Fliegerei

Piloten aus Velbert werben mit Erklär-Videos für ihr Hobby

Timo Höhne (links) und Jan van Bergen sind „Top Gans“: Maskottchen Hilde ist nicht nur beim Fliegen dabei, sondern auch im Logo der beiden.

Timo Höhne (links) und Jan van Bergen sind „Top Gans“: Maskottchen Hilde ist nicht nur beim Fliegen dabei, sondern auch im Logo der beiden.

Foto: Timo Höhne, Jan van Bergen / Top Gans

Velbert/Hattingen.  Ein Velberter und ein Hattinger wollen mit Erklär-Videos bei Youtube Interesse für die Fliegerei wecken: nicht bierernst, dennoch seriös.

Langsam entschwebt der Boden unter den Rädern der Propellermaschine, die Häuser werden schnell kleiner. Sonne spiegelt sich in Wasserflächen, ab und an gibt es einen Blick ins Cockpit auf Jan van Bergen. Der Hattinger ist begeisterter Flieger, ebenso der Velberter Timo Höhne. Gemeinsam nennen sich die beiden „Top Gans“ – eine Anspielung auf den 80er-Jahre Blockbuster „Top Guns“ mit Tom Cruise und auf ihr Maskottchen, die Gans Hilde. Das Federvieh ziert auch das Logo der beiden, die nicht einfach nur fliegen wollen.

Flugzeug mit Kameras ausgestattet

„Wenn man bei Youtube schaut gibt es einfach viel zu wenig Videos und Kanäle, die die Fliegerei so zeigen, wie sie wirklich ist“, sagt Timo Höhne. Der 34-Jährige arbeitet im Vertrieb und ist gerade dabei, die Privatpilotenlizenz (PPL) zu machen. „Das wollen wir anders machen.“ Deshalb haben die beiden zunächst einmal das Flugzeug mit Kameras ausgestattet.

„Wir wollen Leute, die sich für unser Hobby interessieren dazu ermutigen, auch zu fliegen“, sagt Höhne. Das heißt: Es sollen nicht nur Videos mit schönen Luftbildern entstehen, „wir wollen auch nicht erzählen, das Flughafen xy die beste Currywurst anbietet“, fügt Jan van Bergen an. Nein, die Videos der beiden sollen den Flugalltag zeigen und erläutern.

Erklär-Videos mit einer Prise Humor

„Dazu gehört die Vorbereitung, also die Flugplanung, die Spritberechnung, die Bestimmung der Flughöhe und solche Sachen“, erläutert van Bergen. Der 30-Jährige ist schon einen Schritt weiter als sein Velberter Mitflieger, er bereitet sich auf die Airline Transport Pilot Licence (ATPL) vor. Die was? „Das ist die große Lizenz. Damit darf man alles fliegen – außer Kampfjets“, sagt der Hattinger und lacht.

Während des Fluges wollen die beiden dann auch zeigen, wie Piloten korrekt funken, wie mit Lotsen kommuniziert werden sollte. „Das Ganze aber jetzt nicht oberlehrerhaft“, sagt Timo Höhne. „Wir können uns auch ganz gut selbst auf die Schippe nehmen.“

Finanzierung lässt sich planen

Erläutern wollen Timo Höhne und Jan van Bergen auch viele Themen rund um die Fliegerei – etwa, was die Ausbildung kostet: „Billig ist das nicht, aber man muss auch nicht unbedingt reich sein“, sagt Timo Höhne. „Wenn man richtig plant, sind die Lizenzen bezahlbar.“ So kostet die Sportpilotenlizenz – „der Rollerführerschein unter den Pilotenlizenzen“, so nennt es Jan van Bergen – etwa 7000 Euro, die PPL um die 13.000 Euro. „Letztere ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Ausbildungen“, erläutern die beiden.

Kleine Flugplätze werden immer weniger

Neben den, ihrer Meinung nach, fehlenden ernsthaften Fliegervideos im Netz beschäftigt Timo Höhne und Jan van Bergen auch noch etwas anderes: „Vereine und Flugschulen werden weniger, auch kleinere Flugplätze schließen.“ Momentan gebe es etwa wieder Diskussionen um den Platz Mülheim/Essen. „Da schwinden die Chancen, Fliegerei zum Anfassen zu erleben“, bedauern die beiden. „Umso mehr gute Videos es also gibt, desto besser ist das für die Community“, sind die „Top Gans“ überzeugt.

Ihren Heimatflughafen haben die beiden in Marl. „Zum einen hatten die einen Hangar frei“, sagt Jan van Bergen, zum anderen wäre es für ihn und Timo Höhne „eine verkehrstechnische Katastrophe“ zu dem anderen nahe gelegenen Flugplatz zu kommen: Der liegt nämlich bei Meinerzhagen.

Material bearbeiten die beiden selber

Das Material der Kameras bearbeitet am Ende Jan van Bergen – zumindest die bewegten Bilder. Um die Fotos kümmert sich Timo Höhne, der mit seiner aktuellen Lizenz lediglich Platzrunden fliegen darf und daher bei den längeren Ausflügen auf dem Nebensitz Platz nimmt. „Das ist halt praktisch, dass ich die Fotos mache“, sagt er lachend „ich habe ja beide Hände frei.“

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