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Berufsorientierung anderer Art an Rüthener Sekundarschule

Berufsorientierung anderer Art: Robin Herbst, Timo Dünschede, Christopher Sellerberg, Robin Gerits und André Limberg (vorne von links) stellen in lockerer Rund den Achtklässlern der Privaten Sekundarschule ihre Ausbildungsberufe vor.

Foto: Armin Obalski

Berufsorientierung anderer Art: Robin Herbst, Timo Dünschede, Christopher Sellerberg, Robin Gerits und André Limberg (vorne von links) stellen in lockerer Rund den Achtklässlern der Privaten Sekundarschule ihre Ausbildungsberufe vor. Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Vor einem Jahr waren sie noch Schüler, jetzt sind sie Azubis: Fünf junge Rüthener erzählen Achtklässlern locker-flockig von ihren Erfahrungen.

Näher dran an der Materie geht eigentlich kaum: Vor gut einem Jahr waren Robin Herbst, André Limberg, Timo Dünschede, Robin Gerits und Christopher Sellerberg noch selbst Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule. Inzwischen befinden sie sich in der Ausbildung und berichten ihren ehemaligen Mitschülern der Jahrgangsstufe acht der Privaten Sekundarschule über ihre Berufe und die Erfahrungen im ersten Lehrjahr. Ob 14 oder 17 Jahre alt – beide Seiten unterhalten sich in lockerem Ton auf Augenhöhe.

Es ist eine Premiere. „Wir wollten im Rahmen der Berufsfelderkundung mal andere Wege gehen“, erklärt Lehrerin Annette Herbst-Köller, Berufskoordinatorin an der Sekundarschule. So sei es zu der „lockeren Runde von Azubi zu Schüler“ gekommen. Alle fünf Auszubildenden kommen aus dem Stadtgebiet und lernen bei Betrieben in Rüthen bzw. am Möhnesee.

Nur wenige Mädchen in Ausbildung gewechselt

Auf den ersten Blick mag die Sache ein Manko haben: Alle fünf Azubis sind männlich. Annette Herbst-Köller, die sie persönlich für die Aktion „Azubis erzählen“ gewonnen hat, kann das erklären. Aus dem Abschlussjahrgang 2017 der Verbundschule hätten recht wenige Mädchen eine Ausbildung angetreten. Und: „Es ist nichts jedermanns Sache, vor andere Leuten zu reden.“

Einen anderen scheinbaren Makel – es fehlen daher auch typische Frauenberufe –, widerlegen die jungen Männer, die Elektriker, Landmaschinenmechaniker, Tischler, Altenpfleger und Zimmermann lernen, selbst. Robin Gerits etwa berichtet, das die Tischlerei in der er lernt, gerne auch Frauen ausbilde. So hat er Kolleginnen im zweiten und dritten Lehrjahr. „Die körperlich schweren Arbeiten übernehmen Maschinen“, beruhigt er. „Wenn ihr euch nicht doof anstellt, anpackt und Bock auf den Beruf habt, ist es kein Problem einen Platz zu bekommen“, erzählt er locker. Das gelte für Praktika, aber auch die Ausbildung.

Genug Zeit zur weiteren beruflichen Orientierung

Der 17-Jährige nennt noch ein Plus, das der Weg mit sich bringt, den er und die anderen vier Auszubildenden eingeschlagen haben: „Wenn man direkt nach der Zehn anfängt, bleibt genug Zeit, um sich weiter zu orientieren. Ich muss nicht das ganze Leben als Tischler arbeiten, ich kann studieren, den Techniker oder Meister machen.“

Robin Gerits, der auf die entsprechende Frage der Schüler antwortet, dass er mit seiner Wahl sehr zufrieden sei, macht Mut – Mut zum Ausprobieren und Mut zum Irrtum. Bewiesen hat diesen André Limberg. „In der achten Klasse wollte ich noch Bankkaufmann werden“, erzählt er, und das, obwohl er nach eigenem Bekunden doch „in der Schule ein großer Chaot“ gewesen ist. Nach Praktika in seinem damaligen Wunschberuf habe er gemerkt, dass dieser doch nicht das Richtige für ihn sei.

Altenpflege bietet Nähe zu den Menschen

Das Richtige hat er in der Altenpflege gefunden – nach einem Praktikum, das er freiwillig in den Sommerferien absolvierte. Wie sehr er seinen künftigen Beruf liebt, wird schon an der ausgefeilten Präsentation vor den Schülern deutlich. „Ich will auf jeden Fall in der Pflege bleiben“, betont er. Klar habe dieser Beruf Nachteile wie Schicht- und Feiertagsdienste, aber auch Vorteile in Form enger Kontakte zu Menschen. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich einen Bewohner chic gemacht in den Aufenthaltsraum rollen kann.“

Ein Strippenzieher im Wortsinn ist Robin Herbst als Auszubildender zum Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik. Das gehöre im ersten Lehrjahr dazu – wie auch das Fegen der Einsatzstellen. Gesucht und gefunden habe er mit diesem Beruf „etwas Zukunftsorientiertes“, verweist er auf das weit gefächerte Aufgabegebiet etwa im Bereich Photovoltaik.

Schulleiterin ist beeindruckt von Zielstrebigkeit

„Ich bin beeindruckt, wie zielstrebig und mit wie viel Begeisterung diese jungen Menschen ihren Lebensweg angehen“, beurteilt Schulleiterin Brigitte Werner die fünf Auszubildenden. Das wünscht sie sich auch von den Achtklässlern. Was die Berufswahl angeht haben sie noch etwas Zeit. Einen Platz für das dreiwöchige Praktikum im Herbst aber müssen sie bis spätestens zum Ferienbeginn am heutigen Freitag vorweisen. „Vielleicht hat diese Veranstaltung ja manchen noch auf Ideen gebracht“, lässt sich Berufskoordinatorin Annette Herbst-Köller gerne überraschen.

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