Gericht

Blindes Vertrauen in einer Velberter Firma ermöglicht Betrug

Im Wuppertaler Landgericht steht ein 43-jähriger Angeklagter vor Gericht. Er soll  eine Frau zu Unterschlagungen animiert haben.

Im Wuppertaler Landgericht steht ein 43-jähriger Angeklagter vor Gericht. Er soll eine Frau zu Unterschlagungen animiert haben.

Foto: Uwe Möller / WAZ FotoPool

Wuppertal.  Ein „Romeo“ soll eine Velberter Angestellte zur Unterschlagung von Geld animiert haben. Mehrere Banken hatten Verdachtsanzeigen erstattet.

In einem Fall um schweren Betrug in einer Velberter Firma ermöglichten jahrelanges Vertrauen, automatisierte Abläufe und Finanz-Kenntnisse einer Beteiligten einen Schaden von mehr als 200.000 Euro. Das bezeugten Mitglieder der Geschäftsleitung vor dem Landgericht Wuppertal. Ein 43 Jahre alter Angeklagter soll 2013 über eine Internet-Kontaktbörse eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin des Unternehmens aufgebaut haben.

Die sechs Jahre jüngere Frau war in zentraler Stellung tätig und habe sich eine Familie gewünscht. Sie habe nicht gewusst, dass er verheiratet und Familienvater war. Für ihn habe sie heimlich Firmengeld umgeleitet. Die Frau hat ihre Bewährungsstrafe bereits angenommen und zahlt den Schaden zurück. Für den 43-Jährigen geht es in der Berufung um dieFreiheit: Staatsanwaltschaft und Verteidigung greifen gleichermaßen ein früheres Urteil des Amtsgerichts Velbert an.

Luxusauto und Rolex gekauft

Laut Anklage finanzierte der umgeschulte Facharbeiter mit dem Firmengeld zweifelhafte Exportgeschäfte mit Luxus-Autos und einen pompösen Auftritt inklusive Limousine und Rolex-Uhr. Ein früherer leitender Mitarbeiter des Unternehmens erklärte den Richtern, die Frau kenne er seit ihrer Ausbildung: „Ich hätte meine Hand für sie ins Feuer gelegt.“

Angestellte konnte unkontrolliert Daten eingeben

Der Drehpunkt: Die 37-Jährige konnte unkontrolliert Daten in die Firmenverwaltung eingeben. Zahlungen musste eine erfahrene Buchhalterin freigeben, die konnte aber nur oberflächlich kontrollieren. Diese Buchhalterin sagte aus, dass Zahlungen an Lieferanten ständig schwankten- angefangen bei einigen hundert Euro pro Rechnung, Ende praktisch offen:

„Wenn da hunderttausend Euro in einer Liste stünden, würden wir nicht mal schlucken.“

Was die Mitarbeiterin vorbereitete, musste quasi richtig sein. Ein Mitglied der Geschäftsführung bestätigte, dass alle um die Vertrauensbasis wussten: „Das hatte sich so eingeschliffen.“ Wer Konto-Daten eines Lieferanten ändern durfte, habe das Geld in der Hand gehabt, auch wenn die Zahlungsfreigabe in einem anderen Büro lief.

Bankdaten kamen per Handy-Nachricht

Die betrügerische Mitarbeiterin soll die wechselnden Bankverbindungen für elf Taten teils per Handy-Nachricht von ihrem vermeintlichen Freund erhalten haben. Laut Zeugen informierte Anfang 2015 eine Bank das Landeskriminalamt, weil Überweisungen verdächtig erschienen.

Unternehmen hat Konsequenzen gezogen

Das Unternehmen hat Konsequenzen gezogen, bezeugte die Buchhalterin: „Seit dem gibt es nur noch das Vier-Augen-Prinzip. Jeder kontrolliert jeden. Geht ja gar nicht anders.“ Das Gericht will Freitag, 14. Juni 2019, weiter verhandeln (Justizzentrum Wuppertal, Eiland, Saal J9SG).

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