Fachwerkbau

Liebhaber hat ehemaligen Gasthof Nierenhof übernommen

Bodo Hartmann (60) erläutert, wie er und seine Familie das alte Gemäuer wieder herstellen wollen.

Bodo Hartmann (60) erläutert, wie er und seine Familie das alte Gemäuer wieder herstellen wollen.

Foto: Biene Hagel / Funke Foto Services

Langenberg.  Familie Hartmann hat den Gasthof Nierenhof gekauft und baut die ehemalige Gaststätte zum Mehrgenerationenhaus um – überwiegend in Eigenarbeit.

Im Jahre 1757 kaufte der Kaufmann Johann Peter Bachmann aus Langenberg den Landbesitz, der zum ehemaligen Gut Nierenhof gehörte, und errichtete darauf an der Hauptstraße umfangreiche Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Aus April 1878 stammen Kopien von Anträgen auf Umbauten, die schon damals auf den Betrieb eine Gasthofes schließen lassen. Der Gasthof Nierenhof schloss 2014 und das Haus fand im März 2018 neue Besitzer: Familie Karin und Bodo Hartmann.

Als Familie werden sie mit den erwachsenen Kindern und deren Partnern irgendwann die kompletten rund 280 Quadratmeter bewohnen. Seit Weihnachten letzten Jahres haben sie genau vier Schlafzimmer in der ersten Etage bezogen und nutzen den alten Gastraum nebst Theke als Gemeinschaftsraum und Küche. Irgendwann bedeutet: vielleicht in vier bis fünf Jahren, schätzt der neue Hauseigentümer. Die Hartmanns sind aus Wülfrath hergezogen und verlieben sich immer mehr in das Haus. Sie wollen es in seiner alten Bausubstanz erhalten, was sehr viel Arbeit bedeutet.

Nur statisch Wichtiges wird vom Fachmann erledigt

Sohn Marvin hat sich als talentierter Maurer herausgestellt, Mutter Karin kann bestens Wände verputzen. Nur statisch wichtige Reparaturen lassen sie von einem Fachmann durchführen: Von Holz- und Lehmbauer Arne Bergmann, der der Familie schon viele wertvolle Tipps gegeben hat, gerade bei den Arbeiten, die sie selbst übernehmen können.

Marode Balken, für deren Austausch das Haus abgestützt werden muss, wechselt der Fachmann. So auch im nächsten Monat, wenn die Giebelseite im Norden des Hauses repariert wird. Derzeit ist die provisorisch eingesetzte Spanplatte gut sichtbar.

Zu Weihnachten die Küche nutzen

Bodo Hartmann erzählt: „Die Küche soll bis Ende des Jahres nutzbar sein.“ - „Fertig?“, Sohn Marvin lacht und der Vater fällt mit ein. Dennoch, zu Weihnachten 2019 hofft die Familie, die neue Küche nutzen zu können. Diese wird an gleicher Stelle wieder eingerichtet, wo sich auch die Küche der ehemaligen Gastronomie befand. Für die derzeit sechsköpfige Familienwohngemeinschaft hat sie dann gerade die richtige Größe.

In dem alten Fachwerkhaus werden nur Naturmaterialien verbaut und es wird so viel wie möglich wieder eingebaut, was vielleicht an andere Stelle ausgebaut wurde. Obwohl das Haus kein eingetragenes Denkmal ist, wird es von den Hartmanns so behandelt: „Unser Wunsch ist es, möglichst viel zu erhalten.“ Oder wieder zu entdecken, wie in der ersten Etage die tollen hohen Decken, die zuvor nicht sichtbar waren.

Es soll einen zweiten Gewölbekeller geben

„Wir wussten gar nicht, was wir da kaufen“, so Hartmann. Weder was die Geschichte des Hauses angeht, noch was sie nach und nach alles entdecken. „Es soll einen zweiten Gewölbekeller geben“, erzählt der Wahl-Nierenhofer. Bislang habe er den Zugang dazu nicht gefunden.

Dafür aber viele Bauschäden, die in den 1960/70er Jahren, für diese Zeit typische Schäden, entstanden sind. Auch eine Kegelbahn kann die Familie ihr Eigen nennen. „Ohne die Kinder hätten wir es es nicht gemacht“, darin ist sich das Ehepaar Hartmann einig. Vor allem die Söhne können tatkräftig zupacken.

Über alte Fotos und Infos würde sich der Ingenieur für Sicherheitstechnik freuen, gern per Email an bodohartmann@web.de. „Irgendwann soll es auch mal ein Nachbarschaftshoffest geben“, bis dahin kann aber noch Zeit ins Land ziehen.

„Toll wäre es, wenn das Haus in fünf Jahren zumindest innen vorzeigbar und fertig wäre“, wünschen sich die Hartmanns. Aus dem Mehrgenerationenhaus ist zunächst ein Mehrgenerationenprojekt geworden.

Pächterfamilie Juds rettete Gebäude vor dem Abriss

1989 kaufte das damalige Pächterehepaar Karin und Ingo Juds den Gasthof Nierenhof mit angrenzendem Saal und Scheune und rettete es damit vor dem Abriss. Mit dem Saal des Traditionshauses verbinden viele Nierenhofer Erinnerungen. Im großen Saal probten die Nierenhofer Chöre regelmäßig und auch gefeiert wurde dort ausgiebig. Den Saal, der Ende des 19. Jahrhunderts entstand, gibt es nicht mehr, er musste wegen Brandschutzmängeln geschlossen und nach rund hundert Jahren abgerissen werden.

Anfang des 20. Jahrhunderts erst wurde die für das Haus auf Postkarten so typische Veranda im Norden des Hauses gebaut und später für die Erweiterung der wichtigen Verkehrskreuzung Essen-Kupferdreh/Hattingen/Velbert-Langenberg wieder abgerissen. Ein großer, üppiger Biergarten wich ebenfalls der Vergrößerung des Kreuzungsbereichs.

Bürger leisten Widerstand gegen Abrisspläne

Als es vor sechs Jahren hieß, das Gasthaus solle einer Wohnhausbebauung weichen, regte sich starker Widerstand, obwohl das Haus nicht unter Denkmalschutz stand und laut dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege auch nicht schützenswert war. Dem erheblichen Widerstand einiger Bürger wurde schließlich mit einer Veränderungssperre durch die Stadt Velbert nachgegeben.

In dieser Zeit entstand auch das Gerücht, dass sich der Gasthof auf einem ehemaligen Rittergut befinden sollte. Nach eingehender Untersuchung konnte dies aber nicht bestätigt werden. Architekt Josef Johannes Niedworok, der sich viel mit der Bausubstanz und der Geschichte des Gasthofs Nierenhof beschäftigt hatte, freut sich, dass das Gebäude nun jemanden gefunden hat, der es wertschätzt und erhält.

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