Hausärztemangel

In Zukunft könnte es zu wenige Hausärzte in Langenberg geben

Auch wenn sein Vorgänger die Praxis mehr als dreißig Jahre geführt hat, fühlt sich Robin van Treeck bisher von den Langenbergern gut angenommen. „Klar sind die Patienten traurig, dass Dr. Eiswirth weg ist, aber sie geben mir trotzdem eine faire Chance.“

Auch wenn sein Vorgänger die Praxis mehr als dreißig Jahre geführt hat, fühlt sich Robin van Treeck bisher von den Langenbergern gut angenommen. „Klar sind die Patienten traurig, dass Dr. Eiswirth weg ist, aber sie geben mir trotzdem eine faire Chance.“

Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Hausärzte gehen in Rente und finden keine Nachfolger. Es gibt auch positive Beispiele: Robin van Treeck hat eine Praxis in Langenberg übernommen.

Er ist angekommen in seiner neuen Praxis. Selbstbewusst sitzt Robin van Treeck in seinem Behandlungszimmer. Im März hat er die Praxis von Günter Eiswirth übernommen. Der Allgemeinmediziner weiß: „Doktor Eiswirth ist sehr froh, dass er jemanden für seine Praxis gefunden hat.“ Denn das ist zurzeit alles andere als selbstverständlich.

In Langenberg sind gerade erst zwei Hausärzte in Rente gegangen und haben keinen Nachfolger für ihre Praxis gefunden. „Die hausärztliche Versorgung von Langenberg würde mittelfristig kritisch werden, wenn dieser Trend sich fortsetzt“, mutmaßt Robin van Treeck. Vier Arztsitze seien in Velbert insgesamt frei. Zum Vergleich: In Essen ist es kein einziger. „Da muss man eben warten, bis ein Arzt in den Ruhestand geht, wenn man eine Praxis eröffnen möchte“, erklärt van Treeck.

Noch liegt der Versorgungsgrad im grünen Bereich

Doch noch könne nicht von einem Hausärztemangel gesprochen werden, so Christopher Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Der statistische Versorgungsgrad liegt in Velbert derzeit noch bei 102 Prozent“, weiß er. Dieser Grad setzt sich zusammen aus der Anzahl der Hausärzte – die momentan bei rund 50 in Velbert liegt – und der Anzahl der Bewohner. Von einer Unterversorgung spreche man erst ab 75 Prozent.

Trotzdem kann Christopher Schneider die Sorge des jungen Hausarztes van Treeck nachvollziehen. „Wir sehen durchaus das Problem des Nachwuchsmangels vor allem im Bereich der Hausarztpraxen.“ Denn jeder dritte Hausarzt in Deutschland sei über 60. „Wenn man da die nächsten 15 Jahre betrachtet, kann man sich vorstellen, dass die ärztliche Versorgung dünn werden könnte.“

Förderprogramme bei Niederlassung von Hausärzten

Robin van Treeck sieht als Ursache für diesen Trend zum einen die Tatsache, dass es die Menschen – sowohl Ärzte als auch Patienten – eher in die Ballungsräume ziehe: „Ärztemangel ist ein Phänomen in ländlichen Gebieten“, sagt der Mediziner. Außerdem gingen nicht alle angehenden Ärzte nach ihrem Studium in die versorgende Medizin. „Viele bleiben auch in der Forschung“, erklärt Robin van Treeck.

Doch es gibt auch Lösungsansätze. „Die Politik hat das Problem erkannt“, sagt Christopher Schneider. Es gebe zum Beispiel Förderprogramme vom Land NRW, bei dem Praxisübernahmen oder -gründungen mit einem Betrag von 50.000 Euro unterstützt würden. Auch die KBV selbst stellt für hausärztliche Niederlassungen Finanzmittel zur Verfügung. „Das gilt allerdings nur in Regionen, in denen der Versorgungsgrad niedrig ist“, sagt Schneider.

Besserer Austausch der Langenberger Hausärzte

Um dem Problem des Nachwuchsmangels entgegenzuwirken, müssten außerdem die Ausbildungskapazitäten erhöht werden, so Christopher Schneider. „Dafür gibt es bald zum Beispiel eine neue Fakultät in Bielefeld“, erklärt der Pressesprecher.

Um das Problem konkret in Langenberg anzugehen, hat Robin van Treeck sich vorgenommen, mit den anderen Hausärzten des Stadtteils an einem besseren Austausch untereinander zu arbeiten. „So können wir sicherstellen, dass immer mindestens zwei Hausärzte anwesend sind und uns auch gegenseitig Tipps geben.“ Denn auch wenn der drohende Hausärztemangel für ihn ein hohes Arbeitspensum bedeuten würde, ist Robin van Treeck sich sicher: „Es gibt keinen besseren Beruf, als Arzt zu sein!“

>> ZIVILDIENST ALS AUSLÖSER FÜR DAS MEDIZINSTUDIUM

  • Nach seinem Abitur hat Robin van Treeck seinen Zivildienst in der mobilen Altenpflege gemacht und danach eine Krankenpflegerausbildung begonnen. Im praktischen Jahr des Medizinstudiums habe sich dann herausgestellt, dass er sich auf die innere Medizin spezialisieren wollte.
  • Bevor er die Praxis von Dr. Eiswirth übernommen hat, hat Robin van Treeck zwei Jahre lang in einer Praxis in Essen-Werden gearbeitet. „Das Beste an dem Job ist, dass ich die Patienten in der langen Arbeit mit ihnen wirklich kennenlernen kann.“

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