Hospitz

Aufgaben im Warsteiner Hospizkreis

Elisabeth Liß und Susanne Heppe (von links) gehören zum Führungsteam des Warsteiner Hopizkreises,

Elisabeth Liß und Susanne Heppe (von links) gehören zum Führungsteam des Warsteiner Hopizkreises,

Foto: Sebastian Hahn

Warstein.   Elisabeth Liß und Susanne Heppe gehören zum ehrenamtlichen Team des Hospizkreises. Sie erzählen von ihren täglichen Aufgaben.

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Elisabeth Liß und Susanne Heppe sind immer erreichbar, wenn das Telefon klingelt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Berner leiten sie das ehrenamtliche Team des Hospizkreises Warstein – und kümmern sich rundum die Uhr darum, Menschen beim Sterben zu begleiten. Zum Welthospiztag sprechen Sie im Interview mit der WESTFALENPOST über ihre Arbeit in Warstein, das Gefühl, neben sterbenden Menschen zu sitzen und erklären, warum Freunde und Familie oft zu spät die Hilfe in Anspruch nehmen.

Belastet es Sie nicht unheimlich, so viele Menschen beim Sterben zu begleiten?

Elisabeth Liß: „Wir sind dazu angehalten, uns nach der Begleitung der Sterbenden immer eine Auszeit zu nehmen. Die kann manchmal nur vier Wochen dauern, manchmal auch etwas länger. Das kommt immer auch ein wenig auf die Person an, die man begleitet hat.

Susanne Heppe: „Ich hatte noch keinen Fall, der mich persönlich wirklich derart belastet hat, dass ich überlegt hätte, meine Tätigkeit aufzugeben. Es ist irgendwo auch immer ein gutes Gefühl, wenn die Person, die ich betreut habe, glücklich und ruhig einschläft.

Wie lange betreuen Sie die Sterbenden im Schnitt?

Heppe: „Das ist schwierig zu sagen. Manchmal sind es nur wenige Tage, manchmal Wochen und Monate. Ich hatte mal eine Frau, der maximal noch zwei Wochen zum Leben gegeben wurden – und dann sind es noch acht Monate geworden. Wichtig ist, dass wir auf die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen eingehen und ihnen zuhören. Manchmal sitzen wir auch nur neben dem Bett des Sterbenden. Einfach, weil er oder sie sich das wünscht.“

Liß: „Für uns ist es wichtig, dass die Sterbenden konkret sagen, was sie möchten und was nicht – am besten haben sie es vorher sogar schon aufgeschrieben. Dann können wir uns daran orientieren und stülpen den Menschen kein Programm über, dass sie überhaupt nicht wollen. Wichtig ist aber, dass sich die Zugehörigen, also Freunde oder Familie rechtzeitig bei uns melden. Sonst können wir wenig tun.“

Wie meinen Sie das?

Liß: „Die Zugehörigen sind oft der Meinung, dass sie mit der Situation selbst gut umgehen können, nach einem ersten Gespräch mit uns nehmen sie erstmal keine weitere Hilfe an. Oft bekommen wir dann aber kurz vor dem Tod des Menschen einen Anruf, manchmal sogar nur wenige Stunden früher, ob wir vorbeikommen könnten. Das machen wir natürlich auch – aber es ist immer besser, wenn die Sterbenden schon eine Bindung zu uns haben und wir ihnen den Tod so erleichtern können.“

Heppe: „Für die Patienten ist es ja auch unangenehm, wenn auf einmal, kurz vor ihrem Tod, eine fremde Person mit im Raum steht. „

Gibt es bestimmte Muster, an die Sie sich bei der Betreuung halten?

Heppe: „Kann man so nicht sagen. Jede Betreuung ist sehr individuell, wir arbeiten viel mit den Dingen, die die betroffenen Personen besonders gerne mögen. Sei es ein bestimmter Duft oder ein Ort, den die Person besonders mag. Manchmal wollen sie auch einfach noch ein Glas Sekt trinken oder eine bestimmte Person wiedersehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie dann meist kurz nach der Erfüllung der Wünsche sterben.“

Offener Trauertreff für Angehörige

Hört ihre Betreuung mit dem Tod auf?

Heppe: Nein, denn die Trauerbegleitung ist ein entscheidender Teil unserer Arbeit. Unsere Kollegin Anna Berner bietet alle zwei Monate auch einen offenen Trauertreff an, indem Menschen über ihre Probleme und den Umgang mit dem Tod offen reden können und Hilfe bekommen.

Haben Sie das Gefühl, dass der Bedarf nach Betreuung in Warstein gestiegen ist?

Liß: „Auf jeden Fall. Vielleicht auch, weil das Bewusstsein dafür, dass es solche Angebote gibt, in letzter Zeit geschärft wurde. Wir unterschätzen auch immer, dass wir uns in einer ländlichen Region befinden. Viele rufen nicht bei uns an, weil sie Angst haben, dass dies nicht als Hilferuf sondern als Überforderung bei den Mitmenschen ankommt.

Heppe: „Die Wartelisten in Arnsberg und Soest, wo es feste Hospize gibt, sind unglaublich lang. Von daher sehe ich es schon so, dass es einen hohen Bedarf gibt. Viele möchten aber auch zuhause sterben – dafür sind wir dann da.“

Wie ausgelastet ist ihr Team?

Liß: Aktuell haben wir 17 Frauen, die sich an der Arbeit beteiligen. Sie haben alle an einer entsprechenden Schulung teilgenommen und können so eine professionelle Begleitung anbieten, auch wenn sie ehrenamtlich arbeiten. Bindeglied zwischen uns und der Caritas, zu der wir ja gehören, ist Diakon Ludger Althaus. Im Moment klappt es noch ganz gut und wir bekommen die Fälle gut verteilt, aber in Zukunft werden wir sicherlich weitere Unterstützung brauchen.

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