Schule

Sally gehört jetzt zum Velberter Förderzentrum Nord

Sally im Kreis der Klasse „O5“. Dank einer Spende des Vereins für Velberter Kinder – hier vertreten durch Vera Kowalczik (l) und Elke Grünendahl – gibt es nun eine professionelle Ausbildung für den Vierbeiner.

Sally im Kreis der Klasse „O5“. Dank einer Spende des Vereins für Velberter Kinder – hier vertreten durch Vera Kowalczik (l) und Elke Grünendahl – gibt es nun eine professionelle Ausbildung für den Vierbeiner.

Foto: Sascha Döring

Velbert-Mitte.  Dank einer Spende des Vereins für Velberter Kinder kann der Hund professionell ausgebildet werden. Die Erfahrungen sind bislang durchweg positiv.

„Bleib!“ Die Ansage des Teenagers ist kurz und knapp, aber Sally gehorcht. Noch einmal: „Bleib!“, dann entfernt sich der Junge. Nach einigen Metern dreht er sich um und ruft die junge Hündin. Die springt auf, läuft los und wird mit einem Leckerchen belohnt.

Sally ist der neue Star am Förderzentrum Nord. Der Vierbeiner gehört Sonderpädagogin Katja Schröer und wird aktuell ausgebildet, um die Kinder im Unterricht begleiten zu dürfen. Dass diese Ausbildung überhaupt möglich ist, ist einer Spende des Vereins für Velberter Kinder zu verdanken. 1500 Euro kostet die Ausbildung, genauso viel hat der Verein zur Verfügung gestellt.

Ein Hundetrainer empfahl Frauchen Katja Schröer die Ausbildung

Sally stammt aus den Karpaten, aus Rumänien. Sie war ein halbes Jahr alt, als sie in den Haushalt von Katja Schröer kam. „Zu der Zeit habe ich mit meinem anderen Hund mit einem Trainer zusammengearbeitet“, berichtet die Pädagogin. Und der Trainer sei von Sally total begeistert gewesen. „Er hat vorgeschlagen, dass ich sie ausbilden lasse. Sie sei sehr sozial, das würde doch in die Schule passen.“

Nach einem Probetag am Förderzentrum und einigen Diskussionen mit der Familie war die Lehrerin überzeugt: „Für ein Bio-Projekt habe ich Sally mitgenommen, und die Schüler waren total happy. Die wollten, dass sie immer mitkommt.“ Das habe den Ausschlag gegeben. „Wir wollten dann aber alles richtig machen, deswegen sollte Sally ausgebildet werden.“

Die Kinder haben „ihren“ Hund ins Herz geschlossen

Das übernimmt nun Marc Engelhardt von der Hundeschule Dogschool.training, die Hälfte der einjährigen Ausbildung hat Sally schon geschafft. An zwei Tagen in der Woche ist sie an der Schule an der Hans-Böckler-Straße, meistens in der gleichen Klasse – der „O5“. Klassenlehrer ist Klemens Bastian, der gemeinsam mit Katja Schröer und Sally die Ausbildung durchläuft.

Die Schüler haben „ihren“ Hund schon längst ins Herz geschlossen. Sie haben den Vierbeiner sehr genau kennen gelernt und klare Regeln für den Umgang aufgestellt: „Nicht zu laut sein und nicht anfassen, wenn sie in ihrem Körbchen liegt“, fangen die Jungen an aufzuzählen. „Das ist nämlich ihr Privatbereich.“ Den sucht sie meistens dann auf, wenn der Unterricht losgeht. „Sie schläft dann meist ein“, sagt Lehrer Klemens Bastian, „ich weiß nicht, ob das ein gutes Zeichen ist“, scherzt der Pädagoge.

Klare Regeln für den Umgang mit Sally

Doch auch außerhalb des Klassenzimmers ist nicht alles erlaubt: „Im Treppenhaus muss man den Hund ignorieren“, erläutern die Schüler. Denn dort herrsche viel Trubel, es sei laut. „Das würde Sally sonst irritieren“, ergänzt Katja Schröer.

Doch was macht so ein Hund überhaupt im Unterricht? „Sally merkt, wenn ich angespannt bin“, sagt ein Junge. „Dann kommt sie zu mir, ich kann sie streicheln. Das entspannt mich.“ Einem anderen Jungen vermittelt der Umgang mit der Hündin Selbstbewusstsein: „Er kennt sie schon länger und hat eine enge Bindung zu ihr aufgebaut“, erläutert Pädagogin Katja Schröer.

Kinder profitieren enorm von Sallys Anwesenheit

So habe er Sally das Kommando „Sitz“ beigebracht, übe mit ihr auch auf dem Außengelände. „Jedes Kind hier weiß: Das ist der Junge, der sich um Sally kümmert. Das gibt ihm einen ganz anderen Stand und ist gut für sein Selbstbewusstsein.“

Was die Schüler im Umgang mit der jungen Hündin auch lernen: „Darauf zu achten, was andere für Bedürfnisse haben“, sagt Katja Schröer. Denn wenn Sally etwas nicht mag, zeigt sie das auch. „Aber das funktioniert gut. Die Kinder kontrollieren sich inzwischen auch gegenseitig.“

Und Sally? Die ist auf Rundgang im Klassenzimmer, schnuppert hier, schnuppert da und lässt sich sanft den Kopf kraulen. „Sie riecht gern an den Butterbrotdosen“, sagt einer der Schüler. Zu viele Leckerchen soll sie auch nicht bekommen, damit sie nicht dick wird. Obwohl: „Sally ist ein Mädchen“, stellt der Junge fest. „Die wird nicht dick.“

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