Stadtgeschichte

Diskussion über die erste Erwähnung von Neviges

Blick vom Turm der Evangelischen Stadtkirche Velbert-Neviges auf die Häuser des Kirchplatzes.

Blick vom Turm der Evangelischen Stadtkirche Velbert-Neviges auf die Häuser des Kirchplatzes.

Foto: Ulrich Bangert / WAZ FotoPool

Neviges.  Die Werbegemeinschaft möchte den 800. Geburtstag von Neviges feiern. Doch ein genaues Jahr der Erstnennung ist nicht wissenschaftlich belegt.

Im Laufe dieses Jahres will sich das Führungsduo Thomas Bellers und Helmut Wulfhorst aus dem Vorstand der Werbegemeinschaft Neviges zurückziehen. „Ja, wir hören auf.“ Zum Schluss der Amtszeit schwebt dem stellvertretenden Vorsitzenden Helmut Wulfhorst noch ein wahrer Paukenschlag vor: eine Feier zum 800-jährigen Bestehen von Neviges auf die Beine zu stellen. „Das wäre was, das würde richtig Wumm machen. Aber die Stadt macht nicht mit“, sagt Helmut Wulfhorst und zuckt mit den Schultern. Wobei es da doch diesen Eintrag in der freien Enzyklopädie Wikipedia gebe. Dort ist zu lesen: „Die älteste Überlieferung erwähnt die Ortschaft 1220 als Bestandteil der unabhängigen Herrschaft Hardenberg.“ So schön sich der Satz auch liest – so einfach ist die Sache nicht.

Stiftung einer Bruderschaft

Eine Anfrage beim Stadtarchiv Velbert, wie denn bei Wikipedia das Jahr 1220 ins Spiel gekommen sein könnte, ergab den Hinweis auf das Buch „Velbert: Geschichte dreier Städte“, herausgegeben vom Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Velbert-Hardenberg. Dort steht in dem Kapitel „Velberter und Hardenberger Geschichte 875 - 1806“ als Eintrag unter dem Jahr 1220 folgender Satz: „Stiftung einer Priesterbruderschaft durch die Witwe Hellenburgis und ihren Sohn Hermann von Hardenberg in der Kirche zu Neviges.“ Eine fundierte historische Quelle, aber was sagt sie aus?

Keine gesicherten Erkenntnisse

Dazu Dr. Jutta Scheidsteger, Historikerin und Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins: „Wir hätten natürlich auch sehr gern ein schönes Jubiläum mitgestaltet“, und es habe auch Überlegungen mit der Stadt Velbert gegeben. Die Historiker des Geschichtsvereins, zu denen auch Christoph Schotten, Leiter des Stadtarchivs Velbert, gehört, seien jedoch nach gründlicher Recherche zu folgender Erkenntnis gekommen: „Eine genaue Ersterwähnung des Ortes Neviges ist wissenschaftlich nicht nachweisbar“, so Dr. Jutta Scheidsteger.

Neviges kann jünger oder auch älter sein

Die Stiftung der Priesterbruderschaft habe nicht den Wert einer Urkunde. Neviges könne älter, aber auch jünger als 800 Jahre sein. „Da eine Ersterwähnung nicht beweisbar war, haben wir als Bergischer Geschichtsverein von den Plänen einer Feier Abstand genommen.“ Man müsse seriös bleiben. Wenn andere Städte Jubiläen feierten, bezöge sich das häufig auf die Verleihung der Stadtrechte, und die seien hieb- und stichfest zu belegen. Das gleiche Problem bestehe bei Langenberg, auch da gebe es keine gesicherten Erkenntnisse. https://www.waz.de/staedte/velbert/article227940649.ece

Der Bach als Namensgeber

Die Schlussfolgerung der Enzyklopädie Wikipedia ist also etwas kühn. Klar ist dagegen, wie der Name Neviges einst zustande kam. Gerd Haun, Stadthistoriker und Ehrenvorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins, hatte es einst bei seinen historischen Stadtspaziergängen erklärt: Der Ortsname ist abgeleitet von Navigisa, einer alten Bezeichnung für den Hardenberger Bach. Beide Namensbestandteile (nava, gisa) bedeuten so viel wie Gewässer, Fluss. Zum Ortsgebiet gehörten damals 13 Bauernschaften.

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