Neanderland Wanderwoche

Wanderung rund um das Nevigeser Schloss

Gerhard Haun (Mitte, roter Pullover) erläuterte zu Beginn der Wanderung die Historie von Schloss Hardenberg. 

Gerhard Haun (Mitte, roter Pullover) erläuterte zu Beginn der Wanderung die Historie von Schloss Hardenberg. 

Foto: Editha Roetger

Neviges.   Im Rahmen der Neanderland Wanderwoche ging es einmal rund um Neviges. Startpunkt war das Schloss Hardenberg, Ziel der Mariendom.

Mehr als pünktlich begann Stadthistoriker Gerhard Haun bei strahlendem Sonnenschein vor rund 30 Teilnehmer über das Schloss Hardenberg zu erzählen. Es war keine gewöhnliche Führung. Organisiert vom Förderverein „Verein der Freunde und Förderer des Kulturensembles Schloss Hardenberg in Velbert-Neviges“, war sie der erste Teil einer umfassenden Führung in Neviges im Rahmen der Neanderland-Wanderwoche, die noch bis einschließlich Sonntag ein umfangreiches Programm anbietet.

30 Minuten dauerte die Einführung zur Wanderung

Interessiert hörten die Besucher zu und staunten nicht schlecht. So war einer Teilnehmerin bis dahin nie aufgefallen, dass das Gebäude der Vorburg Schloss Hardenberg links zwei- und rechts dreigeschossig sei. Eine von vielen Besonderheiten, von denen Haun begeisternd erzählte. Nach rund 30 Minuten brachen dann die Wanderfreunde gemeinsam mit Landschaftsarchitekt Martin Straßen auf, der für den verletzten 1. Vorsitzende des Fördervereins, Herwart Brill, eingesprungen war und die Führung auf den Marienberg übernommen hatte.

Spuren des Clemensstollens immer noch sichtbar

Der Weg führte zunächst über den Hardenberger Bach in den Wald, der vor rund 100 Jahren noch zum Bergwerk Glückauf und Hohmannsburg gehörte und als Clemensstollen bezeichnet wurde. Mit den Armen weitausholend, zeigte Straßen wo rechts vom Weg der Abraum neue Flächen geschaffen habe: „Im Winter sieht man das ganz deutlich“, da sei die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit sehr gut sichtbar. Links vom Weg zeugen die trichterförmigen Erhebungen von den ehemaligen Wetterschächten, durch die die Frischluft für die Stollen gepumpt wurde. Anfangs sei Erz, dann auch Blei abgebaut worden, „aber wohl nie wirklich erfolgreich.“

Auf Umwegen zum jüdischen Friedhof

Auf einem Umweg ging es an einem Acker vorbei, dessen Bauer den Neanderlandsteig nicht ganz so toll findet und der den Weg wohl immer wieder mit dem Feld zusammen umpflügt. Am alten jüdischen Friedhof, auf dem vor über hundert Jahren die letzte Bestattung stattgefunden habe, staunten die Wanderfreunde, wie gut erhalten und gepflegt dieser ist. Auf dem alten Fußweg von Neviges nach Langenberg, der an eben diesem vorbei führte, ging es weiter. „Früher ging man über die Höhen, weil es im Tal immer feucht und nass war“, erläuterte der Wanderführer, der immer höher den Marienberg erstieg.

Immer wieder Ärger mit Eigentümern

Der Weg in der Sonne war warm und so ging es nicht direkt auf dem alten Pilgerweg durch den Wald sondern an Feldern vorbei. „Links liegt der Donnenberg,“ wie eine Teilnehmerin auf Nachfrage erfuhr. Und noch einmal verlief der Weg an einem Grundstück vorbei, dessen Eigentümer, trotz der Wegerechte des Kreises Mettmann immer wieder die Beschilderung entfernt. Ein Ärgernis, dass häufiger am Neanderlandsteig auftritt.

Auf dem Weg gleich neben dem S-Bahnhof fing Martin Straßen an zu schwärmen: „Im Winter kann man einen unglaublichen tektonischen Bruch hier sehen“. Straßen wünscht sich, dass die Felswand dauerhaft vom Grün befreit wird und dieser Bruch als Sehenswürdigkeit ausgewiesen und beworben wird. An gleicher Stelle deutet er dann auf den Burgberg, wo heute noch die Reste auf eine alte Burg hinweisen. Auch das Schloss Hardenberg sei als Burg konzipiert.

Zum Abschluss ging es zum Mariendom

Monika Oehler aus Wülfrath war sehr angetan: „Die Höhen haben mir besonders gut gefallen. Bei diesem Blick könnte ich stundenlang verweilen. Martin Straßen hat das sehr informativ und professionell gemacht.“

Zum Abschluss der Wanderung ging es noch einmal zu Gerhard Haun, der am Dom auf die Wanderer wartete, und dort zur Entstehung, Idee und Ausführung durch den berühmten Kölner Architekten Gottfried Böhm erzählte.

Der Velberter Wim Martin war beeindruckt: „Ich fand es super schön, einen mir unbekannten Weg durch die Nevigeser Natur zu laufen. Auch hat mir die stadtgeschichtliche Einführung von Gerhard Haun sehr gefallen. Der im übrigen mein ehemaliger Deutschlehrer am neusprachlichen Gymnasium Velbert war.“

Beschilderung wird immer wieder entfernt

Immer wieder kommt es vor, dass die Beschilderung der Wander- und Rundwanderwege entfernt wird. Offenbar ist die bisherige Beschilderung für den Neanderlandsteig und dessen Entdeckerschleifen zum Diebstahl besonders geeignet: Die roten Schilder mit weißem „N“ für den Neanderlandsteig und weiße Schilder mit einem roten „N“ für die Entdeckerschleifen werden auf Metallplatten geklebt und diese mit einem speziellen Kleber auf Bäumen und Pfosten angebracht. Auf Metalluntergrund können sie auch direkt aufgeklebt werden.

Wegewarte kümmern sich um die Ausschilderung

Wegewarte des Kreises Mettmann, der Sauerländische Gebirgsverein und in Velbert auch die Soko Langenberg zeichnen die Wege regelmäßig aus. So könnten Wanderer ohne Karte oder Navigation ihre geplante Route erwandern. Doch wenn der Hinweis an einem Abzweig fehlt, sei das sehr ärgerlich, gerade wenn sich Touristen nicht auskennen. Regelmäßig gibt es darüber Beschwerden, die beim Kreis Mettmann, der den Neanderlandsteig auf 240 Kilometer initiiert hat und bewirbt, auflaufen.

Streit zwischen Eigentümern und dem Kreis Mettmann

Sowohl der Neanderlandsteig als auch die Entdeckerschleifen verlaufen entweder auf alten Wanderwegen, für die es bereits Wegerechte für die Öffentlichkeit gibt, oder es wurden mit den Eigentümern Vereinbarungen über die öffentliche Nutzung getroffen. Bei letzteren liegen aktuelle Einverständniserklärungen vor, bei ersterem wollen Anrainer oft nichts von diesen Wegerechten wissen. Sie blockieren oder boykottieren die Wege, lassen umgefallene Bäume liegen, laden extra Waldabfälle ab oder pflügen die sichtbar getretenen Pfade einfach um. Darüber hinaus werden die Hinweisschilder regelmäßig entfernt oder gar Schilder aufgestellt, die einen Durchgang verbieten, wie zuletzt auf dem Stück des Neanderlandsteigs hinter der S-Bahnhaltestelle in Neviges.

Hinweise nimmt der Kreis Mettmann dazu unter info@neanderlandsteig.de gern entgegen.

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