Gastronomie

Kochkunst in Neviges beeindruckt den Kaffeekönig

Sind seit Jahrzehnten gut befreundet: Albert Darboven (li.) und Senior-Chef Walter Stemberg im angeregten Gespräch. Währenddessen zauberte Sternekoch Sascha Stemberg ein raffiniertes Kaffee-Menü.

Sind seit Jahrzehnten gut befreundet: Albert Darboven (li.) und Senior-Chef Walter Stemberg im angeregten Gespräch. Währenddessen zauberte Sternekoch Sascha Stemberg ein raffiniertes Kaffee-Menü.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Neviges.  Albert Darboven, Chef des Hamburger Kaffee-Imperiums, besuchte das Sternerestaurant Haus Stemberg. Die Gäste hörten ein Stück Kulturgeschichte.

Nein, das Bergische Land kenne er kaum, gesteht Albert Darboven (83), Chef des Hamburger Kaffee-Imperiums. „Ich war wohl früher oft in Düsseldorf zum Polospielen.“ Zumindest Neviges wird der Unternehmer, der weltweit in den ersten Häusern am Platz verkehrt, in bester Erinnerung behalten: „Ich habe selten so gut gegessen. Danke, dass ich meine Beine hier unter Ihren Tisch stellen durfte.“ Seit Generationen sind die Familien Stemberg und Darboven verbunden. „Ich kann mich nicht erinnern, dass bei uns je ein anderer Kaffee bezogen wurde“, erklärt Senior-Chef Walter Stemberg. Beide Häuser haben eine über 150 Jahre alte Tradition. Auch das ein Anlass für die Familie Stemberg, zu einer Tafel der besonderen Art einzuladen: Sterneküche trifft Kaffeekultur.

Als Zwölfjähriger in die Fabrik gelaufen

„Ich trinke keinen Kaffee, umso größer ist der Anspruch, ein Kaffee-Menü auf die Beine zu stellen“, sagt Sascha Stemberg, bevor er loslegt. Bei jedem Gang spielt die schwarze Bohne eine Rolle: Mal als kaum wahrnehmbarer Hauch, mal kräftig aromatisch. Dazu unterhaltsam die Anekdoten des Kaffeekönigs. „Ich hab mich schon als Zwölfjähriger für die Röstmaschinen interessiert.“ Seine erste Tasse Bohnenkaffee, „ganz offiziell“, habe er bei seiner Konfirmation getrunken. Dazu Walter Stemberg vergnügt: „Auf der Konfirmation, da habe ich meine erste Zigarre geraucht. Mein Vater ließ mich gewähren. Danach war mir dermaßen schlecht, nie wieder.“

Fair Trade ist ein Steckenpferd

Albert Darboven lächelt und erzählt weiter. Für die Rösterei Rothfos – hier lernte er sein Handwerk, bevor er 1960 in die Firma der Familie einstieg – habe er von 1956 bis 1960 in Kaffee-Ursprungsländern gearbeitet: „Erst viele Jahre später hat man erkannt, dass man die kleinen Bauern unterstützen muss. Wir als Industrienation müssen helfen.“ Fair Trade, das sei „sein Steckenpferd“, sagt er begeistert: „Man müsste die Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee herunterzusetzen. Aber da hängt zu viel dran, die Kaffeesteuer bringt der Bundesrepublik eine Milliarde Euro.“

Jeden Morgen Kaffeeprobe

Brasilien sei heutzutage das Hauptanbauland, gefolgt von Vietnam, Honduras und Kolumbien. In 800 bis 1000 Metern Höhe gedeiht die Pflanze. Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, spürte er auch in der Heimat und ist dankbar dafür. „Ich hab’ 1955 im Hafen noch Säcke geschleppt, als spindeldürrer Kerl, hatte immer engen Kontakt zu den Arbeitern. Heute gehen 90 Prozent über Container. Der Containerhafen ist eine Geisterstadt, da sehen Sie kaum jemanden mehr.“ Noch immer kontrolliert der 83-Jährige täglich seine Ware: „Jeden Morgen um 9.30 Uhr testen wir etwa 50 verschiedene Mischungen aus der Produktion des Vortages. Meine Jungs dürfen da auch zwei Stunden vorher nicht rauchen.“ Probieren, ausspucken – wie bei einer Weinprobe.

Keine Sympathie für Kapseln

Beim Thema Kaffee-Kapseln winkt Albert Darboven ab: „Pads ja, aber keine Kapseln. Das ist Aluminium, und dann kommt da 90 Grad heißes Wasser in Ihre Tasse. Diese Kapseln sind auch schlecht für die Umwelt.“ Das große Lob des Kaffeekönigs am Ende des Abends für „den Künstler in der Küche“ wehrte Sascha Stemberg gleich ab: „Nicht ich. Das war mein Team.“ Auch Westfalen können hanseatisch zurückhaltend sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben