Geburtstag

Langenberger Willi Osten feierte 90. Geburtstag

Ein Idyll ist der Hof Wewerbeeck etwas abseits der Wilhelmshöher Straße. Willi Osten führte den Betrieb von 1971 bis zur Rente in den 1990ern. Inzwischen ist sein Großneffe am Ruder – damit ist mittlerweile die elfte Familiengeneration für Wohl und Wehe des Hofes verantwortlich.

Ein Idyll ist der Hof Wewerbeeck etwas abseits der Wilhelmshöher Straße. Willi Osten führte den Betrieb von 1971 bis zur Rente in den 1990ern. Inzwischen ist sein Großneffe am Ruder – damit ist mittlerweile die elfte Familiengeneration für Wohl und Wehe des Hofes verantwortlich.

Foto: Sascha Döring

Langenberg.   Gut 300 Jahre gehört der Hof an der Wilhelmshöher Straße in Langenberg der Familie Osten. Landwirt Willi Osten feierte nun seinen 90. Geburtstag.

Willi Osten lächelt, als er den Blick über den Hof schweifen lässt – und er hat allen Grund dazu. Idyllisch schmiegen sich die Gebäude in die Senke zwischen der Wilhelmshöher Straße und den gegenüberliegenden Hügeln. Schafe grasen friedlich vor sich hin, Vögel zwitschern.

Osten hat in dieser Woche seinen 90. Geburtstag gefeiert, den Hof führt er schon länger nicht mehr. Das hat zunächst seine Nichte, dann der Großneffe übernommen. „In elfter Generation“, sagt der Landwirt und ein wenig Stolz schwingt in der Stimme mit. Seit mehr als 300 Jahren gehöre der Hof der Familie. „Um das Jahr 1800 herum gehörten rund 50 Hektar zum Betrieb“, berichtet der Jubilar aus der Geschichte des Ackerguts Wewerbeeck. „Heute sind es noch ungefähr 20.“

1970 den Hof übernommen

1970 hatte Willi Osten den Hof von seinem Vater übernommen, „aber mitgearbeitet habe ich eigentlich schon viel länger“, erinnert er sich. „Mit zwölf habe ich schon vor der Schule ein oder zwei Stunden die Wiese gemäht. Das würde ja heute keiner mehr machen.“ Die Jungbauern hätten es, was die körperliche Arbeit anbelange, „viel einfacher als wir“, ist Osten überzeugt. „Dafür ist die Bürokratie fürchterlich geworden.“

Mit Glück um den Kriegsdienst herum gekommen

Die Kindheit sei für ihn nicht leicht gewesen, nur mit Glück habe er nicht mehr am Zweiten Weltkrieg teilnehmen müssen. „Ich war noch zur Musterung, da war ich 15. Aber zwei Wochen später war der Krieg vorbei.“ Die Pferde, die es auf dem Hof einst gegeben hatte, „haben die uns im Krieg weggenommen. Eine Nachzucht war leider nicht möglich“, erzählt Willi Osten. Stattdessen habe er nach 1945 eine Zeit lang mit Ochsen gearbeitet. „Der Osten mit dem Ochsen“, sagt er und lacht herzhaft.

Und hat eine Anekdote bereit: Die drei Ochsen holte er damals nämlich zu Fuß ab – aus Solingen. Fünf Stunden habe er gebraucht, „wir sind zügig gegangen“. Am heutigen Spargelhof Kuhlendahl habe ihn dann „der alte Wiemer begrüßt“, erinnert sich Willi Osten: „Kiekens, da kommen die vier Ochsen.“ Er habe dann erstmal gerastet und sei danach weitergezogen. „Heute geht das ja gar nicht mehr.“

1983 zündeten Unbekannte einen Stall an

Dann macht er einen Zeitsprung, zeigt auf einen Teil des Geländes neben den Wohngebäuden. 1983, „am 11. Januar“, haben Unbekannte eine Scheune und einen Stall angezündet. „24 Kühe sind verbrannt, die Täter sind bis heute nicht gefasst worden“, blickt der 90-Jährige zurück. Schon im Februar durfte neu gebaut werden, „mit viel Hilfe aus der Nachbarschaft und von meinem Bruder“, berichtet Willi Osten. „Wir haben nur die Konstruktion hinstellen lassen, der Rest war Eigenarbeit.“ Bis zu 18 Stunden wurde „geplockert“.

„Das alles hätte ich nicht ohne meine Frau geschafft“, sagt Willi Osten. Dabei werden seine Augen feucht, seit zehn Jahren ist seine Frau bereits tot. Kennengelernt hatten sich die beiden in Frankfurt, da hatte die Herzdame bereits eine Odyssee hinter sich: Aus Hinterpommern floh sie über die Ostsee vor den anrückenden Russen, kurz vor dem Mauerbau schließlich über die grüne Grenze in den Westen. „Sie kam auch vom Hof“, erzählt Willi Osten.

Gefeiert hat der nun 90-Jährige seinen Geburtstag an der Wilhelmshöhe – mit mehr als 70 Gästen. „Ja, war schön“, sagt er und lächelt. Und möchte sich bei seinen insgesamt 28 Nachbarn bedanken: „Das Verhältnis ist gut, wir können über alles reden. Das ist mir wichtig“, sagt er. Und trotz einiger gesundheitlicher Probleme in der Vergangenheit fühlt er sich aktuell ganz gut. „Ich habe gestern Abend noch einen Schnaps getrunken“, sagt er verschmitzt lachend. „Noch Fragen?“

>> DREI MAL BIS MOSKAU UND ZURÜCK

  • Manchmal, sagt Willi Osten, vermisse er die Arbeit von früher. „Ich bin zu Fuß hinter dem Pflug her, da kommen pro Tag bestimmt so 20 oder 30 Kilometer zusammen“, erzählt der 90-Jährige. In seinem Arbeitsleben sei so locker eine Strecke „drei Mal nach Moskau und wieder zurück“ zusammen gekommen.
  • Im Allgemeinen habe er seine Arbeit auch immer mit Freuden erledigt. „Ich bin nie mit ‘nem dicken Kopp raus gegangen“, sagt er.

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