Velberter Unternehmertreff

Was Velberter Unternehmer von Schiedsrichtern lernen können

Lutz Wagner, ehemaliger Bundesligaschiedsrichter, sprach zum Thema „Entscheiden in Stresssituationen“.

Lutz Wagner, ehemaliger Bundesligaschiedsrichter, sprach zum Thema „Entscheiden in Stresssituationen“.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert.  Vor Firmenchefs referierte Ex-Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner über „Entscheiden in Stresssituationen“. Und lieferte erstaunliche Beispiele.

Unternehmer Wilhelm Janski kommt seit 1995 zum Velberter Unternehmertreff, zu dem die Wirtschaftsförderung der Stadt Velbert seit nun 25 Jahren meist zwei Mal im Jahr einlädt: „Ich komme hierher, um Kontakte zu knüpfen“, bekennt er. Neben meist sehr guten Referenten gibt es im Anschluss immer auch ein „Get together“, in dem sich die Gäste untereinander, aber auch mit den jeweiligen Referenten, austauschen können.

Rund 90 Unternehmer in der Vereinigten Gesellschaft

Zu dem „55. oder 56. Unternehmertreff“ leitete Wilfried Löbbert, Leiter Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing der Stadt Velbert, ein und erwähnte seinen Stolz auf die Velberter Wirtschaftskraft. „Ganz besonders freut mich Ihre Standorttreue“, richtete er sich an die rund 90 geladenen Unternehmer und Unternehmerinnen in der Vereinigten Gesellschaft. Dann übergab er an Lutz Wagner, der seit 2010 Bundeslehrwart für Schiedsrichter des DFB ist und in seiner aktiven Schiedsrichterzeit mehr als 450 Profispiele gepfiffen hat.

„An Applaus bin ich als Schiedsrichter nicht gewöhnt“

Wer eigne sich wohl besser als Referent zu „Entscheiden in Stresssituationen“, als ein Entscheider, der für seine Entscheidung weniger als 0,7 Sekunden hat. Kurzweilig und witzig – für die witzigen Anekdoten durfte oft seine nicht anwesende Ehefrau herhalten – bewies der Hesse seinem Publikum, wie wichtig die Perspektive bei Entscheidungen sei, auch, dass man besser falsch als gar nicht entscheiden müsse.

„Danke für den Applaus, das bin ich als Schiedsrichter nicht gewöhnt“, wohl auch das eine Gemeinsamkeit von Schiedsrichtern und Unternehmern, die wichtige Entscheidungen zu tragen haben: „Sie werden daran gemessen, dass es klappt. Sie alle hier sind Führungskräfte. Und ich bin Schiedsrichter mit Begeisterung.“ Das merkte man dem 56-Jährigen an, der mit vielen Beispielen aus seiner insgesamt 18-jährigen Erfahrung als Bundesligaschiedsrichter das Publikum für 70 Minuten in seinen Bann zog.

Ein kurzes Zeitfenster

So auch Michael Balka, Geschäftsführer der Baku Chemie GmbH: „Der Redner war unglaublich spannend, bemerkenswert schnell denkend. Es hat mich unheimlich fasziniert, dass man so eindrucksvoll schnell handeln kann. Irre!“ Wagner sieht sich als Projektleiter, ist Anwalt des Spiels. Zwischen sehen und pfeifen gebe es nur ein kurzes Zeitfenster für die Entscheidung und für deren Akzeptanz.

Mit Gesten Grenzen setzen

Er ließ die Teilnehmer an seinem Gefühl teilhaben, wie es sei, vor 80.000 Zuschauern, beispielsweise ins Dortmunder Borussia-Stadion, einzulaufen. Und dann später zu hören zu bekommen: „Hängt ihn auf, die schwarze Sau.“ Mit vier kurzen Einspielungen aus Fußballsituationen zeigte er das kurze Zeitfenster einer Entscheidung auf, ließ das Publikum mitentscheiden und demonstrierte später eindrucksvoll, wie man mit Gestik, Mimik und Diplomatie Grenzen setzt.

Zum Nachdenken angeregt

Angela Wolf vom Parkhotel Velbert war sehr angetan: „Ich fand, es war ein sehr erfrischender Vortrag, der zum Nachdenken anregt. Der Vergleich zwischen Schiedsrichter und Führungsentscheidungen war in vielen Teilen zutreffend.“ So auch Dr. Dirk Herrmann, Werksleiter der Wieland Werke: „Ich fand den Vortrag sehr interessant, sehr kurzweilig. Super, wie er den Fußball als Beispiel für allgemeingültige Dinge nimmt.“

Der Zufall kann hart treffen

Darüber hinaus glaubte Herrmann, dass sich Fußball sehr gut dafür eigne, Dinge zu transportieren: „Weil sie jeder kennt.“ Und auch Wilhelm Janski, Geschäftsführer der BaTaLog Mobile Solutions GmbH, hatte aus dem Vortrag für sich etwas mitgenommen: „Der Vortrag war generell positiv, ich habe mir Notizen gemacht: Je mehr man plant, desto härter trifft einen der Zufall.“

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