Suchtprävention

An Sekundarschule Warstein wird Aufklärung groß geschrieben

Aufklärung über Drogen ist schon bei jüngeren Schülern wichtig: Volker Olschewsky, Alexander Droste, Cordula Witthaut und Rolf Häckel erzählen von ihren Erfahrungen bei dem Projekt des LWL an der Sekundarschule in Belecke.

Aufklärung über Drogen ist schon bei jüngeren Schülern wichtig: Volker Olschewsky, Alexander Droste, Cordula Witthaut und Rolf Häckel erzählen von ihren Erfahrungen bei dem Projekt des LWL an der Sekundarschule in Belecke.

Foto: Tanja Frohne

Belecke.  Drogen gibt es auch an ländlichen Schulen, das ist bittere Realität. Präventivmaßnahmen werden an der Sekundarschule in Belecke ergriffen.

Schüler, die in einer ländlich geprägten Gegend mit Drogen experimentieren, nicht nur Hasch, sondern auch synthetisch hergestellte Rauschmittel konsumieren – was vor einigen Jahren noch undenkbar erschien, ist heute bittere Realität. Schließlich sprechen sich nicht nur Drogen-Umschlagplätze schnell unter den Jugendlichen herum, auch das Internet bietet viele Möglichkeiten, für Drogenkäufe. In Zeiten sinkender Hemmschwellen ist es um so wichtiger, Aufklärung zur Suchtprävention zu betreiben. Mitarbeiter und Patienten der LWL-Klinik Warstein waren daher an mehreren Vormittagen bei den Achtklässlern der Sekundarschule zu Gast, um Denkanstöße zu geben.

LWL geht aktiv auf Schulen zu

„Wir haben vor kurzem im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit beschlossen, dass wir aktiv auf die Schulen zugehen“, erzählt Cordula Witthaut, Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Zusatzausbildung Suchtfachschwester, wie die Kooperation mit der Sekundarschule entstand. Die war begeistert. „Der Bedarf, über Drogen aufzuklären, ist schulformunabhängig da“, betont Rolf Häckel, Abteilungsleiter 1 und Beratungslehrer. Eine niedrigere Hemmschwelle bei den Schülern und einfachere Beschaffungsmöglichkeiten als noch vor einigen Jahren machen dies nötig.

Mitarbeiter und Klienten der LWL-Klinik einzuladen, habe eine positive Wirkung. „Wenn ich als Lehrer doziere, ist das längst nicht so eindrucksvoll, wie wenn Betroffene berichten. Die haben erzählt, wie sie kriminell wurden, Leute beklaut haben, die sie lieben, um die Sucht zu finanzieren – das hat die Schüler in den Bann gezogen.“

Cannabis hat stärkere Wirkung als früher

Dabei erfuhren die Schüler auch, dass Cannabis-Konsum längst nicht so harmlos ist, wie viele dachten. „Da die Pflanzen gentechnisch verändert sind, haben sie eine viel stärkere Wirkung“, erklärt Cordula Witthaut. „Vor 20 Jahren hätte noch keiner geglaubt, dass es eine qualifizierte THC-Suchtbehandlung geben würde, die die Krankenkassen tragen. Aber die Wirkung ist inzwischen so potent, dass selbst Psychosen entstehen.“

Hinzu kommen viele Designerdrogen, die man einfach im Internet bestellen könne. „Hier ist Aufklärung ganz wichtig: Der Klassiker ist, dass Patienten sagen, sie hätten einfach rumexperimentiert und gar nicht gewusst, was sie da eigentlich nehmen.“ Das böse Erwachen komme dann oft erst, wenn Entzugserscheinungen einsetzen. So sei es beispielsweise ein Irrglaube, dass Heroin weiß sei – es ist braun – und nur gespritzt werden könne.

Info-Veranstaltung zum Auftakt

All das erfuhren die Schüler zunächst bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung, bei der Cordula Witthaut und Rolf Olschewsky, Sozialarbeiter an der LWL-Klinik, einen ersten Überblick über die Thematik gaben und bei anschließenden Besuchen von zwei betroffenen Patienten in den Klassen. Hier erzählten diese von ihren Erfahrungen mit Drogen, dem sozialen Abstieg und ihrem Kampf gegen die Sucht.

„Das Angebot ist sehr gut angenommen worden“, resümierte Schulsozialarbeiter Alexander Droste. „Allerdings sind noch einige Fragen offen geblieben, so dass wir noch einmal die Mitarbeiter in die Klassen eingeladen haben, um offene Fragen zu beantworten.“

Viele Fragen zum Thema Drogenkonsum

Die waren recht vielfältig. Zunächst noch stockend ging es schließlich Schlag auf Schlag. „Wie lange dauert es, bis man süchtig ist?“, fragt ein Schüler. „Das ist ganz von der Person abhängig“, antwortet Olschewsky. „Manche finden den Rausch so toll, dass sie ihn sofort wieder haben wollen. Andere nehmen Drogen über Jahre nur am Wochenende und es geht lange gut – und dann fühlen sie sich plötzlich krank, wenn sie die Drogen nicht mehr nehmen.“

Ein Mädchen hat eher eine kosmetische Frage: „Von Drogen leidet ja die Haut und man bekommt ganz viele Pickel. Warum nehmen manche trotzdem Drogen?“ Olschewskys Antwort zeigt die Härte der Sucht: „Weil einem irgendwann alles egal ist – dass man sich selbst schadet, dass man sich strafbar macht – und auch das Aussehen ist einem ganz egal.“

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