Marienmarkt

Beschicker und Besucher zufrieden mit Krammarkt in Rüthen

Frisch aus der Pfanne: Inge Henkenherm, Johannes Erling, Renate Heidmann, Christel Wersin und Renate Reuter (von links) bieten die beliebten AWO-Reibeplätzchen an.

Foto: Armin Obalski

Frisch aus der Pfanne: Inge Henkenherm, Johannes Erling, Renate Heidmann, Christel Wersin und Renate Reuter (von links) bieten die beliebten AWO-Reibeplätzchen an. Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Viele Besucher und Beschicker halten dem Marienmarkt in Rüthen die Treue. Doch die Teilnehmerzahl hätte größer sein können.

Ja, der Marienmarkt hätte mehr Besucher vertragen können – und auch verdient gehabt. Nein, zur Disposition steht die traditionsreiche Veranstaltung – es war der 485. Marienmarkt – deshalb aber noch längst nicht. Aufgrund einer nicht repräsentativen Umfrage bei Besuchern, Händlern und Organisatoren erklären wir, warum.

Die Händler

Werner Klüner ist Markthändler aus Werl. Seit mehr als 20 Jahren kommt er nach Rüthen. „Das gehört einfach dazu“, erklärt er. Das Sortiment ist breit gefächert. Bambus-Putztücher und Julienne-Schneider, Mützen und Handtaschen bieten er und seine Frau an. Dazu hat Klüner stets einen flotten Spruch auf den Lippen. „Junger Mann, möchten sie auch mal putzen?“, fragt er den Mittsechziger. Der ist sich noch nicht ganz sicher, seine Frau aber schon: „Das bringen Sie ihm mal bei.“

Den ganzen Satz Tücher für nur zehn Euro nehmen sie aber zumindest vorerst doch nicht mit. Für Werner Klüner kein Beinbruch. Überhaupt ist er Optimist: „Wenn es trocken ist, kommen auch die Leute.“ Nur regnet es bis 10 Uhr in Strömen, der Markt aber läuft schon zwei Stunden. „Das wird nichts mehr“, meinen zwei andere Markthändler. Rosemarie Klatecki aus Lippstadt, die Handtaschen, Socken und Portemonnaies anbietet, kommt seit 30 Jahren und findet: „Es wird jedes Jahr weniger.“ Lob hat sie für die Stadtverwaltung übrig: Zum einen werde man dort sehr freundlich behandelt, zum anderen seien die Standkosten extrem preiswert.

Thomas Fischer aus Hannover, der ebenfalls Putztücher, in diesem Fall aus Silikon, anbietet, ist von Beruf Optimist. „Man darf nicht nur warten, dass die Leute kommen, man muss sie bespaßen“, sagt er – und legt los. „Bei dem Preis haben heute hier schon Leute gekauft, die haben gar keine Fenster.“

Die Besucher

Beim Bonbon- und Lakritzstand der Familie Wendler aus Möhnesee treffen sich Beschicker und Kunden, die die Marienmarkt-Tradition hochhalten. Mehr als 30 Jahre, sind sich Barbara Wendler und ihre Tochter Dagmar einig, kommen sie schon nach Rüthen. Etliche Jahre davon gehören die Schwestern Regina Arens, Martina Hüske und Christel Schnurbus zu den Stammkunden. „Wir machen das schon die ganzen letzten Jahre so, dass wir uns zum Bummel über den Marienmarkt treffen“, erklärt Christel Schnurbus. Hat sie am Morgen noch gearbeitet, haben sich die anderen beiden dafür frei genommen. Später werde dann als Vierte noch Schwester Hildegard Langer dazustoßen.

Überhaupt: Neben vielen älteren Besuchern und wenigen Familien mit Kindern – schließlich ist Schule bzw. Kindergarten – sind es die Frauen, die den Marienmarkt-Besuch zur Tradition erhoben haben. „Wie jedes Jahr gehört es einfach dazu, darüber zu bummeln“, findet Annika Mertens und kauft sich, begleitet von Freundin Janine Wolfram eine schicke Tasche. Die eine hat ohnehin Urlaub, die andere hat sich extra frei genommen. „Der Krammarkt zieht mich schon nach Rüthen“, sagt Christiane Jung. Sie ist gebürtige Rüthenerin und aus Büren gekommen. Mit ihrer Schwester Monika Dahlhoff prüft sie das Angebot, zu dem auch die Körnerkissen von Elisabeth Liedke aus Bestwig gehören.

Die Organisatoren

„Alles läuft ganz entspannt“, meint Klaus-Dieter Hötte von der Stadtverwaltung. Seit 5 Uhr morgens sind er und seine Kollegin Ute Sasse unterwegs, um den Markthändlern ihre Plätze zuzuweisen. Etwas regt ihn dennoch auf: Der Wirt, der schon vor Wochen zugesagt hatte, einen Getränkestand auf dem Marktplatz zu betreiben, kann sich angeblich nicht mehr an seine Zusage erinnern. Die Folge: Es gibt zwar Würstchen vom Grill, frische Waffeln und Kaffee, wer aber zu den Klängen des Seniorenorchesters Soest ein Bier oder eine Cola trinken will, geht in die umliegenden Lokale. „Sonst aber ist alles gut“, meint Hötte – und ist sich sicher, dass es 2018 den 486. Marienmarkt geben wird. Ähnlich ergeht es Bürgermeister Peter Weiken, der mit seiner Frau Anke – die Kinder sind in Schule und Kindergarten – über den Marienmarkt bummelt, „bevor der nächste Regenschauer kommt“. Doch den gibt es erst am späteren Nachmittag – dann aber ist der Marienmarkt schon längst vorbei und das Leben geht seinen gewohnten Gang.

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