Integration

Kreis Mettmann: Immer mehr Flüchtlinge finden Jobs

Yvonne Heckmann, Dietrich Pape und Caroline Kleine-Benne (v. li.) schildern die Entwicklung bei der Integration im Kreis Mettmann und ziehen Zwischenbilanz.

Yvonne Heckmann, Dietrich Pape und Caroline Kleine-Benne (v. li.) schildern die Entwicklung bei der Integration im Kreis Mettmann und ziehen Zwischenbilanz.

Foto: Agentur für Arbeit

Kreis Mettmann.  Die Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung macht im Kreis Mettmann von Jahr für Jahr Fortschritte. Es gibt aber auch Handicaps.

Wie ist es aktuell, mehr als drei Jahre nach dem Beginn des großen Flüchtlingszustroms im Sommer 2015, um die Integration von Flüchtlingen im Neanderland bestellt? „Wir übertreffen auch in diesem Jahr das, was wir uns vorgenommen haben, in Ausbildung zu bekommen und auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen“, sagt Caroline Kleine-Benne. „Wir können grundsätzlich sehr positiv über unsere Erfolge sprechen.“

Mitarbeiter kümmern sich um 40 Nationalitäten

Kleine-Benne ist Bereichsleiterin beim „Integration Point“. Der ist der Dreh- und Angelpunkt überhaupt bei diesem Thema. Er wird gemeinsam vom Jobcenter „ME-aktiv“, zu dem sie gehört, und von der Arbeitsagentur Mettmann getragen. Die Kunden sind Iraner, Iraker, Afghanen und Türken und „und andere kommen praktisch aus ganz Schwarzafrika“, zählt Dietrich Pape (Agentur) auf. „Wir betreuen 40 Nationalitäten“, so der Teamleiter. Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea hätten besondere Rechte, weil ihre Heimat in beiden Fällen nicht als sicheres Herkunftsland gelte. Sie bekämen sofort Sprachkurse und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Man könne z. B. Fahrtkosten finanzieren, die Teilnahme an Fortbildungen und auch Arbeitgeber fördern. „Im Grunde können wir die ganze Palette machen“, fügt Pape hinzu, „die wir auch für die deutschen Staatsbürger haben.“

Zahlen sind besser als in 2018

Im Bereich des Jobcenters ist in diesem Geschäftsjahr bis Oktober „jeder vierte Geflüchtete in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis“ gebracht worden. Das sind Caroline Kleine-Benne zufolge 73 mehr als in 2018 und insgesamt 790 Menschen. Von diesen wiederum hätten 14 Prozent einen Ausbildungsplatz gefunden.

Arbeit steht ganz obenan

„Wir arbeiten meistens mit hoch motivierten Menschen zusammen, die hier auch ihren Beitrag leisten wollen“, betont Yvonne Heckmann, „die wollen nichts abgreifen, sondern möchten selbst ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Familien ernähren.“ Sie nutzten gerne die zur Verfügung stehenden Angebote, so die Teamleiterin („ME“-aktiv), Arbeit stehe bei ihnen ganz obenan.

Auch Geduldete bekommen jetzt Sprachen-Angebote

Im Agentur-Bereich sind heuer bislang „rund 100“ in sozialversicherungspflichtigen Jobs untergekommen, weitere 40 begannen eine Ausbildung. „Das läuft bei uns ganz gut“, meint Dietrich Pape. „Wir nehmen uns

jedes Jahr ein dreistelliges Ziel vor, das haben wir immer geschafft.“ Seit August könne man infolge eines neuen Gesetzes nunmehr auch Geduldete flächendeckend mit Sprache versorgen. Das seien im Prinzip Ausreisepflichtige, bei denen der Vollzug jedoch aus unterschiedlichen Gründen ausgesetzt sei. „Zuvor mussten wir 1000 Umwege gehen, um was für diese Menschen tun zu können.“

„Integration Point“ erweitert in Kürze seinen Kundenkreis

Es gebe kreisweit rund 3000 Geduldete. „800 davon kennen wir nicht“, berichtet Pape weiter. „Die müssen sich ja nicht bei der Arbeitsagentur melden. Viele scheuen auch den Gang zu Behörden, weil sie in ihrer Heimat so ihre Erfahrungen gemacht haben.“ Der Kundenkreis vom „Integration Point“ wird ab Januar auf alle erweitert, die „Sprachbedarf haben und intensive Betreuung“ brauchen. „Wir versuchen das Thema Migration mit Asylflucht zusammenzubringen“, so Pape, „weil Sprache das Haupt-Hindernis ist.“

Häufig geht’s um Schichtdienst und Helferjobs

Nach übereinstimmender Auskunft der drei Experten finden Flüchtlinge vor allem Jobs in den Branchen Lager, Transport, Verkehr und Gastronomie sowie in Reinigungsberufen. Es handele sich häufig um Schichtdienst und Helferjobs: „Sie müssen ja meistens Geld nach Hause schicken, das dürfen wir nicht vergessen.“ Allerdings: Jobcenter und Agentur erreichen nicht alle. Woran es hapert? Ein häufiges Manko sei die fehlende Qualifikation, wird berichtet – aber auch zu bedenken gegeben: „Das Nachholen eines Abschlusses oder ein Schulbesuch in fremder Sprache ist eben mindestens doppelt so schwer.“

Prüfung bestanden und sofort erste Schicht gefahren

Aber es gibt auch die Bilderbuch-Beispiele. So schildert Caroline Kleine-Benne den Weg zweier Flüchtlinge, beide so Mitte 30, die man „eng begleitet“ habe mit Anbindung an eine Fahrschule. Freitags hätten beide ihre Prüfung bestanden und gleich am Montag darauf ihre erste Schicht als Festangestellte bei der Rheinbahn gefahren. „Das macht richtig Spaß.“ Genau wie zwei Web-Designer, die aus sage und schreibe 51 Job-Angeboten auswählen konnten. „Wir freuen uns auf Arbeitgeber, die auf uns zukommen und Leute suchen“, sagt Yvonne Heckmann, „wir haben nämlich noch Potenzial.“

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