Pro Familia

Ärztin möchte Menschen in schwierigen Situationen ermutigen

Neben ihrer neuen Stelle in Mettmann ist Kathrin Schnabel (Mitte) auch in Schwelm und Solingen tätig. Hier ist sie mit Natalie Schenk (li.) und Sandra Baldschus von Pro Familia in Schwelm zu sehen.

Neben ihrer neuen Stelle in Mettmann ist Kathrin Schnabel (Mitte) auch in Schwelm und Solingen tätig. Hier ist sie mit Natalie Schenk (li.) und Sandra Baldschus von Pro Familia in Schwelm zu sehen.

Foto: Klaus Bröking

Kreis Mettmann.   Kathrin Schnabel ist die neue Ärztin der Pro-Familia-Beratungsstelle in Mettmann. Wie sie damit umgeht, jeden Tag mit Leid konfrontiert zu sein.

Sie begleitet Menschen in ihren schlimmsten und in ihren schönsten Stunden: „Ich ermutige zum Starten, zum Durchhalten aber auch zum Abschiednehmen“, erklärt Kathrin Schnabel. Die Gynäkologin berät unter anderem Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und erlebt dabei „die Achterbahn der Gefühle“ hautnah mit. Kathrin Schnabel ist seit Anfang des Jahres die neue Ärztin in der Pro-Familia-Beratungsstelle in Mettmann.

22 Jahre lang war sie als Frauenärztin und Reproduktionsmedizinerin in Kliniken tätig. „Dann habe ich das zweite Herz in meiner Brust so laut schlagen hören, dass ich zu Pro Familia gegangen bin“, sagt die 51-Jährige. Seit eineinhalb Jahren arbeitet sie nun schon in den Beratungsstellen in Solingen und Schwelm. Nun wird sie in allen drei Städten tätig sein.

Ein vielfältiger Alltag in der psychosozialen Beratung

Ihre Zeit in der versorgenden Medizin beschreibt Kathrin Schnabel als das Handwerk ihrer medizinischen Laufbahn. „Und jetzt kommt das Kopf- und Seelenwerk“, erklärt sie. Der neue Job bringe einen vielfältigen Alltag mit sich: An den einem Tag erklärt sie Schülerinnen, was beim Frauenarzt passiert, sie nimmt ihnen die Angst und berät zum Thema Verhütung.

An anderen Tagen geht es um den Kinderwunsch und damit verbundene Ängste und Hoffnungen. „Ich kann mir wirklich Zeit für die Betroffenen nehmen“, sagt Kathrin Schnabel. Sie spreche mit ihnen über die Auswirkungen ihrer Situation auf ihr Leben, auf ihre Familie oder auch den Arbeitgeber. „Das Thema ist oft mit Scham verbunden“, sagt die Ärztin. Es helfe den Menschen, in einer unabhängigen Umgebung mit jemandem über ihre Situation zu sprechen. „Das ist etwas ganz anderes, als wenn ich im Kittel vor den Menschen sitze“, meint Kathrin Schnabel.

Sie hat gelernt, schlimme Geschichten nicht zu sehr an sich heranzulassen

Sie hört in ihrem Alltag auch viele traurige Geschichten, begleitet zum Beispiel Frauen nach einer Fehlgeburt. In 22 Jahren habe die Medizinerin sich ein professionelles Schutzschild aufgebaut, um diese Schicksale nicht zu sehr an sich heran zu lassen. „Trotzdem berühren mich natürlich viele Geschichten“, sagt die 51-Jährige.

Deswegen biete Pro Familia ihren Beratern die Möglichkeit, sich mit außenstehenden Experten über das Gehörte auszutauschen, das sie besonders beschäftigt. „Es hilft ungemein, sowas aufzuarbeiten und zu reflektieren“, meint Kathrin Schnabel.

Orientierung geben in einem Chaos aus Gefühlen

Die 51-Jährige ist sich sicher, dass sie relativ schnell Zugang zu Menschen bekommt. „Ich glaube, ich kann ihnen das Gefühl geben, nicht verurteilt zu werden“, sagt sie. Auch ihre Erfahrungen in der versorgenden Medizin helfen ihr im Umgang mit Betroffenen, ist sie sich sicher.

„Wenn man ein Kind verloren hat, ist man erstmal in einer Glocke von Emotionen und versteht nichts von dem, was der Arzt einem sagt. Das ist Selbstschutz“, erklärt Kathrin Schnabel. Es sei dann oft hilfreich, mit etwas Abstand medizinische Fragen nochmal zu klären.

Der Blick über den Tellerrand

Wenn Kathrin Schnabel redet, merkt man, dass ihr Beruf sie erfüllt und glücklich macht. „Der Job bedeutet so viel Begegnung“, sagt sie euphorisch. Sie lerne jeden Tag, dass Menschen oft so viel mehr schaffen könnten, als sie zuerst glaubten. Die 51-Jährige ist sich sicher: „Es ist der Blick über den Tellerrand hinaus, der mich so glücklich macht.“

>> TRAUERBEWÄLTIGUNG UND BERATUNG

  • Die Beratungsstelle in Mettmann bietet Informationen zum Thema Fehlgeburt, Trauerbewältigung und Hilfsangebote in Form von Einzel- oder Paarberatung an. Die Beratungsstelle ist unter der Rufnummer (02104) 244 28 zu erreichen.
  • Kathrin Schnabel ist Gynäkologin mit dem Schwerpunkt Reproduktionsmedizin und Psychoonkologie. Im Praxissemester ihres Studiums habe sie erste Einblicke in eine Reproduktionsklinik bekommen und sofort gewusst: „Das ist es, was ich machen will.“

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