Gericht

Heiratsschwindler lässt Frau 200.000 Euro veruntreuen - Haft

Das Wuppertaler Landgericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Das Wuppertaler Landgericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Wuppertal.  Der Mann hatte die Angestellte einer Velberter Firma dazu gebracht, ihm mehr als 200.000 Euro zu überweisen. Nun muss der Mann ins Gefängnis.

Im Prozess um Betrug über fast eine Viertelmillion Euro in einer Velberter Firma bestätigte das Landgericht Wuppertal die Gefängnisstrafe gegen einen 42 Jahre alten Angeklagten. Der Mann soll für zwei Jahre und acht Monate in Haft. Das Urteil ist ein weiteres Mal angreifbar, Bewährung ist ausgeschlossen.

Laut Feststellungen baute der Mann über das Internet eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin (37) des Unternehmens auf. Er habe sie dazu gebracht, elfmal hohe Beträge von Firmenkonten an ihn umzuleiten. Die Taten fielen durch Routinekontrollen auf. Die Frau ist bereits zu Bewährungsstrafe verurteilt und zahlt den Schaden zurück.

Der Mann verschwieg, dass er bereits verheiratet war

Oberstaatsanwalt Torsten Michael Meyer stellte in seinem Plädoyer klar: „Wenn man hier einfach den Begriff ‚Heiratsschwindel‘ anbringen würde, dann wäre das viel zu milde.“ Den Richterinnen zufolge verschwieg der nicht vorbestrafte Facharbeiter seiner Mittäterin, dass er bereits verheiratet war und Kinder hatte. Er habe ihre Gefühle benutzt, um sie zu immer neuen Überweisungen zu bringen. Insgesamt 225.000 Euro seien an ihn gegangen.

Hohe Beträge gingen an einen Händler für Luxusautos

Als schwerste Tat wertete das Gericht eine einzelne Zahlung über 74.000 Euro. Buchungsunterlagen zufolge sollte das betrogene Unternehmen damit einen angeblichen Lkw bezahlen, der gar nicht existierte. Bei den Taten um den Jahreswechsel 2014/2015 habe die Frau Lücken in den Kontrollen ihrer Firma genutzt, die inzwischen behoben sein sollen.

Der Mann soll das gesamte Geld für seine Zwecke verwendet haben. Womöglich zur Geldwäsche gingen hohe Beträge an einen Düsseldorfer Händler für Luxus-Autos.

Bekannte stellten Kontodaten zu Verfügung

Der Angeklagte habe Bekannte einbezogen, die Kontodaten zur Verfügung stellten. Die soll der Mann an die Firmenangestellte teils per Handy durchgegeben haben. Der Mann wiederum hatte sich vorübergehend darauf berufen, die Frau die Taten allein begangen. Sie habe ihn an sich binden wollen.

Staatsanwalt wollte eine höhere Strafe

Nicht durchsetzen konnte sich die Staatsanwaltschaft, die noch um mehr als ein Jahr höhere Strafe beantragt hatte. Zur Urteilsverkündung erschien eigens zusätzlich die sachbearbeitende Staatsanwältin im Saal. Laut Landgericht ist eine höhere Strafe nicht erforderlich.

Die vorsitzende Richterin Chantal Gehring listete die Gründe auf: Der Mann habe gestanden, das Geld bekommen zu haben. Er habe einen Land-Rover für mehr als 35.000 Euro aus dem Ausland zurück geholt, damit der verkauft werden konnte. Zusätzlich ist Wohneigentum des Angeklagten sichergestellt, Konten sind eingefroren und Lohn gepfändet.

Der Mann hatte den Richterinnen erklärt: „Es tut mir Leid. Ich möchte eine zweite Chance und den Schaden zurückzahlen. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen.“

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