Comedy

Velberter Comedian Bora startet seine Deutschland-Tour

Bora hat sein erstes Solo-Programm entwickelt. „Liebevolle Attitüde“ heißt das und damit geht der Velberter Comedian nun auf Tour.

Bora hat sein erstes Solo-Programm entwickelt. „Liebevolle Attitüde“ heißt das und damit geht der Velberter Comedian nun auf Tour.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Der Velberter Comedian Bora hat mit seinem ersten Solo-Programm „Liebevolle Attitüde“ Premiere gefeiert. Nun geht es auf Tour.

Bora – mit gerolltem r – hat zu seiner Premiere „Liebevolle Attitüde“ in das Gebrauchtwarenhaus geladen. Genauer in den Lagerraum. Dort stehen unterschiedliche Stühle in Reihen, Kabel laufen an den Wänden entlang, eine fette Uhr zeigt 19 Uhr. Bora tritt pünktlich wie die Deutschen auf die Bühne.

Sein wiederkehrendes Thema: Typisch Deutsch, typisch Türkisch. Der Deutsche Bora-Ahmet Altun steht zu seinem Migrationshintergrund. Schon sein Name verrät seine Herkunft. Sein Habitus anscheinend auch „Du nisch“, sagte der türkische Türsteher vom Club Bora. Und so beginnt der 31-Jährige aus seinem Leben zu erzählen. „Ich hoffe ihr findet es komisch“. Eine Message habe er nicht und seine rund 100 Zuschauer werden „nicht erleuchtet“ nach Hause gehen. Ob das stimmt?

Die Namensähnlichkeit mit einer Kino-Kult-Figur

Und schon fängt er an. Sein Name klinge weiblich, kenne man ihn nicht, werde eine Frau erwartet. Die buchstäbliche Nähe zu Bora-t, der Kultfigur aus dem Kino, macht ihm bisweilen auch Kummer. Der legendäre Mankini bzw. Borat-Badeanzug beweist sich als überaus lustiges Geschenk für Bora. Im Profil stehend beschreibt er, wie sich die Streifen des Anzugs über seinen abstehenden kugeligen Bauch wölben und im Schritt verschwinden. Dazwischen Leere: „Man hat voll den Durchblick!“ resümiert er selbst amüsiert.

Bora hat abgenommen – und hat im Fitnessstudio viel gelernt

Wer weiß, vielleicht kann er ihn bald tragen, denn die über 20 gepurzelten Kilos sind ihm anzusehen. Immerhin brachte ihm der Tanktop-tragende Murat im Fitnessstudio das richtige Atmen bei. Geräusche wie beim Samenerguss fasst der bekennende Single zusammen. Nach dem Training müsse man die Station verlassen wie „Avengers, die in den Krieg ziehen“. Übrigens: Dicke trinken Cola light. Das sei wie auf der Autobahn geblitzt werden und danach langsamer fahren: „zu spät“.

Wenn er heute gemütlich auf der Couch liegt und ein Geräusch draußen hört, springt er auf, geht ans Fenster, öffnet es und schaut raus. „Nichts“ stellt er fest, aber auch, dass es am Fenster gemütlich ist. So beginnt er die Fahrradfahrer, die falsch fahren, zu korrigieren oder die Pünktlichkeit der Busse zu kontrollieren. Eine Mail an den Verkehrsverbund sei schnell geschrieben. Seit er Deutscher ist, sei seine Toleranz gesunken. Als Türke wäre er vermutlich nicht mal wegen eines Geräusches aufgestanden.

Boras Hobbys haben sich verändert

Auch seine Hobbys haben sich verändert. Vor seiner Einbürgerung vor vier Jahren stand er an Ecken und hat Leute angepöbelt. Heute beteiligt er sich an der Aktion „Krötenwanderung“. Zwischen 19 und 7 Uhr gelte die maximale Geschwindigkeit von 30. „Merkt die Kröte“, fragt er sich, „ob sie mit 30 oder 80 überfahren wird?“ Noch mehr aber faszinieren ihn die Kröten. „Mist“, wird wohl die eine oder andere unken, „6.59 Uhr, jetzt können wir nicht mehr über die Straße“.

Nach dem Schwimmen, berichtet er, lässt er nunmehr als Deutscher die Boxershort bei Duschen weg. Dennoch bringt ihm sein Landsmann und Duschnachbar die Zeremonie richtig bei. Eine gedrehte Pyramide Gel auf die flache Hand und dann genießen. Mit brutal realen, nur leicht überzogenen Bewegungen streichelt er sich männlich zum riesigen Spaß seiner Gäste. „Bei jedem Mann ist der Penis der Türke“, sagt er im Zusammenhang mit Up-Skirting. Das Thema regt ihn ehrlich auf. Die Comedy-Schau wird ernst. Menschlich.

Familie ist für den Velberter ganz wichtig

Und genau diese „liebevolle Attitüde“ zeichnet Bora aus. Seit seinem ersten Auftritt als Stand-up Artist vor rund 18 Monaten hat er an sich gefeilt, zeigt in manchen Augenblicken den Nukleus. Die Wichtigkeit von Familie und Freunden, von persönlichem Austausch gepaart mit herzlichem und selbstironischen Humor. Sei Publikum prustet immer wieder aus der Tiefe los und lacht lauthals heraus.

Er bewundert seine Mutter, die neuerdings auf Instagram unterwegs ist. „Sie postet 15 Fotos an einem Tag und dann 15 Tage nichts mehr.“ Sie sei nicht davon abhängig, wer was denkt oder wie der Algorithmus funktioniere. So ist es nicht verwunderlich, dass ihm sein Bruder Onur im Anschluss seiner Premiere eine wunderbare Torte mit guten Wünschen „für Erfolg und Glück“ überreicht. Die Familie steht hinter ihm. Bora: menschlich, humorvoll, mitreißend.

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