Geschichte

Auf Spurensuche des Bergbaus in Warstein

Mitten im Hirschgehege des Bilsteintals

Mitten im Hirschgehege des Bilsteintals

Foto: WP

Warstein.   Bis 1949 war in Warstein die Grube David angesiedelt, in der Eisenerz abgebaut wurde. Hinweise darauf lassen sich noch immer finden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Die Welt mit anderen Augen sehen“ heißt ja so ein Spruch. Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal durch den Wildpark geschlendert bin, habe ich vor allem Hirsche im Gehege bestaunt. Als ich dann mit Stefan Enste unterwegs war, sah ich da auf einmal nur noch große Löcher im Boden. Also Augen auf, „weil man sich wirklich wundert, an wie vielen Stellen es hier Bergbau gegeben hat“, erklärt Stefan Enste.

Eine dieser Stellen befindet sich im Bereich an der L735, von Warstein kommend kurz vor der Waldwirtschaft. Dort war bis ins Jahr 1949 die Grube David angesiedelt, in der Eisenerz abgebaut wurde.

Herzog’sches Haus noch zu sehen

Gut 70 Jahre ist das her, Spuren aus dieser Zeit lassen sich bei genauem Hinsehen immer noch entdecken - man muss nur wissen, wie und wo. Der passende Ansprechpartner dafür: Stefan Enste. Denn auch wenn Vieles nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen ist – er findet es spannend, was früher unterirdisch so passiert ist. Unsere Tour beginnt an der Waldwirtschaft.

Wie das so ist beim Eintauchen in die Vergangenheit, ich überlege, wie es wohl früher hier aussah. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie wenig Bäume hier gestanden haben“, stellt Enste fest, als wir an der Straße Richtung Warstein entlang laufen und dabei von großen Waldflächen umgeben sind.

Aber für die Eisenverarbeitung fungierte natürlich Holzkohle als Brennstoff. Und dafür wurden Bäume abgeholzt. Der Wald war für Warstein ein wichtiger Standortvorteil, genau wie das Wasser der Wäster, der Kalk und eben das Eisen, wie Stefan Enste erklärt.

Weiter frage ich mich, wie die Menschen zu dieser Zeit hier gelebt haben. Zum Beispiel der Betriebsleiter der Grube David, der in dem Herzog’schen Haus, das noch immer am Hirschberger Bach steht, beheimatet war. Neben dem Haus steht noch heute der Transformatorenturm, der für die Stromversorgung im Bergwerk wichtig war.

Hütte war wichtiger Arbeitgeber

Die Grube David war nicht das einzige Erzbergwerk im Warsteiner Raum: „An vielen Stellen gab es Betriebe unterschiedlicher Größe“, weiß Enste. Diese gehörten mit zur St. Wilhelmshütte bei Warstein und Suttrop, die wichtiger Arbeitgeber für viele Menschen war. An der Grube David haben wohl 38 bis 45 Personen gearbeitet. So richtig im Bewusstsein der Bewohner im Stadtgebiet Warstein ist diese Bedeutung aber heute nicht mehr, findet Enste. Vielleicht, weil auch viele Auswärtige an der Grube David beschäftigt waren. Oder, weil „der Abbau nur ein Schritt zur Eisenverarbeitung in der Hütte war“, überlegt er.

Weiter geht unsere Tour an der Verladerampe. Sie ist hinter dem kleinen Parkplatz bei der Holzhütte zu finden. Im Grunde ist es einfach nur eine mit Grün überwucherte schwarze Platte, die auf Steinen liegt. Früher wurden von hier aus die Fuhrwerke der Pferde mit Eisen verladen. Transportiert wurde das zunächst zum Warsteiner Bahnhof, und dann weiter ins Ruhrgebiet.

Als wir etwas weiter am Feldesrand stehen, spricht Enste von Spuren in der Erde und weist auf eine deutliche Rotfärbung hin – Hinweise auf Eisenerz im Boden. „Rost ist das, ganz einfach gesagt“, erklärt er diese Verfärbung. Überall hätten die Menschen früher nach Erz im Boden gesucht. An der Abbaustelle der Grube David soll die Erde 26 bis 40 Prozent Eisengehalt gehabt haben. Das Erz war nur so gut, dass soeben kostendeckend gearbeitet wurde, erfahre ich von Enste.

Absenkungen nicht natürlich

Im Grunde verlassen wir dann schon das Gebiet der Grube David und nähern uns dem der Grube Bilstein. Auch hier zeigt sich: „Abgesehen vom Namen weiß man nicht viel“, sagt Enste. Es sind mehr die archäologischen Spuren als schriftliche Dokumente, die über die Zeit des Bergbaus in Warstein informieren.

Was Enste mir dann noch vor Augen führt, sind ganz einfach gesagt: Löcher im Boden. Mitten im Hirschgehege ist eine tiefe Absenkung zu erkennen. „Man denkt, das ist Natur“, aber Enste schüttelt den Kopf. An dieser Stelle ist der Boden eingefallen, weil früher unterirdisch abgebaut wurde. Auch für mich war es bislang einfach Natur, aber hier lohnt es, die Landschaft einmal mit anderen Augen zu sehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben