Zurück zur Natur

Am Rosenhügel in Neviges plätschert bald ein Bach

Freuen sich auf die Arbeiten am Motschenbrucher Bach: Carmen Sauerwein, bei den TBV Sachgebietsleiterin Stadtentwässerung und Kanalplanung, und ihr Kollege Markus Thelen, TBV-Bauüberwachung Kanalbau.

Freuen sich auf die Arbeiten am Motschenbrucher Bach: Carmen Sauerwein, bei den TBV Sachgebietsleiterin Stadtentwässerung und Kanalplanung, und ihr Kollege Markus Thelen, TBV-Bauüberwachung Kanalbau.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Neviges.  Der Motschenbrucher Bach, vor Jahrzehnten unter der Erde verrohrt, plätschert bald wieder durch Neviges. Ein kleines Stück bleibt unterirdisch.

Wie gelbe Tupfer heben sich die Kamillenblüten von der Wiese ab. Herrlich idyllisch ist es hier, unweit der Straße Am Rosenhügel, direkt hinter dem Einkaufscenter. Natur, so weit das Auge reicht, und bald wird hier sogar ein Bach plätschern: Die Technischen Betriebe Velbert (TBV) holen den Motschenbrucher Bach aus der Versenkung und bereiten ihm ein neues, offenes Bett. Es ist eine Renaturierung mit großen Pausen: Der erste Bauabschnitt, der das Gelände von der ehemaligen Ziegelei Buschmann bis zum Hardenberger Bach umfasst, wurde bereits 2006 fertiggestellt. Jetzt geht es um eine Strecke von 400 Metern, beginnend im neuen Gewerbegebiet – unter anderem ist hier die Firma 3D Straka ansässig – und endend auf der anderen Seite der Straße Am Rosenhügel, in Höhe des Einkaufscenters. Die Arbeiten dauern, so ist der jetzige Stand, voraussichtlich bis November 2020.

Kurz zur Vorgeschichte: Dort, wo einst die Ziegelei Buschmann Ton für die Ziegelherstellung gewonnen hat, wurde bereits vor Jahrzehnten der Motschenbrucher Bach verrohrt und darüber eine Deponie errichtet. „Die neuen Gewerbe stehen zum Teil auf der alten Verrohrung des Baches“, erläutert Diplom-Ingenieurin Carmen Sauerwein, Sachgebietsleiterin Stadtentwässerung, Kanalplanung und Kanalbetrieb bei den TBV.

Reparaturen am Rohr sind unmöglich

Die Verrohrung unterhalb von Gebäuden ist ungünstig, da Reparaturen an dem Rohr unmöglich sind. Unter anderem war der Bach an das Kanalnetz angeschlossen, dadurch floss sauberes Wasser bis zur Kläranlage in Essen-Kupferdreh. „Das ist nicht Sinn der Sache, in den Kanal soll ja Abwasser fließen und kein sauberes Bachwasser“, so Carmen Sauerwein weiter. Auf die Arbeiten zur Renaturierung freut sie sich ebenso wie Diplom-Ingenieur Markus Thelen, bei den TBV zuständig für den Bereich Bau-Überwachung und Kanalbau. Carmen Sauerwein: „Sonst vergraben wir ja immer etwas, jetzt sieht man auch mal was.“

Stahlbetonrohr misst zwei Meter Durchmesser

Die Deponiebetriebsgesellschaft Velbert hat das Bachtal bereits angelegt beziehungsweise „vorprofiliert“, wie es Markus Thelen nennt. Die Firma Müller & Bleckmann aus Heiligenhaus wird nun das Bachbett bauen, dabei sollen die kleinen Bäume am Rande der Ausschachtung auf jeden Fall stehen bleiben. Zwischendurch verschwindet das Wasser dann wieder unter der Erde.

„Auf einer Länge von 75 Metern wird der Bach unter der Straße Am Rosenhügel verrohrt und verläuft dann jenseits der Straße wieder an der Oberfläche“, erläutert Markus Thelen weiter. Das Stahlbetonrohr misst zwei Meter Durchmesser und wird in etwa sechs Metern Tiefe verlegt. In das Rohr wird eine Bachsohle aus natürlichem Material eingebaut, die es kleinen Tieren ermöglicht das Rohr zu durchwandern. Der Durchmesser ist so groß, damit möglichst viel Licht in den verrohrten Abschnitt fallen kann.

Wegen dieser Arbeiten wird etwa Ende August an der Straße Am Rosenhügel, in Höhe des Einkaufscenters, eine Baustellenampel eingerichtet, da die Fahrbahn hier von zwei auf eine Spur verengt wird. Am Montag, 15. Juli, starten erst einmal die vorbereitenden Arbeiten: Hinter dem Parkplatz des DM-Marktes wird ein Baucontainer aufgebaut und eine Baustraße errichtet. „Das wird wohl die ganze nächste Woche dauern, dann geht es richtig los“, so Markus Thelen.

Beide Experten freuen sich auch auf eine besondere Herausforderung, die eine Renaturierung mit sich bringt. „Wir versuchen, die Natur zu kopieren“, sagt Carmen Sauerwein, „das erfordert Fingerspitzengefühl, es sollen sich ja auch Tiere dort ansiedeln und wohl fühlen.“ Ihr Kollege Markus Thelen ergänzt: „Der Bach soll sich möglichst naturnah schlängeln, ich muss nur die Höhe einhalten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben