WAZ-Serie

Für Velberter Sternekoch Stemberg ist auch Erbsensuppe Luxus

Mmmmhh: Weißen Trüffel, fein gerieben, hat zurzeit Sascha Stemberg in Velbert auch in seinem Repertoire. Das Gramm zu acht Euro.

Mmmmhh: Weißen Trüffel, fein gerieben, hat zurzeit Sascha Stemberg in Velbert auch in seinem Repertoire. Das Gramm zu acht Euro.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Die Auffassungen von Luxus sind individuell. Was Sternekoch Sascha Stemberg in Velbert als luxuriös empfindet, dürfte manchen Gourmet wundern.

Das Traditionsgasthaus Stemberg an der Kuhlendahler Straße gehört zu den besten Restaurants in ganz NRW. Der renommierte Restaurantführer „Gault & Millau“ vergab kürzlich für die Kochkünste von Sternekoch Sascha Stemberg erneut 17 von 20 möglichen Punkten. Da liegt die Vermutung nahe: Hier kann man gut luxuriös speisen, mit Kaviar satt, dazu perlt feinster Champagner. Klar, kann man, schließlich ist der Gast hier König.

Am besten noch einmal aufgewärmt

Doch wer die Familie Stemberg kennt, den wundert die Aussage des Sternekochs nicht: „Luxus? Das ist für mich eine richtig gut gemachte Erbsensuppe. Am besten noch einmal aufgewärmt, damit sich alles schön verbindet.“ Und Vater Walter Stemberg ergänzt: „Auch ein richtig gutes Wiener Schnitzel ist Luxus, mit Fleisch aus artgerechter Aufzucht.“ Beide sind sich einig: „Gute Produkte zu finden, das ist für uns Luxus, das ist die Philosophie unseres Hauses.“ Seit 155 Jahren ist „Haus Stemberg“ in Familienhand, und so grandios Sternekoch Sascha in fünfter Generation auch die Gastro-Kritiker immer wieder überzeugt: Einen kulinarischen Luxus-Tempel möchte er nicht führen.

Kaviar für 1000 Euro

„Teure Luxuszutaten, das sind Kaviar, Balik-Lachs aus der Schweiz, Langusten und Hummer. Das alles sind Zutaten, die servieren wir nur auf Wunsch und auf Vorbestellung“, erzählt Walter Stemberg. Satte 1000 Euro kosten 500 Gramm Wildkaviar – und ja, es gebe Gäste, die danach verlangten. „Das ist aber die absolute Ausnahme. Unsere zahlreichen Stammgäste sind bodenständig, und darüber sind wir auch sehr froh.“ Und wenn jemand meine, seinen Geschäftspartner mit einer Flasche Mouton Rothschild für 800 Euro

die Flasche beeindrucken zu müssen, dann lassen die Stembergs diesen wertvollen Rotwein eben anliefern – der Gast ist schließlich König. „So etwas haben wir nicht im Keller. Bei uns kostet der Weißwein im Durchschnitt 35 Euro, Rotwein ist etwas teurer“, erzählt Walter Stemberg weiter. Ein absolutes Luxusgut sei übrigens das Gewürz Safran. „Teurer als Gold, aber fragen Sie mich jetzt nicht nach Grammpreisen.“

Frische, Qualität und Umwelt sind wichtig

Ein klein wenig Luxus, fein gerieben, kommt aber doch zurzeit auf Wunsch auf den Teller. „Jetzt ist die Saison des weißen Trüffels, die dauert etwa drei bis vier Wochen. Da kostet ein Gramm acht Euro, und wer möchte, der bekommt zwei bis drei Gramm auf seine Nudeln.“ A propos Saison: Erdbeeren oder Spargel im Weihnachtsmenü wird man hier vergebens auf der Karte suchen. „Das ist doch Wahnsinn, da werden Lebensmittel um die halbe Welt geflogen. Das ist nicht gut für die Frische, nicht gut für die Qualität und auch nicht gut für die Umwelt. So etwas machen wir nicht mit, bei uns gibt’s im Mai Spargel, und dann frisch vom Feld gegenüber.“

Ein Strandspaziergang an der Nordsee

Die Lieferanten geben sich an diesem Vormittag die Klinke in die Hand, seit Wochen ist „Haus Stemberg“ ausgebucht. Sohn Sascha inspiziert die Ware in der Küche, auch Vater Walter muss gleich wieder los. Was für ihn persönlich Luxus bedeute? „Ein Spaziergang an der Nordsee, vor allem Gesundheit. Wenn die Familie und enge Freunde gesund sind, das ist Luxus.“ Und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

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