Digitales Leben

Was Eltern und Kinder über Apps wissen – und was nicht

Was treiben die Kinder im Netz? Welche Apps nutzen sie und wo lauern Gefahren? Nicht alle Eltern wissen das – oder interessieren sich dafür.

Was treiben die Kinder im Netz? Welche Apps nutzen sie und wo lauern Gefahren? Nicht alle Eltern wissen das – oder interessieren sich dafür.

Foto: imago

Velbert-Mitte.   Musical.ly ist eine App fürs Smartphone, die bei Jugendlichen hoch im Kurs steht. Doch oft wissen Eltern nicht, welche Gefahren dahinter lauern.

Sie heißen Lisa und Lena, sind Zwillinge, 15 Jahre alt und berühmt. Millionen folgen den beiden im Internet auf diversen Plattformen. Weshalb? Sie tanzen zu kurzen Musikstücken und bewegen dazu die Lippen. Musical.ly heißt die App, die das möglich macht – und die ist derzeit vor allem bei Teenie-Mädchen äußerst beliebt. Maximal 15 Sekunden sind die Clips lang, werden dann hochgeladen und können von Freunden mit Herzchen bewertet werden – analog zu den „Likes“ bei Facebook.

Datenschützer üben Kritik

Doch Datenschützer üben Kritik an der kostenlosen App: Sie ignoriere Privatsphäre- sowie Datenschutzanforderungen und verleite zu einer unsicheren Nutzung. Problematisch sei auch, dass man Konten nicht löschen kann und beim Beenden der App nicht automatisch abgemeldet wird. Außerdem könne es Probleme mit der GEMA geben. Und: Da sich jeder die App runterladen kann, könnten sich auch Erwachsene problemlos ansehen, wie Teenies zur Musik ihrer Lieblingsstars tanzen.

Eltern müssen Gefahren kennen

Viele Eltern wissen allerdings gar nicht, was ihre Kinder da treiben. Diese Erfahrung haben auch die Medien-Scouts am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) gemacht. Die Jugendlichen werden ausgebildet, um ihren Mitschülern – aber auch den Eltern – Tipps für den Umgang mit der digitalen Welt zu geben.

„Also wenn es darum geht, was so eine App überhaupt macht, dann brauchen definitiv die Eltern mehr Informationen“, sagt Nisa (13). „Die Eltern müssen wissen, was die Apps alles können, welche Daten die abgreifen. Sie müssen einfach die Gefahren kennen“, ergänzt Tobias (15).

Aufklärung für Kinder und Jugendliche

Für die Kinder und Jugendlichen wiederum sei Aufklärung nötig: „Ist einem bewusst, dass solche Videos wie bei Musical.ly für immer im Netz bleiben? Und ob man das noch sehen will, wenn man 15 ist?“ Charlotte (12) hat beobachtet, dass „viele einfach was runterladen und gar nicht darauf achten, auf was so eine App alles zugreift.“ Denn das sei wichtig: Ist es nötig für das Funktionieren der Anwendung, wenn sie auf die Kontakte oder gar die Fotogalerie oder das Mikro zugreift?

Doch die drei Jugendlichen warnen auch davor, zu verallgemeinern: „Es gibt bei Eltern und Jugendlichen verschiedene Fraktionen – von übervorsichtig bis ahnungslos ist da alles bei.“

„Eltern müssen sich informieren“

Odette Pingsmann aus der Elternpflegschaft des GSG schaut genau hin, was ihre Kinder mit Smartphone, Tablet und Co. treiben. „Es gibt keine unbegrenzte Nutzung bei uns“, erzählt sie und hat auch ein Auge auf die Anwendungen, die ihre Kinder benutzen: „Facebook gibt es nicht und bei Instagram darf ich draufschauen.“ Als Mitglied der Elternpflegschaft habe sie auch mit anderen Müttern und Vätern viele Gespräche geführt.

„Wir sind nicht damit aufgewachsen, daher brauchen wir eigentlich eine Schulung. Teilweise sind das böhmische Dörfer.“ Aber: „Es bringt nichts, wenn immer die Gleichen an den Infoabenden teilnehmen.“ Dabei gebe es genug Möglichkeiten, sich zu informieren.

„Ich glaube, denen ist das egal“ – Kinder machen sich Gedanken über Apps

Emily ist neun Jahre alt und hat – natürlich – ein Smartphone. Als das Gespräch auf Musical.ly kommt, strahlen ihre Augen. „Ja, ich hatte das auch auf meinem Handy“, sagt sie. „Aber jetzt nicht mehr.“ Ihre Eltern wollten nicht, dass sie die App weiter nutzt. „Ich durfte aber sowieso nichts online stellen, weil da ja jeder drauf zugreifen kann.“ Philip wiederum spielt lieber auf dem Smartphone, als dass er Musikvideos dreht. „Rennspiele mag ich. Oder Spiele, in denen man was herstellen muss“, erzählt der Zehnjährige.

Apps laden dürfen beide, da haben die Eltern nichts gegen, erzählen sie. „Aber nur welche, bei denen man nichts hochladen kann“, sagt Philip. „Oder Ballerspiele, die darf ich auch nicht haben.“ Untereinander reden die Kinder auch ab und zu über die Apps, erzählt Emily. Viele ihrer Freundinnen nutzen Musical.ly, laden auch Videos hoch. „Ich frag’ die dann schon mal, warum die das machen. Aber ich glaube, denen ist das egal.“

Eltern vertrauen dem Nachwuchs

Anwendungen, mit denen Eltern das Nutzverhalten der Kinder steuern oder kontrollieren können, gibt es zwar – „aber die haben wir nicht“, bestätigen Emily und Philip. „Meine Mama vertraut mir“, sagt die Neunjährige. „Meine auch“, sagt Philip, um dann verschmitzt grinsend anzufügen: „Mehr oder weniger.“

„War überrascht, dass Fotos noch da waren“ – Vor der Nutzung einer App Zeit nehmen

„Keiner weiß, was mit den Daten passiert, wo die hingehen und wer die an wen verkauft.“ Viktor ist 20 und ist sich durchaus bewusst, welche Gefahren hinter den praktischen Anwendungen lauern können. „Aber viele in meinem Alter machen sich einfach keine Gedanken“, hat der junge Mann festgestellt. Andererseits: „Wenn alle aus meinem Freundeskreis eine App nutzen, dann will ich das auch. Obwohl da manchmal seltsame Punkte in den AGB stehen.“

Schlechte Erfahrungen in dem Sinne habe er noch nicht gemacht, allerdings „habe ich mal bei Facebook Bilder von mir gefunden, da war ich echt überrascht, dass es die noch gibt“, sagt er. „Aber zum Glück war das nichts Peinliches.“

Inzwischen nutzt der 20-Jährige sein Smartphone fast nur noch, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. WhatsApp ist das Mittel der Wahl. Und wenn er doch mal eine neue Anwendung installieren will? „Dann nehme ich mir Zeit. Bei Google Play oder im Appstore wird ja inzwischen angezeigt, auf welche Funktionen die App zugreifen will.“ Und „sind da Sachen bei, die meiner Meinung nach nicht zum Funktionieren nötig sind, dann verzichte ich lieber.“

Kommentare lesen

Auch hilfreich: „Die Kommentare zu der App lesen. Wird da vor dubiosen Praktiken oder Datenverkauf gewarnt, dann auf jeden Fall die Finger weg lassen.“

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