Diamanthochzeit

60 Jahre: Velberter Ehepaar ist glücklich wie am ersten Tag

Noch so glücklich wie am ersten Tag: Vilma und Stojan Prokin feiern Diamanthochzeit.

Noch so glücklich wie am ersten Tag: Vilma und Stojan Prokin feiern Diamanthochzeit.

Foto: Uwe Möller

Velbert.   Vilma und Stojan Prokin feiern Diamanthochzeit. Sie haben sich in Serbien kennengelernt und teilen nicht nur schöne Erinnerungen miteinander.

„Geht das so Schatz?“, fragt Vilma Prokin ihren Mann und richtet den Kragen ihres hellblaues Blazers nochmal zurecht. Stojan antwortet mit einem lauten Lachen, er hält seine Frau an ihren Schultern fest und gibt ihr einen Kuss. „Bravo“, sagt er grinsend und klatscht dabei in seine Hände. Vilma streicht über die Hand ihres Mannes und lächelt verträumt: „Es ist, als hätten wir gestern erst geheiratet“. So ist es aber nicht – 60 Jahre ist es her, dass Vilma und Stojan Prokin sich das Ja-Wort gegeben haben.

Bei einem Tanzabend in ihrer Heimat in Serbien haben die beiden sich kennengelernt. Ihm steigen Tränen in die Augen, als er sich an die Vergangenheit erinnert. Der Kloß in seinem Hals verhindert, dass Stojan weiterreden kann. Mit seinen Händen zeigt er, warum er an diesem Abend im Jahr 1957 zum Tanzabend gekommen ist. „Er hat Schlagzeug gespielt“, greift seine Frau ihm unter die Arme.

Arbeitsunfall zeigt ihm, wie verliebt er ist

Stojan hält einen goldenen Bilderrahmen in der Hand. Eine junge Dame lächelt in die Kamera, lange braune Wellen umrahmen ihr Gesicht, ein schicker Hut auf dem Kopf. Die roten Lippen passen zu ihrem Halstuch, die dunklen, großen Augen strahlen. „Sie war die Schönste im ganzen Dorf“, schwärmt der 78-Jährige.

Ein Arbeitsunfall habe dem Mann dann gezeigt, dass er sich in Vilma verliebt hat. Bei seiner Arbeit als Schreiner ist sein Mittelfinger in einer der Maschinen gelandet. Vilma habe sich Sorgen um Stojan gemacht und ihn besucht: „Da hatte ich auf einmal gar keine Schmerzen mehr“, sagt der 78-Jährige lachend.

In ihrer Jugend haben sie viel Armut erlebt

Das junge Paar war sich sicher: Sie hatten sich verliebt. Doch die darauffolgende Zeit war alles andere als einfach. „Wir waren arm, sehr arm“, erinnert Stojan sich. Eine Zeit lang haben die beiden bei der Schwester von Vilma in Belgrad gelebt, in einer Holzhütte neben dem Haus. „Wir haben auf einer Holzbox neben dem Schweinestall gegessen“, erinnert ihr Ehemann sich. Diese Zeit sei hart gewesen, „aber wir haben immer zusammengehalten“, sagt Stojan weiter, sichtlich ergriffen.

Sie haben viel gearbeitet. 12, 14 Stunden pro Tag. So konnten sie sich irgendwann ein eigenes Haus in der nordserbischen Kleinstadt Titel leisten. Dort haben sie im Jahr 1959 geheiratet, kurz danach kam die erste Tochter Wessner zur Welt. Die Hochzeit habe das Paar nicht groß feiern können: „Abendessen und gut ist“, beschreibt Stojan. Aber schön sei es trotzdem gewesen.

Aus fünf sind 50 Jahre in Deutschland geworden.

Sein Bruder habe Stojan dann irgendwann davon überzeugt, nach Deutschland zu gehen, um dort zu arbeiten. „Eigentlich wollten wir nur vier, fünf Jahre bleiben“, sagt der 78-Jährige schmunzelnd. Das ist jetzt 50 Jahre her. So schwer ihre ersten gemeinsamen Jahre auch waren: „Wir sind glücklich“, sagt Vilma lächelnd. Die vielen Bilder im Wohnzimmerschrank zeigen ihre große Familie – zwei Töchter, sieben Enkel, ein Urenkelchen.

Vilma ist stolz, wenn sie über ihre Enkelkinder spricht – über Max, der nun einen Doktortitel anstrebt, über Wessner, die eine Ausbildung in der Pflege macht. „Sie hat nur Einsen und Zweien“, freut sie sich. Und fast alle werden zu ihrer Feier zur Diamanthochzeit kommen. Mit einer Ausnahme: „Unsere jüngere Tochter lebt mit einem ihrer drei Kinder in Serbien.“

Ein großes Fest zur Diamanthochzeit

Sie komme aber im Oktober für zwei Wochen zu Besuch. Trotzdem freut sich das Ehepaar auf seine große Feier. Doch zuvor geht es erstmal für zwei Wochen in den Urlaub, an die Ostsee. Seit 20 Jahren, seitdem sie nun schon in dem Haus in Velbert wohnen, fahren sie zweimal im Jahr dorthin. Und gehen ihrem gemeinsamen Hobby nach – dem Angeln: „Wir kommen mit 40 bis 50 Kilo Fisch wieder zurück.“

Und der kommt dann bei der großen Feier zur Diamanthochzeit auf den Grill. Nachbarn, Freunde, Familie wollen mit den Prokins feiern. Stojans Augen strahlen, wenn er daran denkt: „Wir sind auch heute nicht reich, aber wir sind reich an Liebe und Zusammenhalt.“

>> PROBLEME MIT DER BEHÖRDE

  • Vilma Prokin wurde im Jahr 1941 in Bulgariens Hauptstadt Sofia geboren. Vor ihrer Hochzeit musste die bulgarische Behörde erst ihre Zustimmung geben, dass Vilma einen Jugoslawen heiraten dürfe. „Es hat ewig gedauert, bis alle Papiere da waren“, erinnert Vilma sich.
  • Bevor das Ehepaar in ihre Wohnung in Velbert-Mitte zog, haben die beiden 20 Jahre lang in Bonsfeld gewohnt. Stojan hat bei der Gießerei Ortmann als Schichtführer gearbeitet, Vilma hat für die gleiche Firma gearbeitet. 1999 sind beide in Rente gegangen.

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