Gericht

Velberter (39) soll zwei Mädchen missbraucht haben

Vor dem Wuppertaler Landgericht wurde gegen den Velberter wegen schweren Kindesmissbrauchs verhandelt.

Vor dem Wuppertaler Landgericht wurde gegen den Velberter wegen schweren Kindesmissbrauchs verhandelt.

Foto: Jan-Philipp Strobel

Wuppertal.   Der Angeklagte soll sich an seiner Nichte (6) und einer weiteren damals 13-jährigen Verwandten vergangen haben. Der Mann streitet alles ab.

Zum Prozessbeginn gegen einen 39 Jahre alten Angeklagten aus Velbert um mutmaßlich schweren Kindesmissbrauch kritisierten die Richter des Wuppertaler Landgerichts die Arbeit der Ermittler als unvollständig. Die Akte zum Verfahren sei „dünn“. Zu womöglich wesentlichen Personen ergebe sich aus den Unterlagen nichts. Der Oberstaatsanwältin im Sitzungssaal sagte der Vorsitzende Richter: „Sie verstehen das jetzt nicht falsch, hoffe ich. Wir haben die Anklage ja zugelassen. Aber eigentlich hätten wir sie – so wie sie war – zurückschicken können.“

Sexuelle Handlungen an dem Kind im Ehebett

Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Ihnen zufolge soll sich der inzwischen getrennt lebende, angeklagte Kaufmann 2005 oder 2006 und ein weiteres Mal 2012 an Mädchen im Familienkreis vergangen haben. Bei dem zweiten Geschehen habe eine sechs Jahre alte Nichte ihn und seine Frau besucht. Am Abend habe die erwachsene Frau auf dem Sofa geschlafen, das Mädchen habe mit dem Angeklagten im Ehebett genächtigt. Dabei habe er sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen.

Das Mädchen offenbarte sich seiner Mutter

Das Mädchen soll sich Jahre später ihrer Mutter offenbart haben, nachdem die Schule sie und ihre Mitschülerinnen über Missbrauch und sexuelle Selbstbestimmung aufgeklärt hatte. Dabei soll die weiter zurückliegende Tat aufgedeckt worden sein: Eine Verwandte Mitte 20 habe erklärt, sie glaube die Vorwürfe, weil der Angeklagte mit ihr „auch was gemacht“ habe. Diese Frau bezeugte zum Prozessbeginn Freitag, der zwölf Jahre ältere Mann habe in einer Wohnung in Heiligenhaus mit ihr geschlafen, als sie 13 Jahre alt war.

„Ich war noch nicht strafmündig“

Die Frau fügte hinzu, er habe keinen Zwang angewandt. Er habe aufgehört, nachdem sie das verlangt habe. Sie hätte Schmerzen gehabt. An dem Tag habe er sie per SMS aufgefordert gehabt, ihm bei einem Umzug zu helfen. Sie habe an dem Tag zum ersten Mal Bier getrunken. Was ihr Alter betreffe sei sie sicher: „Ich war jedenfalls noch nicht strafmündig.“ In dem Fall wäre sie zu jung für einvernehmlichen Sex gewesen. Der Mann hätte sich strafbar gemacht. Die Frau fügte hinzu, der Angeklagte habe sich ihr schon zuvor genähert: „Als ich 11 oder 12 war hat er angeboten, dass er mich entjungfern würde.“

Der Angeklagte vermutet ein Komplott gegen ihn

Alles falsch, erklärte der 39-Jährige. Mit dieser Zeugin habe er Jahre später ein kurzes Verhältnis voller Probleme gehabt. Ebenso mit der Mutter des jüngeren Mädchens, die eine Beziehung von ihm gewollt habe: „Ich wollte nicht und habe ihr das gesagt. Zack, zwei Tage später hatte ich einen Brief von der Polizei im Briefkasten.“

Der Vorsitzende Richter fasste zusammen: „Also ein Komplott, ja? Die zurückgewiesene Mutter schickt ihre Tochter im Kindesalter zur Polizei, damit die sie belastet. Und die macht das. Wieso müssen Sie eigentlich alle diese Personen schlecht machen? Reicht es nicht, wenn Sie sagen, Sie waren es nicht?“ Der Angeklagte erwiderte: „Und was machen die mit mir?“

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Das Gericht hörte die jüngere Zeugin zu ihrem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Das Mädchen ist weiter im Kindesalter. Die Richter wollen kommenden Mittwoch (13. März 2019) weiter verhandeln.

>>>WER ÜBER DIE ANKLAGE ENTSCHEIDET

  • Am Ende von polizeilichen Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie einen Beschuldigten anklagt. Sie tut das, wenn sie eine Verurteilung für wahrscheinlich hält.
  • Das Gericht prüft die Anklage anhand der Ermittlungsakten. Bei Fehlern und Lücken der Beweisführung kann das Gericht ablehnen, zu verhandeln.
  • Lassen die Richter die Anklage zur Verhandlung zu, müssen sie alle Zeugen mündlich berichten lassen und zu den Abläufen befragen.

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