Kabarett

Uli Masuth lasst sein Publikum über vieles Nachdenken

Der Kabarettist Uli Masuth bestach sein Publikum in Langenberg mit viel Ironie, leisen Tönen und Pointen, über die die Zuschauer erst nachdenken mussten.

Der Kabarettist Uli Masuth bestach sein Publikum in Langenberg mit viel Ironie, leisen Tönen und Pointen, über die die Zuschauer erst nachdenken mussten.

Foto: Uwe Möller

Langenberg.  Sehr aktuell präsentierte sich Uli Masuth mit seinem Kabarettprogramm „Mein Leben als Ich“ in Langenberg. Die Pointen erforderten Nachdenken.

Der Kabarettist Uli Masuth hatte gehofft, in Langenberg verkünden zu können, „dass es vollbracht ist.“ Doch das britische Parlament tat ihm diesen Gefallen nicht. „Ich schlage zum Brexit vor, dass alle anderen Länder aus der EU austreten.“ Sehr aktuell brachte er die Themen Europas und der Welt in das Alldie-Kunsthaus vor rund 30 Besucher und Besucherinnen. Dort ging es kurzweilig von einem Thema zum nächsten: „Für die Älteren unter uns ist das Klimapaket ja gar nicht mehr relevant“ und „niemand kann so viel für das Klima tun wie Thomas Cook oder der Berliner Flughafen“. Der Kleinkünstler erwähnte die überschaubare Anzahl seiner Besucher und schmunzelte: „Es geht ja nur um mich“ – getreu seinem Programm „Mein Leben als Ich“.

So ging es um die großen Fragen des Lebens: „Die Fragen nach dem Ich, welche Rolle ich spiele? Haupt- oder Nebenrolle?“ Von da an bezog er das Publikum als Zeugen mit ein: „Mit der Gema ist das so eine Sache, die kassieren beim Veranstalter, sind aber beim Auszahlen an die Künstler nicht ganz so spendabel.“ Weshalb er nun nachweisen müsse, dass er alle zwei Minuten drei Minuten spielen müsse, oder alle drei dann fünf? Über die Rolle der Nase bei der Partnerwahl kam er vom Thermomix wieder zum Ich und seiner Sturm- und Drangzeit, als Freiheit noch alles war. „Als Künstler kommst du sogar ohne Geld gut rüber.“

Nicht jede Pointe ist sofort erkennbar

Weiter ging es von Cat Stevens zu Donald Trump, der im Kindergarten unter den Drei- bis Fünfjährigen unter seinesgleichen wäre: „Geringe Aufmerksamkeitsspanne, fehlende Impulskontrolle“. Das Publikum durfte mitsingen: „Die Gema möchte ich nicht missen“, und tat es auch. Pointiert erläuterte Masuth die aktuelle Gefahr von rechts und die Ignoranz in der Politik, nicht nur bei diesem Thema.

Die Zuschauer mussten schon sehr aufpassen. Denn nicht jede Pointe war sofort zu erkennen. „Warum hat Hiltler die Mauer gebaut?“ – „Es muss doch heißen: Warum hat Hitler die Mauer bauen lassen!“ Vom Fahrradfahren ohne Helm und Spielplätzen, die keinen TÜV hatten, ging es zur Wischkompetenz der heutigen Handynutzer: „Wischkompetenz trainiert keinen Gleichgewichtssinn.“ Viel Ironie, viele leise Töne, geschickte Satzbauten, die erst etwas zeitversetzt den Sinn offenbarten.

Anspruchsvoll, ironisch und nicht ganz leicht

Suse und Harald Grünendahl waren begeistert: „Am Ende trifft er.“ Wenn Masuth von sich spreche, fühle man sich als Zuschauer sofort selbst angesprochen: „Sehr gesellschaftskritisch.“ Sein Programm sei anspruchsvoll, ironisch und nicht ganz so leicht. Auch Luise Aßmann war sehr angetan: „Mir gefällt der Vortrag gut, weil mir politisches Kabarett gut gefällt. Und er ist sehr sympathisch.“ Suse Grünendahl ergänzte: „Und sehr aktuell!“

Roland Krause ist sehr an kulturellen Angeboten im näheren Bereich interessiert, die barrierefrei sind, denn er sitzt im Rollstuhl: „Ich bin sehr angetan, ich schätze Kabarett sehr, das hier ist schon höhere Kategorie. Auch die Mischung Wortbeitrag und Musik schätze ich sehr.“ Er hatte sich bewusst für Masuth entschieden, hatte ihn auch schon mal gehört.

Viel Nachdenkliches für die Besucher

Masuth fasste viele Realitäten zusammen: „Wir sind eine Gesellschaft von Egoisten. Die Mehrheit der Gesellschaft hält sich nicht mehr an die Gesetze. Das ist viel. Das ist organisiertes Staatsversagen. Es würde mich nicht wundern, wenn die Kläger in Braunschweig noch eine Entschädigung wegen Imageschadens an VW zahlen müssten.“ Unterm Strich zeigte Uli Masuth sein Ich mit Witzen, die eigenes Denken erforderten und entließ die Besucher mit viel Nachdenklichem.

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