Denkmalschutz

Bei Warsteins Denkmälern bleiben die guten Nachrichten aus

Baudenkmal, Schandfleck – oder beides? Auch um dieses Haus an der Hauptstraße geht es, wenn Warsteins Politik mit der LWL-Denkmalpflege über die Grenzen des Denkmalschutzes streitet. Foto:Lisa Klaus

Foto: Lisa Klaus

Baudenkmal, Schandfleck – oder beides? Auch um dieses Haus an der Hauptstraße geht es, wenn Warsteins Politik mit der LWL-Denkmalpflege über die Grenzen des Denkmalschutzes streitet. Foto:Lisa Klaus Foto: Lisa Klaus

Warstein.   Bei den verfallenen Baudenkmälern in der Warsteiner Innenstadt besteht keine Chance auf Abbruch, stellt der LWL klar. Die Politik reagiert empört.

Als Belastung für die Eigentümer oder als heruntergekommene Bauruinen, die das gesamte Stadtbild verschandeln – wurde in Warstein zuletzt über Baudenkmäler debattiert, dann oft in einem negativen Zusammenhang. Über „eine aufwändige Bürokratie“, „das Eindringen in die Privatsphäre“ und eine „kalte Enteignung“ klagte die Politik in einem Fragenkatalog zum Denkmalrecht fraktionsübergreifend.

Doch das Denkmalpflegeamt beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erteilt allen Forderungen aus Warstein, Eigentümer zu entlasten oder einen Abriss verkommener Baudenkmäler zu erleichtern, eine Absage. Denkmäler seien „als wichtige Zeugnisse vergangener Epochen“ anzusehen, denen „eine identitätsstiftende Wirkung“ zufällt. „Der Erhalt eines Denkmals ist laut höchstrichterlicher Rechtsprechung ,hochgradiger Gemeinwohlbelang’“, erklärt Bruno Kretzschmar von der LWL-Denkmalpflege im Antwortschreiben an die Warsteiner Politik.

Eigentümer müssen mit Belastungen leben

„Die mit dem Erhalt des Denkmals verbundenen Lasten sind in erster Linie vom Eigentümer zu tragen und grundsätzlich nicht kompensationsfähig, denn Eigentum verpflichtet“, erklärt der Denkmalpfleger in seiner Stellungnahme. „Ein möglicher Boykott notwendiger Instandsetzungsmaßnahmen steht nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes.“ Außerdem müssten Eigentümer von Baudenkmälern mit regelmäßigen Kontrollen und bestimmten baurechtlichen Vorgaben leben.

Warsteins Ortsheimatpfleger Bernd Schauten stößt die Antwort sauer auf. „So wichtig der Denkmalschutz auch ist, man kann doch von einem Eigentümer nicht verlangen, sein gesamtes Vermögen in das Gebäude zu stecken“, regt er sich über die kompromisslose Linie der LWL-Denkmalpflege auf.

Schandflecke an der Hauptstraße

Im Auge hat er besonders zwei historische Wohngebäude an der unteren Hauptstraße und auf dem Dieploh. „Das sind doch längst keine Denkmäler mehr, sondern nur noch Schandflecke.“ Bernd Schauten vermisst eine klare Ansage des LWL, bis zu welchem Zeitpunkt ein verfallenes Denkmal noch als erhaltenswert einzuordnen sei.

Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Warstein ruft in der Diskussion um den Denkmalschutz zu einer ganz neuen Denkweise auf: „Denkmale müssen wieder positiv im Blickfeld der Menschen stehen.“

Verfahren sollten bekannter gemacht werden

Die Stadt verweist vor allem darauf, dass Anträge zur Instandsetzung oder Sanierung der historischen Bausubstanz inzwischen einfacher geworden seien. „Die vielfach positiv verlaufenden Verfahren sollten in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden“, fordert die Untere Denkmalbehörde.

Außerdem würden für einen modernen Schall- und Wärmeschutz meist Ausnahmeregeln getroffen. „In den meisten Fällen ist eine Annäherung an die heutigen Ansprüche auch bei einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude problemlos möglich.“

Handlungsspielraum hat die Lokalpolitik nach dem Machtwort aus Münster ohnehin nicht. „Wir müssen uns fügen“, sagt Bernd Schauten. Erst wenn von den Gebäuden eine Gefahr ausgeht, etwa durch lose Dachziegel, könne ein Abbruch neu geprüft werden.

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