Inklusion

Aus dem Alltag von Menschen mit Handicap

Teilnehmer des Radioprojektes legen auf ihrer Redaktionssitzung die Themen für nächsten Sendungen fest.

Teilnehmer des Radioprojektes legen auf ihrer Redaktionssitzung die Themen für nächsten Sendungen fest.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  „All inclusive“ heißt in Velbert ein Radioprojekt für Menschen mit Einschränkungen. Im Bürgerfunk „Extraradio“ geben sie Einblick in ihr Leben.

Ihre Themen sind ihr Alltag. Ein Alltag, der sich von dem von Menschen ohne Handicap manchmal stark unterscheidet. Über ihr tägliches Leben reden die Redaktionsmitglieder von „All inclusive“ regelmäßig im Extraradio, dem Bürgerfunk von Radio Neandertal. Und ebenso regelmäßig kommen sie sich in den Räumen der Kokobe einmal im Monat zu ihren Redaktionstreffen zusammen. Unterstützt wird die Redaktion von Extra-Radio Moderator Werner Miehlbradt und von Farina Gießmann von der Kokobe.

Die neue Sendung muss geplant werden

Die neue Sendung im Dezember muss geplant werden, es werden Themen entwickelt. Vanessa – sie sitzt im Rollstuhl – will ein Interview mit einer ihrer Assistentinnen machen, die die bei der Bewältigung des Alltags unterstützt. „Ich möchte wissen, wie es für sie ist, einem Menschen zu helfen, wie sie sich dabei fühlt und warum sie diesen Beruf ergriffen hat“, sagt Vanessa. Sie weiß, wie es sich anfühlt, auf Hilfe angewiesen zu sein und möchte nun auch den anderen Blickwinkel haben. „Die Fragen habe ich mir schon überlegt. Wenn ich das Gerät habe, kann ich loslegen“, sagt sie und Werner Miehlbradt verspricht, dass Gerät gleich nach der Sitzung aus dem Auto zu holen.

Über den Ärger mit den Busfahrern

Seinen Ärger möchte Andreas in der Sendung loswerden. „Es passiert mir immer wieder, dass Busfahrer mir die Tür vor der Nase zuschlagen oder die Einfahrhilfe nicht ausklappen“, berichtet der Rollstuhlfahrer. Einmal habe sich ein Busfahrer sogar geweigert, ihm raus zu helfen. Er sei ja auch allein reingekommen, so habe er argumentiert. Andreas möchte ein Interview mit jemandem von einer Verkehrsgesellschaft machen, der ihm erklärt, ob Busfahrer verpflichtet sind, ihm zu helfen. Die Redaktion berät gemeinsam, wen man fragen könnte und kommt zu dem Schluss, dass man sich bei der Rheinbahn einen Ansprechpartner suchen könnte.

„Immer ganz nah an den Interviewpartner heranrücken

Das Thema Nahverkehr beschäftigt auch die übrigen Redaktionsmitglieder. So gibt es in Ratingen-Lintorf regelmäßig inklusive Partys, die von ihnen besucht werden. Um dort hinzukommen, ist von Wülfrath oder Velbert eine Fahrt mit mehreren Umstiegen nötig. Besonders abends muss man sehr aufpassen, um den Anschluss an den letzten Bus nicht zu verpassen. Nun entsteht die Idee, eine Reportage einer solchen Fahrt zu machen und genau aufzuschreiben, wie lange man unterwegs ist.

Zwischendurch gab Miehlbradt immer wieder Tipps für ein gelungenes Interview. „Ihr solltet die Fragen immer genau vorbereiten“, riet er. Und auch die Technik müsse beachtet werden: „Rückt immer ganz nah mit dem Mikrofon an Euren Interviewpartner heran, damit die Tonqualität gut wird,“ empfahl er und spielte ältere Beiträge der Redaktion vor, die nicht ganz optimal waren.

Mit ganz viel Engagement dabei

Manchmal klappt auch etwas nicht. So sollte eigentlich noch eine Ankündigung für den WfB-Basar aufgenommen werden, doch niemand hatte sich darauf vorbereitet, so dass das Projekt begraben wurde.

Für die Menschen mit Handicap ist das Radio eine gute Gelegenheit, ihre Lebenswirklichkeit mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen. Und das tun sie mit viel Engagement. So kam eine Teilnehmerin nach der Arbeit und kurz vor der Abendschule noch zur Redaktionssitzung vorbei.

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