Abzocker

In Velbert sind wieder dubiose Spendensammler unterwegs

Bei Spendensammlern sollten Bürger genau hinschauen - denn es gibt auch Betrüger, die hilfsbereite Menschen abzocken wollen.

Bei Spendensammlern sollten Bürger genau hinschauen - denn es gibt auch Betrüger, die hilfsbereite Menschen abzocken wollen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Velbert.   Polizei und Verbraucherzentrale warnen vor betrügerischen Spendensammlern. Sie geben sich etwa als Taubstumme aus. Noch mehr Maschen existieren.

Die Polizei warnt aus aktuellem Anlass wieder vor falschen Spendensammlern, die in Velbert unterwegs sind und sich als Taubstumme ausgeben. Doch dabei handele es sich um Betrüger, die sich das Geld selbst einsackten, heißt es. Auch die Verbraucherzentrale weist auf manche Abzocker hin, die an Ständen in der Innenstadt Menschen um eine Spende etwa für einen Verein bäten – den Hilfsbereiten aber dann eine teure Mitgliedschaft in einer Organisation unterjubeln würden.

Die Masche der vermeintlich Taubstummen verläuft dabei immer ähnlich: Sie treten an Passanten heran, geben sich als Unterstützer eines Interessensverbandes aus und bitten um eine Spende. Doch: „Es handelt sich in der Regel um Betrüger, die sich auch nicht als Vertreter einer Organisation richtig ausweisen können“, sagt Daniel Uebber, Sprecher der Kreispolizei. Und: „Man sollte grundsätzlich skeptisch sein, wenn man von Fremden angesprochen wird.“

Betrüger wurden am Dienstag in Velberter City gesichtet

Zudem sollten Bürger auf ihre Wertsachen achten. Denn die Betrüger, die vermeintlich auch im Namen von anderen Institutionen anzutreffen seien. könnten die Spendensammlung dafür nutzen, um zu beobachten, wo Menschen ihr Portemonnaie verstaut hätten – und dieses dann entwenden.

Gesichtet wurden die Betrüger unter anderem am Dienstag an mehreren Stellen in der Velberter Innenstadt. Von einer „Welle“ könne man aber nicht sprechen: „Das ist ein Phänomen, das immer wieder in verschiedenen Städten auftritt“, schildert Daniel Uebber. Er rät allen Angesprochenen, sich sofort mit der Polizei unter 110 in Verbindung zu setzen und den Beamten mitzuteilen, wo sich die Abzocker genau aufhielten.

Aus 25-Cent-Spende wurde 99-Euro-Mitgliedschaft

Ebenfalls mit Vorsicht zu genießen sind laut Verbraucherzentrale manche Vereine oder Organisationen, die an einem Infostand auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollen und dabei auch um Spenden werben. Wer Pech hat, kann dabei auf üble Abzocke reinfallen. Wie jüngst eine Velberter Schülerin (20), bei der aus einer 25-Cent-Spende eine Mitgliedschaft für monatlich 99 Euro wurde.

„Es gibt halt solche und solche“, sagt Andreas Adelberger, Leiter der Verbraucherzentrale in Velbert. „Gemeinnützige Vereine wie Unicef sind da ebenso vertreten wie dubiose Organisationen, die kommerzielle Ziele haben.“ Im Fall der Schülerin sei die Frage, ob sie nicht für eine gute Sache 25 Cent spenden wolle, nur der Türöffner gewesen, um ins Gespräch zu kommen – und letztlich ihre Kontodaten und ihre Unterschrift unter dem dubiosen Vertrag zu erhalten.

Keine Kopie des dubiosen Vertrags erhalten

„Sie wollte eigentlich nur etwas spenden, hat aber stattdessen einen Vertrag über eine Mitgliedschaft in einer Flugrettung abgeschlossen“, erzählt Adelberger. Der Fall werde aktuell von der Velberter Verbraucherzentrale bearbeitet. Adelberger ist dabei zuversichtlich, dass die Betroffene den Vertrag widerrufen kann und das abgebuchte Geld zurückbekommt. „Sie hat keine Kopie des Vertrag bekommen, in der sie über ihr Widerrufsrecht belehrt wird. Deshalb können wir den Vertrag rückgängig machen.“

Vor einer solchen Abzocke schützen könne man sich letztlich nur durch eine gehörige Portion Zurückhaltung, sagt Adelberger: „Man sollte sich nicht direkt hinreißen lassen, etwas zu unterschreiben. Ich würde mich bei Interesse erst einmal nur informieren und mir vielleicht einen Flyer mitgeben lassen.“ Dankend ablehnen sollte man, wenn es um eine sofortige Unterschrift gehe. Wer nichts zu verbergen habe, habe auch kein Problem damit, erst einmal nur Informationsmaterial mitzugeben. Adelberger: „Wenn Druck aufgebaut wird, sollte man hingegen vorsichtig sein.“

Ein Spendensiegel bürgt für Seriosität

Unterschreibe man dennoch etwas, sollte man immer auf einer Kopie bestehen. „Und man sollte wissen, dass man ein Widerrufsrecht hat. Solche Verträge werden nämlich genauso behandelt wie beispielsweise ein Vertragsabschluss an der Haustür.“ Vorsicht walten lassen sollte man aber immer, wenn es um eine Fördermitgliedschaft gehe. „Die ist nicht widerrufbar, sondern nur kündbar. Und meist hat man sich da schon für ein Jahr oder länger verpflichtet.“

Wer spenden wolle, könne auch darauf achten, ob eine Organisation über das DZI-Spendensiegel verfüge. „Das belegt auch, dass sie mit dem ihr anvertrauten Geld verantwortungsvoll umgeht.“

>>>HIER GIBT ES EINE SPENDERBERATUNG


  • Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bietet eine Spenderberatung an. Es bewertet unabhängig und kompetent das Geschäftsgebaren von Hilfsorganisationen.

  • Zudem dokumentiert die Beratung rund 1000 Organisationen aus den Bereichen Soziales, Umwelt und Naturschutz, zu denen man in der DZI-Datenbank recherchieren kann.

  • Das DZI-Spendensiegel, das für Seriosität bürgt, tragen zurzeit 230 Organisationen. Info: www.dzi.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben