrhundertsturms Kyrill. Der Forstamtmann muss es wissen, schließlich ist er seit 2008 im etwa 3500 Hektar großen Revier Sundern u.a. für die betriebsindividuelle waldbauliche Beratung zahlreicher privater Waldbesitzer zuständig.

Stressbewältigung

Wichtig sei damals vor allem die Gründung von Solidargemeinschaften innerhalb der „Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse“ gewesen, blickt der Förster zurück:

„Ziel dieser Aktion war die gemeinsame Aufarbeitung und vernünftige Vermarktung des Kyrill-Holzes“. Der größte Stress sei den Waldbesitzern somit erst einmal ­genommen worden.

Gemeinschafts­gefühl

Das erzeugte Gemeinschafts­gefühl stärkte sie in der Annahme, „es wird alles Mögliche unternommen, um den Schaden, mit optimalen Erlösen, aufzuarbeiten.“

Sturmholzaufarbeitung und Vermarktung wurden im Raum Sundern zügig und effektiv abgewickelt (siehe dazu Infokasten).

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2007 begannen die Planungen zur Wiederaufforstung von Kyrill­Flächen. Eine besonders reizvolle Aufgabe sei es gewesen, detaillierte Planungen für diese Wiederauf­forstung zu erstellen, erinnert sich Bernhard Heuer, Diplom-Forstwirt/Forstassessor aus Linnepe. Für verschiedene Forstbetriebe, unter anderem die Stadt Sundern, erfolgten auf mehr als 400 Hektar kleinflächige Standortkartierung, Kartierung von Aufforstungseinheiten, Flächenberechnung mit Berechnung des Pflanzenbedarfs und Absteckung im Gelände, erinnert er sich (detailliert nachzulesen: Artikel in „Die Waldbauern in NRW“, Heuer, B. & Leonhardt, A., 2007).

Baumartenmischungen

Der Theorie folgte dann zeitnah die Praxis: Auf 60 Hektar Kahlfläche in Sundern wurde die Planung aktiv umgesetzt. Bereits im Frühjahr 2008 wurden dort 180 000 Pflanzen gesetzt. „Spannend war dabei der – heute als geglückt anzusehende – Versuch, die Flächen in Eigenregie so zu bejagen, dass auch anspruchsvolle Baumartenmischungen ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können“, schreibt Heuer.

Kyrill und die Feuerwehr

„Die Mischung macht’s also?“ „Ziel der Wiederaufforstung von Kyrill-Flächen sollte in jedem Fall die Begründung stabiler Mischbestände sein, die weniger anfällig gegenüber Schadereignissen sind als Reinbestände“, erklärt Friedbert Schulte-Schmale. Daher seien Mischbaumarten, auch die Birke und andere Pioniergehölze, als Bereicherung der Waldgesellschaft und als Stabilitätsfaktor erhalten und eingebracht worden.

Fördermittel

Also alles gut? „Die Wiederaufforstung ist erfolgreich abge­schlossen“, bestätigt Klemens Berghoff-Wrede, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Sundern. Doch längst nicht alles sei gut.

Für die Wiederaufforstung mit Mischkulturen fließen zwar Fördermittel des Landes, doch dessen Auflagen seien zu hoch, bemängeln viele Waldbesitzer. Für alternative (zur Fichte) Nadelhölzer erhalten sie längst keine Fördermittel mehr; und vom Land geförderte Laubholz-Aufforstung sei immer noch teurer als ein komplett selbst bezahlter neuer Fichtenbestand. Hinzu komme, dass Laubbäume anfälliger für Wildfraß sind. Da verwundert es nicht, dass der NRW-Kyrill-Fördertopf bis heute nur zur Hälfte ausgeschöpft wurde.

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