Gesundheit

Wo Betroffene in Velbert bei Inkontinenz Hilfe finden

Dr. Gerd Degoutrie, Chefarzt der Frauenklinik im Klinikum, präsentiert ein EMG, ein gesteuertes Muskelstimulationsgerät für den weiblichen Beckenboden.

Dr. Gerd Degoutrie, Chefarzt der Frauenklinik im Klinikum, präsentiert ein EMG, ein gesteuertes Muskelstimulationsgerät für den weiblichen Beckenboden.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Velbert.  Über das Tabuthema Inkontinenz informierten auf einem Themenabend Ärzte des Helios Klinikums Niederberg. Selbst Kinder können betroffen sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Inkontinenz ist keine Frage des Alters und ganz bestimmt kein Grund, sich zu schämen. Wie aber konkrete Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten aussehen und welche Hilfsmittel es für die Betroffenen gibt, darüber informierten Experten beim Kontinenztag des Helios Klinikums im Restaurant Da Vinci.

Spezielle Medikamente können helfen

Für viele Betroffene ist Inkontinenz noch immer ein Tabu-Thema – und das, obwohl in Deutschland mindestens fünf Millionen Menschen an ständigem Harndrang, Urinverlust oder Stuhlinkontinenz leiden. Selbst die Kleinsten können schon betroffen sein, wie Cornelia Möhring, Leiterin der Kinder-Urologie, in ihrem Vortrag erklärte. Ist ein Kind mit fünf Jahren noch nicht trocken, sollten Eltern abklären lassen, was für Gründe dahinterstecken. Wenn eine Behandlung notwendig ist, gibt es entsprechende Medikamente oder die Möglichkeit, Verhaltensweisen, wie zum Beispiel zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu trinken, zu trainieren.

„Geduld ist das Allerwichtigste“

Möhring machte aber auch deutlich, dass „Geduld das Allerwichtigste ist. Und direkt danach kommt Verständnis für das Kind. Kinder nässen nicht ein, um jemanden damit zu ärgern.“ „Zu urinieren ist normal, es geschieht hier lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort“ verdeutlichte Professor Mark Goepel, Chefarzt der Klinik für Urologie, noch einmal.

„Unser Ziel war es, eine interdisziplinäre Runde und Informationsplattform zu schaffen, mithilfe derer die Krankheit aus vielen Perspektiven betrachtet werden kann“, erklärte Nadine Formicola, Pressesprecherin des Helios Klinikums. „Von Jung bis Alt kann jeder betroffen sein.“ Dementsprechend breitgefächert waren auch die Themen der Vorträge: Alexis Müller-Marbach informierte die Besucher über „Unwillkürlichen Stuhlverlust im Alter, Professor Goepel selbst behandelte das Thema „ Harninkontinenz des Mannes – wie kann man helfen?“.

Protokoll führen

Über den Ablauf der Behandlung bei an ihn überwiesenen Patientinnen berichtete Gerd Degoutrie, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Vor einer OP steht immer ein konservativer Behandlungsversuch. Für viele Patientinnen ist es aber auch bereits aufschlussreich, ein Protokoll über Trinkgewohnheiten zu führen. Oft wird dann erst klar, dass die Hauptmenge an Wasser zu spät abends zu sich genommen wird und dann zu einer vollen Blase führt.“

Auch Selbsthilfegruppen waren vertreten

Wer aber ernsthaft erkrankt ist, bekommt Hilfe. Zum einen durch Selbsthilfegruppen, die ebenfalls vertreten waren, zum anderen durch Rehatechnik und medizinische Produkte: Manuela Finkenstein und Iris Wolthaus arbeiten bei Luttermann, Dienstleister im Gesundheitswesen, und stellten Interessierten „aufsaugende und ableitende Inkontinenzversorgung“ vor. „Viele Kunden möchten zunächst nicht gern über Inkontinenz reden und hoffen, alles selbst hinzubekommen“, wissen die beiden. „Es gibt aber viele Hilfsmittel, die auch optisch ästhetischer und unauffälliger werden“. Ein Katheter, der in mintgrün oder rosé und nicht größer als ein Mascarastift daherkommt, passe in jedes Schminktäschchen, ohne auszufallen.

Wichtige Tipps und konkrete Hilfsmöglichkeiten gab es also – die Besucher des Infotages nahmen beides gerne an.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben